Hier. Mit dem Bezug zu Blair Witch Project hat man es schon einigermaßen umrissen, doch Trollhunter ist trotzdem den Konsum wert weil A- Norwegen so ein wunderschönes Land ist und die Filmtechnik frisch und nüchtern wirkt und weil B- die Tricktechnik anscheinend endlich erschwinglich an eine jüngere Generation Filmemacher weitergegeben werden kann.
Schöne Trolle. Ein sehr feines Gegenprogramm zum durchgestylten Hobbit.
12/26/2013
Broken Flowers, Jim Jarmusch
Hier. Langsam und stetig vertraut BF allein seinem Protagonisten, dem freilich sehr genialen Herrn Murray. Die Geschichte ist minimal und unversöhnlich und mit kraftlosen Farben und Schnitten wird die entnervende Sinnsuche des potentiellen Vaters illustriert. Episodenhaft sucht er die potentiellen Mütter seines Phantom-Sohnes auf.
Wenn das hier nicht Jarmusch wäre, dann käme irgendwann eine sonnenscheindurchtränkte Katharsis, eine Szene in der alle weinen und dann was gewinnen und in Autos steigen oder sich an Tische setzen.
Hier nicht.
Die Blume ist kaputt. Man braucht eine neue. Gibt ja genug. Seufz.
Wenn das hier nicht Jarmusch wäre, dann käme irgendwann eine sonnenscheindurchtränkte Katharsis, eine Szene in der alle weinen und dann was gewinnen und in Autos steigen oder sich an Tische setzen.
Hier nicht.
Die Blume ist kaputt. Man braucht eine neue. Gibt ja genug. Seufz.
Rust and Bone, Craig Davidson
Hier und hier. Herr Davidson ist ein Brecher, eine Zeilenbrecher: freilich ist das Motiv stetig die männlich-physische Welt der kaputten Sehnen und Biographien, aber hier wird das ganze mit enormer Wucht zelebriert. Es gibt auch Humor, aber nie einen umarmenden. Es gibt dutzendfach Gewalt, aber nie eine die man an einem bestimmten Vorfall festmachen kann: R&B beinhaltet Kurzgeschichten, die sich mit Materie befassen und mit den Menschenseelen, die mit der Endlichkeit der Stoffe umgehen müssen. Amputationen, Reibungen, Irritationen und Geweberisse werden somit Mittelpunkt einer beeindruckend fleischlichen Existenz.
Davidsons Debut-Roman wurde freilich gleich hinterher konsumiert...
Davidsons Debut-Roman wurde freilich gleich hinterher konsumiert...
Sharknado, Anthony C. Ferrante
Hier. Da war die Werbung schuld: das ganze Machwerk ist auf Propaganda ausgelegt. Menschen sagen worum es geht und alle müssen grinsen. Der Konsum des eigentlichen Produkts ist da fast schon Nebensache. Und leider ist der weniger spassig als erhofft (warum wurde das eigentlich erhofft?) - das Vehikel scheitert freilich an allem. Dabei bleibt es aber nicht... charmant. Ja. Denn charmantes Scheitern ist eines, das man sich gern immer wieder anschaut. Wie Plan 9 From Outer Space oder so.
12/19/2013
Blue Is the Warmest Color, Julie Maroh
Hier. Wieder so eine seltsame graphic novel ohne capes. Diesmal über eine pubertäre gleichgeschlechtliche Liebe die freilich tragisch endet und zwischendrin allerhand zu überstehen hat.
Die Farbgebung ist freilich von enormer Wichtigkeit und hier schafft sie eine Atmosphäre der Kargheit und der Abgeschlossenheit - die Charaktere bewohnen tatsächlich eiskalte Orte und scheitern letztlich darin, das Geschehene ein wenig erträglicher zu machen.
Der wahrscheinlich dämliche Feuilleton-fetischisierte Film des Ganzen wird jetzt aber nicht für den Konsum anvisiert.
Die Farbgebung ist freilich von enormer Wichtigkeit und hier schafft sie eine Atmosphäre der Kargheit und der Abgeschlossenheit - die Charaktere bewohnen tatsächlich eiskalte Orte und scheitern letztlich darin, das Geschehene ein wenig erträglicher zu machen.
Der wahrscheinlich dämliche Feuilleton-fetischisierte Film des Ganzen wird jetzt aber nicht für den Konsum anvisiert.
12/16/2013
Dead Men Don't Wear Plaid, Carl Reiner
Hier. Kongeniale Montage der bekannten Noir-Tropen und eben doch ein wenig klüger: anstatt direkt eine Satire zu konzipieren und einfach nur die bekannten Klischees lächerlich zu machen leisten letztere ihren Teil in herrlich beknackten Szenen.
"CLEANING WOMAAAAAAAN!!!!!"
"CLEANING WOMAAAAAAAN!!!!!"
Der Hobbit - Smaugs Einöde, Peter Jackson
Hier. Die hochfrequente Verfilmung macht endlich mehr Sinn. Beim ersten Film wurde dem Konsumenten teils übel - entweder wurde hier technisch etwas gerissen oder man hat sich einfach dran gewöhnt.
