11/19/2014

Enemy, Denis Villeneuve

Hier und da. Der umtriebige Prince of Persia (kicher) in einer etwas ernsteren und vielleicht erwachseneren Abendunterhaltung: biederer Geschichtslehrer findet einen exakten Doppelgänger und kommt ins Stolpern. In zartem aber irgendwann bedrohlichem Sepia wendet sich sein fahriges und seltsames Unterfangen in eine (ja das Wort macht hier Sinn) kafkaeske Abwärtsspirale.

Toll die Spinne. Sie ist zum einen kein Käfer und tritt in diversen Inkarnationen immer wieder auf. Als Symbol taugt sie um die (eventuell) unbefriedigende Uneindeutigkeit des Selbstbildes zu verdeutlichen.

Auch toll die Stadt. Beton deluxe, und dann auch noch Brutalismus. Keiner entkommt der Masse, obgleich die Plätze und Schluchten oft verwirrend menschenleer sind. Was für Menschen gibt es hier eigentlich? Einmaligkeit wird gnadenlos überschätzt.

11/15/2014

The Brown Bunny, Vincent Gallo

Hier und hier. Der schlechteste Film der Welt? Kann sein. Auf jeden Fall einer der langweiligsten; Kunstaspekt und Geduld hin oder her. Hurra, Fellatio am Schluss, aber nicht schön und auch nicht wirklich sinnvoll. Aber was ist schon sinnvoll? Sich braune Kaninchen zu schenken macht ja auch keinen Sinn. Sitzen nur da. Näschen wackelt. Hoppel hier, hoppel da. Wie der Rennfahrer-Protagonist können sie eigentlich nur im Kreis laufen, ob nun schnell oder langsam. Kein Entrinnen.

Buffalo '66 war besser.

11/09/2014

Hawkeye, Vol. 3: L.A. Woman, Matt Fraction

Hier. Was sich Marvel da leistet: eine unterschätzbarer Zweitligist aus dem Rächer-Universum ist Held eines graphischen Romans, der so lässig und sympathisch daherkommt als wäre Matt Fraction ein alter Bekannter, der Seemansgarn zum Besten gibt. Im nunmehr dritten Teil reisst die weibliche Superheldin, die auch einmal Hawkeye war (ist ja nur Kostüm und Werkzeug, die die Mitte des Geschehens kennzeichnen, kein Hammer oder Gammastrahlenunfall oder Herzschrittmacher) aus. Und zwar ins schlimmstmöglich sonnige Kalifornien. Ist sie eine Art verwaister Robin (eine Robinette)? Nein, einfach eine stolpernde und angenehm junge Frau.

Hawkeye beweist das Superhelden-Gedöns keine Aliens braucht, um spannend, freundlich und gut zu sein.

11/06/2014

The Usual Suspects, Bryan Singer

Hier. Endlich einmal wach und mit voller Aufmerksamkeit geschaut. Ja, ein Kammerspiel, ja, ein Thriller mit feinen Wenn-Dann-Schleifen. Keyser Söze ist ein Chiffre, eine unbekannte Einheit, eine Fraktur, eine Linie: da kann die intellektuelle Brut feine Texte drüber zerkauen. Es ist wie bei einem epischen Scherz: die punch line lässt ein Echo, weit nachdem das Gelächter verstummt ist.

11/03/2014

Wreck-It Ralph, Rich Moore

Nochmal dies. Mit neuen Augen genauso geseufzt. Herrliche Pixelwelt und eine einigermaßen unvorhersehbare Geschichte. Und wieder nervt der Zuckerguss: warum dieses Rennen in der Süssigkeiten-Welt? Es scheint als sei der Film ein clash of materials: pixeliges Licht und Schein und leitfähige Dinge gegen Teig und Schaumzucker und Schokoladenblubb.

10/30/2014

L.I.E., Michael Cuesta

Hier und hier. "Ach!" klang es von der Couch als der Hauptdarsteller als grotesker Zwilling aus There Will Be Blood erkannt wurde. Die Tragödie hier setzt sich gut fort und das transgressive Element der minderjährigen Erwachsenheit ist latenter als der Trailer denken lässt.

