Hier. Zwei Serienmörder treffen sich in Nola und bringen einander Kannibalismus und Nekrophilie bei. Verstörender Unterton in diesem sehr saftigen, sehr opulenten und von finsterster Schreibfreude durchtränkten Roman ist der gute alte Virus.
Die Dunkelheit sitzt im Blut, im Gewebe, und im süßen, süßen Fleisch. Wer das weiss kann anders durch die Welt schreiten und kann die Touristen von den Opfern von den Gleichgesinnten unterscheiden. Dementsprechend wird hier auch viel geschnitten, zerteilt, zerhackt, und geschlitzt - das Blut muss raus, die Infektion muss fliegen. Wahre Macht ist die Todesgabe auf Raten, wahre Hingabe ist das Vergessen der Zukunft. Fein schon der Auftakt: da kann ein Inkubator nur aus der Isolation (dem Knast) entkommen, weil er anders ist und somit gefährlich im Geiste wie im Körper. Und weil er beide Existenzaspekte besser versteht wie die Schafe da draußen gelingt ihm auch die transatlantische Expansion.
Frau Brite, Sie können etwas ganz besonders gut. Man weiss nicht ob das etwas Gutes ist, aber Sie können es auf jeden Fall.
5/16/2014
5/14/2014
Do the Work, Steven Pressfield
Hier. Genau das. Jedwede Beschreibung ist nur heiße Luft, deshalb nur noch ein Satz hier: konzentrierter und direkter wurden das Thema, das Problem, und die vermutlich allen klare Lösung hier für den Konsumgraben noch nie formuliert.
5/12/2014
World War Z, Marc Forster
Hier. Das hier ist zahm und gleichzeitig lahm. Die Kreaturen können noch so hektisch zucken und noch so schick in Trailer-Bildern aussehen - letzten Endes ist das hier ein ödes Vehikel für die ganze Familie. Der Ur-Spass des Zombiefilms (Theorie und Praxis des Fangenspielens) geht hier ab weil die Dinger zu fix sind und die Menschen zu lahm. Mit dem leidlich interessanten Buch hat das ganze wenig zu tun. Freilich ist ein Sequel möglich. Leider war WWZ auch sehr erfolgreich, so dass damit zu rechnen ist.
Kill Your Friends, John Niven
Hier und hier. Radiohead sind eh total überschätzt! Und mit dem Erfolg von OK Computer hat ja eh keiner rechnen können! Der sehr unterhaltsame Roman verfolgt einen unsäglichen Helden durch das Musikgeschäft der späten 1990er und es werden tüchtig Linien gezogen und Nutten geklatscht und Kollegen geschubst. Wie im echten Leben.
Niven soll selbst einmal in diesem Segment unterwegs gewesen sein. Vielleicht ist die echte Welt ja doch ein wenig wie Irvine Welsh's Drecksau oder Ellis' Psycho. Vielleicht verlangt der Markt solche Typen. Aber der Markt ist ja eh nicht zurechnungsfähig, da er auch die Spice Girls verlangte. Tell me what I want what I really really want. Yeah.
Niven soll selbst einmal in diesem Segment unterwegs gewesen sein. Vielleicht ist die echte Welt ja doch ein wenig wie Irvine Welsh's Drecksau oder Ellis' Psycho. Vielleicht verlangt der Markt solche Typen. Aber der Markt ist ja eh nicht zurechnungsfähig, da er auch die Spice Girls verlangte. Tell me what I want what I really really want. Yeah.
Colombiana, Olivier Megaton
Hier. Ein sehr geradliniger Film, der genau dadurch leider recht öde in der Erzählung wird. Aber Erzählung ist ja nur ein Teilaspekt des Aktionskinos und zum Glück funktionieren hier die Explosionen und die Inkarnationen der Rache einer freilich nur dafür lebenden Heldin. Schaulust entwickelt sich also, wie so oft für diese Zielgruppe, hinsichtlich sterbender Männer und der überlebenden Frau. Warum da der Endkampf im Badezimmer stattfinden muss (mit Zahnbürsten?!) bleibt fraglich.