Alles in 3D und dazu auch noch scharf zu sehen macht großen Sinn bei dieser Geldanlage. Der ganze Wald, die ganze Spinne, der ganze Drache und vor allem sein ganzer Hort ploppt direkt ins Auge. Zuviel, um es gleich zu verstehen aber genug, um Schaufreude zu haben. Das ist selten bei so einem lauten Ding für alle: das will noch einmal geschaut werden. Und dann, auf dem Heimweg, denkt man an die Möglichkeiten der Filmtechnologie und die glorreiche Zukunft der totalen visuellen Überforderung.
Alles in 3D und dazu auch noch scharf zu sehen macht großen Sinn bei dieser Geldanlage. Der ganze Wald, die ganze Spinne, der ganze Drache und vor allem sein ganzer Hort ploppt direkt ins Auge. Zuviel, um es gleich zu verstehen aber genug, um Schaufreude zu haben. Das ist selten bei so einem lauten Ding für alle: das will noch einmal geschaut werden. Und dann, auf dem Heimweg, denkt man an die Möglichkeiten der Filmtechnologie und die glorreiche Zukunft der totalen visuellen Überforderung.
12/15/2013
Lady Vengeance, Chan-wook Park
Korea! Hier.
Was passiert denn da? Es wird sich gerächt, und zwar mit finsterer Wonne. Kindermörder auf dem Stuhl, alle Eltern bekommen Werkzeuge. Wie lange hält er durch? Und warum ist das ästhetisch einer der feinsten Filme der letzten Wochen?
Wunderschön gefilmt ist das Vehikel in jeder Hinsicht. Gemeinsam nehmen die Rächer die Schutzfolie auf und nach kurzem Anstich wird da Blut im Eimer gesammelt. Der Chor der Selbstjustiz hält zusammen. Der Film rahmt die Menschen und ihre Absichten.
Sogar die alte Pose der Schusswaffen ist wunderbar angebracht: zwei Schuss, und die möglichst nah abgefeuert. Solche Waffen sind sehr wertvoll, denn man benutzt sie für etwas Persönliches. Letztlich zählt nur das. Das Persönliche. Lieben und Hassen kann jeder, echte Authentizität kann sich nur bei entsprechendem souveränem Handeln einstellen.
Was passiert denn da? Es wird sich gerächt, und zwar mit finsterer Wonne. Kindermörder auf dem Stuhl, alle Eltern bekommen Werkzeuge. Wie lange hält er durch? Und warum ist das ästhetisch einer der feinsten Filme der letzten Wochen?
Wunderschön gefilmt ist das Vehikel in jeder Hinsicht. Gemeinsam nehmen die Rächer die Schutzfolie auf und nach kurzem Anstich wird da Blut im Eimer gesammelt. Der Chor der Selbstjustiz hält zusammen. Der Film rahmt die Menschen und ihre Absichten.
Sogar die alte Pose der Schusswaffen ist wunderbar angebracht: zwei Schuss, und die möglichst nah abgefeuert. Solche Waffen sind sehr wertvoll, denn man benutzt sie für etwas Persönliches. Letztlich zählt nur das. Das Persönliche. Lieben und Hassen kann jeder, echte Authentizität kann sich nur bei entsprechendem souveränem Handeln einstellen.
12/12/2013
Drive, Nicolas Winding Refn
Fast schon Dauerschleife. Immer weiter fahren. Ein durchgeplantes Gegenteil von einer Testfahrt: hier wird geschlingert ohne dass da Leitplanken sind.
Die Farben, die Töne, die Bewegungen. Drive hat fast schon homöopathische Wirkung. So geht Kino. Man braucht nur Autos und Geld und vielleicht Messer. Die Menschen machen dann alles von fast ganz alleine.
Die Farben, die Töne, die Bewegungen. Drive hat fast schon homöopathische Wirkung. So geht Kino. Man braucht nur Autos und Geld und vielleicht Messer. Die Menschen machen dann alles von fast ganz alleine.
12/09/2013
Barton Fink, Ethan & Joel Coen
Hier. Und leise rollt die schleimige Tapete.
Das eigene Genre namens "Coen" hat durch BF die gute alte Schizo-Mär erforscht und auch eine sehr schöne Kostüm-Schau des frühen Hollywoods angestrengt. Insbesondere ist es freilich die "Kammer", die trotz ihres gewohnt ultra-metaphernden Thematik sinnvoll erforscht wird: der Innenraum, das eine Zimmer, der Behälter, die Zelle. Und dann brennt der Flur und somit der Zugang. Drin bleiben oder heraus aus dem Gebäude? Ausgezeichnet.
Das eigene Genre namens "Coen" hat durch BF die gute alte Schizo-Mär erforscht und auch eine sehr schöne Kostüm-Schau des frühen Hollywoods angestrengt. Insbesondere ist es freilich die "Kammer", die trotz ihres gewohnt ultra-metaphernden Thematik sinnvoll erforscht wird: der Innenraum, das eine Zimmer, der Behälter, die Zelle. Und dann brennt der Flur und somit der Zugang. Drin bleiben oder heraus aus dem Gebäude? Ausgezeichnet.