Alles zerschmetterndes Symbol ist freilich die Schnellstraße. Richtung. Treibstoff. Einordnen. Road kill.

10/29/2014

Wer A sagt muss noch lange nicht B sagen, Eckhard Roediger

Oha. Hier und hier. Mit Argwohn wird die Tonart zur Kenntnis genommen: menschelnd trollt sich ein Kumpeltyp durch praxisorientierte Denkhilfen und Überlebensmethoden.

Wohl eher Teil einer Serie.

10/27/2014

American Studies, Mark Merlis

Hier und hier. Die ganzen gay themes werden abgegrast: Körper alt, Körper jung, Schönheit dahin, Schönheit fatal. Die Referenzen an die McCarthy-Ära bleiben subtil und der Roman wird nie so richtig argumentativ-politisch. Die etwas verstiegene Sprache des Erzählers macht das Lesen ein wenig müßig... ja, sein Leben spielt sich zwischen den Zeilen ab aber ein wenig mehr Plot und Aktion und laute Szenen hätten dem zeitlich ein bisschen zerzausten Erzählstrang gut getan.

10/26/2014

Beautiful You, Chuck Palahniuk

Hier und hier. Palahniuk hat sich anscheinend auf Dauer dort eingerichtet, jenseits der frühen eher schockierenden, düsteren, teilweise auch menschheitsverachtenden Romane. Hier legt er wieder eine Satire vor, diesmal mit Dildos. Nichts gegen Dildos aber selbige provozieren immer ein Kichern, immer und beständig. Weshalb sollten sie so zentral sein? Ja gut, insgesamt könnte dies ein Kommentar zur sexbesessenen Gegenwartskultur sein, aber... war das notwendig? Mehr Brutalität und Ehrlichkeit bitte. Satiren sind toll, aber letztlich umschmeichelt den Geist nichts so schön wie die finale Finsternis.

10/24/2014

12 Years a Slave, Steve McQueen

Hier. Oscar, Oscar: in Ordnung. Episch und humanistisch. Wunderbar anzuschauen sind die Bauten und die Materialien. Aber die versperren nicht die Sicht auf den enormen Hauptdarsteller, der das ganze Ding jeder Szene rockt.

Allerdings unsicher ob das Ende passte. Ja, reale Geschichte, aber war das nicht ein wenig zu heimelig? Zu versöhnlich?

10/08/2014

Mama, Andrés Muschietti

Hier. Eine altmodische Gespenstergeschichte mit toll animierten Schrecken. Die Familie ist ein Ort des Grauens, mit dem jeder etwas anfangen kann und deshalb klappt das hier sehr gut.

Am Ende allerdings sehr kitschig und ein wenig zu versöhnlich. Also doch ein Familien-Gruselfilm?

10/06/2014

DC One Million, Grant Morrison

Nochmal das. Tut immer noch ein wenig im Kopf weh. Eine sehr seltsame Geschichte, die sich vor allem mit dem Update der Kostüme einen Platz im Langzeitgedächtnis verdient hat.

Southland Tales, Richard Kelly

Hier. Nach langem einmal wieder durchgekaut. Es ist schöner als man denkt, aber nur wenn man keinen flüssigen Film erwartet: das ist eher eine schimmernde Landschaft, in der man ein wenig verweilt. Einzelne Motive addieren sich nicht zu einer befriedigenden (endlichen) Erzählung, aber das ist ja auch Absicht: das Ding wabert durch mehrere Medien und allein der Filmkonsum hilft nicht weiter. Aber wobei ist das schon so?

10/04/2014

Attack the Block, Joe Cornish

Hier. Oft und laut gelobt, nun endlich gesehen. Kurzweilige Thrill-Klamotte mit sehr schön animierten Aliens. Letztlich ist das eine formelhafte Nacherzählung, aber vielleicht wird es hip weil sogenannte Problemstadtteile in der Mitte der Aufmerksamkeit stehen.