5/09/2014
The Paperboy, Lee Daniels
Hier und hier. Überraschend spröder Südstaaten-Thriller, der erstens einen sehr ungewohnten John Cusack zeigt, zweitens eine verflixt präsente Frau Kidman und drittens wahrscheinlich eine Trockenübung für die neue Marktpositionierung des Herrn McConaughey darstellt.
Letzterer hat vielleicht hier das einmalige setting für die beste Fernsehserie seit fünf Jahren (True Detective) gefunden. Sei's drum - der Sumpf ist die Maxime und diese vom sehr fähigen Pete Dexter geschriebene Spannungsunterhaltung ist voller schwitzigem Grinsen ob der Verderbtheit der Menschen. Dass der zu initiierende Held ein guter Schwimmer war, der seine Fähigkeiten dann doch im Finale nutzen kann, ist eine etwas sehr konservative Auflösung zum Schluss.
Dies ist ein weiterer Schritt im Zac-ologischen Themenschwerpunkt: hier macht er eine sehr fähige und selbstbewusste Figur als frühreifer und doch unschuldiger Sohn - das liegt vor allem daran, dass er mit seinem Ensemble sehr gut auskommt und nicht nur Text aufsagt sondern mit ihnen kommuniziert.
Letzterer hat vielleicht hier das einmalige setting für die beste Fernsehserie seit fünf Jahren (True Detective) gefunden. Sei's drum - der Sumpf ist die Maxime und diese vom sehr fähigen Pete Dexter geschriebene Spannungsunterhaltung ist voller schwitzigem Grinsen ob der Verderbtheit der Menschen. Dass der zu initiierende Held ein guter Schwimmer war, der seine Fähigkeiten dann doch im Finale nutzen kann, ist eine etwas sehr konservative Auflösung zum Schluss.
Dies ist ein weiterer Schritt im Zac-ologischen Themenschwerpunkt: hier macht er eine sehr fähige und selbstbewusste Figur als frühreifer und doch unschuldiger Sohn - das liegt vor allem daran, dass er mit seinem Ensemble sehr gut auskommt und nicht nur Text aufsagt sondern mit ihnen kommuniziert.
5/04/2014
Driven, James Sallis
Hier. Noch ein Sequel, diesmal zu "Drive". Und leider leidet dieses erste Produkt ein wenig, denn es war ja so schön weil es so solitär und trotzig da stand. Jetzt erlebt der Driver eben neue Abenteuer. Hoffentlich nicht noch mehr.
Wieder schreibt Sallis eine Mediation über das "plot" und das Gefüge der Welt insgesamt. Das ist wieder metaphyische noir fiction, die begeistert. Wieder tut er dies in simplen, klaren und treffenden Sätzen. Er zeigt keine Geschichte, er zeigt was "Geschichte" eigentlich heisst: Erklärungen finden für die treibenden Teile eines komplexen Ganzen. Beschleunigungen und Aufprallenergie. "Kollateralschaden" im wahrsten Sinne überhaupt.
Also: mehr Sallis, weniger Driver, bitte.
Wieder schreibt Sallis eine Mediation über das "plot" und das Gefüge der Welt insgesamt. Das ist wieder metaphyische noir fiction, die begeistert. Wieder tut er dies in simplen, klaren und treffenden Sätzen. Er zeigt keine Geschichte, er zeigt was "Geschichte" eigentlich heisst: Erklärungen finden für die treibenden Teile eines komplexen Ganzen. Beschleunigungen und Aufprallenergie. "Kollateralschaden" im wahrsten Sinne überhaupt.
Also: mehr Sallis, weniger Driver, bitte.
The Last Days, David Pastor & Àlex Pastor
Hier und hier. Für Menschen die sich noch nie mit dem Ende der Welt auseinandergesetzt haben ist das vielleicht ein abendfüllender Popcornkracher. Für alle anderen findet man hier bewährte Motive des Abenteuerfilms: knifflige Kollaborationen, eine epische Dystopie, eine love story und große Gesten.