12/06/2013
Breakfast at Tiffany's, Blake Edwards
Hier. Klassiker sind Werke die zwar alt sind, aber die mit der Zeit nicht verkrustet sind. Dieser hier ist besonders un-krustig, denn die Hauptdarstellerin ist essentiell grazile Fluffigkeit von urbaner Verlorenheit und eisernem Unterhaltungswillen.
Man bemerke den sehr merkwürdigen Trailer zu diesem Produkt damals, der kaum irreführender sein könnte. Oder hat man damals Filme von "weiter weg" gesehen? Seltsam distanziert werden die Hauptdarsteller als kokette Zootiere dargestellt. Der Film selbst ist weitaus eindringlicher in seiner Mischung aus Melodrama, Großstadtkomödie und Romanze. Keine RomCom, nein, dafür ist das Problem bei BAT zu breit angelegt. Man könnte bei dem Werk von einer der bezauberndsten Darstellung existentieller Verlorenheit sprechen. Timbeeeeeeeeeer!
Man bemerke den sehr merkwürdigen Trailer zu diesem Produkt damals, der kaum irreführender sein könnte. Oder hat man damals Filme von "weiter weg" gesehen? Seltsam distanziert werden die Hauptdarsteller als kokette Zootiere dargestellt. Der Film selbst ist weitaus eindringlicher in seiner Mischung aus Melodrama, Großstadtkomödie und Romanze. Keine RomCom, nein, dafür ist das Problem bei BAT zu breit angelegt. Man könnte bei dem Werk von einer der bezauberndsten Darstellung existentieller Verlorenheit sprechen. Timbeeeeeeeeeer!
12/03/2013
Batman: Heart of Hush, Paul Dini, Dustin Nguyen
Hier. Hush ist natürlich zurück, denn alle sind zurück. Sie bleiben nie lange weg, die Schurken. Hush ist der späterfundene Intimfeind von Herrn Wayne, denn er kennt seine Identität und will das entsprechend monströs einsetzen. Dann schneidet er sich auch noch Gesichter an und ab und schweigt darüber. Hush, still, leise.
Des Hushes Herz ist allerdings nur peripher im Fokus, denn er klaut das von Catwoman. Die muss Bruce dann retten und das love interest quasi ultra-symbolisch wieder zusammenbauen und mit einem Herzen ausstatten. So weit, so deutlich. Was bleibt ist fast schon gewohnte Aktionskost, die sich über der Standard-Serienkost einpendelt.
Des Hushes Herz ist allerdings nur peripher im Fokus, denn er klaut das von Catwoman. Die muss Bruce dann retten und das love interest quasi ultra-symbolisch wieder zusammenbauen und mit einem Herzen ausstatten. So weit, so deutlich. Was bleibt ist fast schon gewohnte Aktionskost, die sich über der Standard-Serienkost einpendelt.
12/02/2013
Fargo, Ethan & Joel Coen
Hier. Passt immer. Yah! -Yah?! -YAH!!
Es drängt sich der gemeine Tatort auf: da soll es doch auch immer um "schrullige Charaktere" und eine "einmalige Atmosphäre" gehen. Bei Fargo tut es das jedenfalls. Natürlich ist das Prädikat "schrullig" auch nur eine Verballhornung und Herabwürdigung. Fargo ist viel mehr. Fargo ist eine Übung im Pause machen und im Leere-begreifen. Da ist der Schnee und die einsame Straße und dann reißt es einen und dann fällt Schnee drüber.
Deshalb auch die Stärke der zu Recht ausgezeichneten Heldin. Schwanger und geistig rege manövriert sie sich durch Mahlzeiten und Mitmenschen, nur um dann doch ihren Job zu erfüllen. Das blonde Monster bekommt dann auf der Rückbank von ihr eine passende Predigt zu hören, die mehr ist als bloßer Schein für sie. Nur weil viel geschwiegen wird, heisst das nicht, dass wenig nachgedacht wird. Ein feiner Film, der sich in das fast schon selbstreferentiell abgeschlossene Coen-Universum einfügt.
Es drängt sich der gemeine Tatort auf: da soll es doch auch immer um "schrullige Charaktere" und eine "einmalige Atmosphäre" gehen. Bei Fargo tut es das jedenfalls. Natürlich ist das Prädikat "schrullig" auch nur eine Verballhornung und Herabwürdigung. Fargo ist viel mehr. Fargo ist eine Übung im Pause machen und im Leere-begreifen. Da ist der Schnee und die einsame Straße und dann reißt es einen und dann fällt Schnee drüber.
Deshalb auch die Stärke der zu Recht ausgezeichneten Heldin. Schwanger und geistig rege manövriert sie sich durch Mahlzeiten und Mitmenschen, nur um dann doch ihren Job zu erfüllen. Das blonde Monster bekommt dann auf der Rückbank von ihr eine passende Predigt zu hören, die mehr ist als bloßer Schein für sie. Nur weil viel geschwiegen wird, heisst das nicht, dass wenig nachgedacht wird. Ein feiner Film, der sich in das fast schon selbstreferentiell abgeschlossene Coen-Universum einfügt.
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