Irgendwie denkt man stetig an die europäische Union und ihre dumpfe Wahl. Kein Abgeordneter wird uns schöne scharfe Speere schnitzen, um den Bären in der Kirche zu begegnen.
Irgendwie denkt man stetig an die europäische Union und ihre dumpfe Wahl. Kein Abgeordneter wird uns schöne scharfe Speere schnitzen, um den Bären in der Kirche zu begegnen.
5/01/2014
Imperial Bedrooms, Bret Easton Ellis
Wieder dies. Hier und hier. Die sogenannte Fortsetzung von Less than Zero beinhaltet Lektionen aus Lunar Park: hier sind die Erzähler echt und die Echten schweigen. Der gealterte Clay ist vielleicht auch wieder ein bisschen Bateman, vielleicht ein wenig Schizo-Slasher.
Die Prägnanz ist fein. Mehr als eine Novelle würde als Sequel für das eh schon zarte LtZ auch nicht passen.
Die Prägnanz ist fein. Mehr als eine Novelle würde als Sequel für das eh schon zarte LtZ auch nicht passen.
Valhalla Rising, Nicolas Winding Refn
Hier und hier. Dieser gleißende psychedelische Wikingertraum wurde so nicht erwartet. Der einäugige Mikkelsen bringt Pech und den Tod und bringt eine Schar Irrer nach Amerika, wo dann Pfeile aus dem Dickickt zischen.
Das ist ein sehr brutales Ding, aber wie will man sonst von jener Epoche erzählen? Das Erzähltempo ist katatonisch-brachial und erinnert an den drone metal von Neurosis (deren artwork passt irgendwie auch zu VR). Die Brutalität sorgt auch dafür, dass jegliche Ideologie, jegliche Eingliederung in eine größere Geschichte, fehlschlägt. Es geht stets um das Jetzt und den Abgrund: um das Salzwasser, das Holz, den Schlamm, die Axt im Kopf.
Herb und nicht feinherb. Refn ("Drive") hätte man das nicht zugetraut, aber man gönnt es ihm.
Das ist ein sehr brutales Ding, aber wie will man sonst von jener Epoche erzählen? Das Erzähltempo ist katatonisch-brachial und erinnert an den drone metal von Neurosis (deren artwork passt irgendwie auch zu VR). Die Brutalität sorgt auch dafür, dass jegliche Ideologie, jegliche Eingliederung in eine größere Geschichte, fehlschlägt. Es geht stets um das Jetzt und den Abgrund: um das Salzwasser, das Holz, den Schlamm, die Axt im Kopf.
Herb und nicht feinherb. Refn ("Drive") hätte man das nicht zugetraut, aber man gönnt es ihm.
Planet Hulk, Sam Liu
Hier und hier. Wenn die Kinder nur sowas schauen werden sie nie mit positiver Geduld im Kino sitzen können. Im folgerichtig verfilmten Planet Hulk wird eben erzählt was dem Helden auf Sakaar zustößt. Entnervte Erdlinge haben ihn nämlich da hin geschossen, weil die Versicherungen so langsam nicht mehr zahlen. Dabei bleibt Hulk zornig, denn das macht ihn ja grün und interessant. Er trifft seine merry men und stürzt den Despoten.
Demnächst World War Hulk, denn dann kommt er mit der Gang heim und ist wieder zornig. Im Comic war das schon fein.
Demnächst World War Hulk, denn dann kommt er mit der Gang heim und ist wieder zornig. Im Comic war das schon fein.
4/26/2014
Prisoners, Denis Villeneuve
Hier und hier.
Hurra, Prisoners! Endlich wieder ein Krimi mit dem Geodreieck. Da kreuzen sich die Motivationen, da überschneiden sich die Ereignisse, hier führt eins zum anderen und dann in die Apokalypse.
Die Auflösung war gleichzeitig krude und glaubwürdig. Der moralisch-epistemologische Boden wird dem Zuschauer beharrlich unter den Füssen weggezogen. Es ist noch nicht einmal viel Platz für falsche Fährten, es geht voran, voran in diesem eigentlich recht langen Film. Die Hauptdarsteller geben sich keine Blöße und bieten vor verwaschenen Mittelklasse-Ruinen im Schneeregen glorreiche Versprengte und Verdammte.
Das darf Herr Villeneuve noch einmal machen ("Escapees"?! Hauptsache nicht "The Fugitive").
Hurra, Prisoners! Endlich wieder ein Krimi mit dem Geodreieck. Da kreuzen sich die Motivationen, da überschneiden sich die Ereignisse, hier führt eins zum anderen und dann in die Apokalypse.
Die Auflösung war gleichzeitig krude und glaubwürdig. Der moralisch-epistemologische Boden wird dem Zuschauer beharrlich unter den Füssen weggezogen. Es ist noch nicht einmal viel Platz für falsche Fährten, es geht voran, voran in diesem eigentlich recht langen Film. Die Hauptdarsteller geben sich keine Blöße und bieten vor verwaschenen Mittelklasse-Ruinen im Schneeregen glorreiche Versprengte und Verdammte.
Das darf Herr Villeneuve noch einmal machen ("Escapees"?! Hauptsache nicht "The Fugitive").
Shoplifting from American Apparel, Tao Lin
Hier und hier. Gibt ja einen kleinen Hype um diesen Autoren und seinesgleichen. Ob das gerechtfertigt ist, lässt sich wie immer nicht sagen, allerdings scheint HBO das auch mitbekommen zu haben: nirgendwo sonst wurde so oft an Lena Dunhams GIRLS gedacht wie hier. Die Lakonie, die Entropie, die Euthanasie (durch Belanglosigkeit).
Hier schwappen die entkräfteten jungen Menschen im neoliberalen Wasserglas umher. Sie fragen sich nie offensichtlich, ob das alles nicht schon mit Clerks oder Coupland oder eben Ellis für ihre Eltern getextet wurde. Hier ist das alles zumindest neu: die Einarbeitung von Email-Dialogen und text-messaging ist da nur rechtens.
Das Buch lag bei Urban Outfitters zum Verkauf aus. Hihi. So witzig ist Einkaufen oder dessen Gegenteil.
Hier schwappen die entkräfteten jungen Menschen im neoliberalen Wasserglas umher. Sie fragen sich nie offensichtlich, ob das alles nicht schon mit Clerks oder Coupland oder eben Ellis für ihre Eltern getextet wurde. Hier ist das alles zumindest neu: die Einarbeitung von Email-Dialogen und text-messaging ist da nur rechtens.
Das Buch lag bei Urban Outfitters zum Verkauf aus. Hihi. So witzig ist Einkaufen oder dessen Gegenteil.
The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, Marc Webb
Hier und hier. Eine der positivsten Überraschungen im Kino in den letzten drei Monaten - hier waren tatsächlich Fans beteiligt, die die tumbe Masse nicht vor den Kopf stoßen.
Rein mathematisch gesehen ist der Film freilich viel zu lang - aber durch seine nicht-überfordernde SciFi-Ästhetik und die ungelogen phantastisch sympathischen Hauptdarsteller vergeht die Zeit wie im Schwung. Ein schöner großer Sonntagsbrunch mit ordentlich Schinken zum Pfannkuchen. Lange lungern und sieben frische Kaffees trinken.
Und mit der letzten Szene kriegen sie einen freilich, denn da gibt es ein Kind, ein Abbild der emotionalen Popkonsumenten, das versucht des Helden Rolle einzunehmen. Seufzen ist das noch das geringste Geräusch vor der Leinwand. For the kids. Everything for the kids.
Und mit der letzten Szene kriegen sie einen freilich, denn da gibt es ein Kind, ein Abbild der emotionalen Popkonsumenten, das versucht des Helden Rolle einzunehmen. Seufzen ist das noch das geringste Geräusch vor der Leinwand. For the kids. Everything for the kids.
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