Hier und hier. Campy? Cheesy? Was mag das korrekte nonchalante Adjektiv für einen solchen Klassiker sein, der auf der einen Seite ziemlich doof aber auch sehr rund daherkommt?
Die Archetypen müssen also nachsitzen. Doch anstatt zu kritisieren, dass es überhaupt Archetypen gibt, ergeben sie sich in ihre Rollen und seufzen im Kollektiv ob ihres Gefängnisses. Letzteres ist selbstredend nicht das Nachsitzen am Samstag (ist das überhaupt legal?) sondern die Geworfenheit in der routiniert abgehandelten Jugend durch sogenannte öffentliche Institutionen. Hurra, die Schule brennt. Einmal muss man kurz innehalten: sitzt da bereits ein geistiger Onkel von Harris und Klebold nach? Achwas: "It went off in my locker." Na dann.
Doof und irgendwie doch herzlich ist freilich die Musikeinlage, die bar jeder Vernunft die Nähe zu Footloose (?!) vermuten lässt. Sei's drum! Ohne John Hughes wäre die gefilmte Jugend anders. Bestimmt auch öder.
8/03/2012
The Dark Knight Rises, Christopher Nolan
Tja. Hier und hier. Alles richtig, alles gut, kein Gramm zuviel an dieser fast dreistündigen Wuchtbrumme. Der affine Konsument macht artig Männchen, denn mit den entsprechenden Comic-Trivia-Hausaufgaben macht TDKR noch mehr Spaß als vergleichbare Blockbuster.
Nolan tut gut daran, jetzt nichts mehr bezüglich Batman zu tun. Hoffentlich hält er das durch. Die Trilogie ist ein stimmiges Stück Bombastkino und wird noch in einigen Jahren die Filmwirtschaft beschwingen. Es gibt eine Unzahl guter Szenen in diesem Film, eine enorme Menge passender Dialogzeilen. Die Figuren gehen, wie gewohnt, als mehrdimensional durch und flüchten sich nicht in die Karikatur - eine enorme Leistung, selbst wenn man kein Spandex mehr verwendet. Marvel's The Avengers ist eine all-you-can-eat Pfannkuchenorgie mit einer Unzahl Obst und Glasuren. Auch toll. TDKR ist ein Rehbraten am zweiten Weihnachtstag. Mit Klößen - und jeder darf tranchieren und der Waldspaziergang später ist nur optional, nicht verpflichtend.
Aber es gibt einen Aspekt, den man nicht oft genug preisen kann. Die Waisenknaben schauen nach oben. Sie schauen ironiefrei dem Prinzip des Helden hinterher. Erheben Sie sich für das finale Urteil. Look to the skies for He has risen. Himmelfahrt, Auferstehung, in Ewigkeit, amen. Hier bekommt Bruce Flügel und mit ihm das ganze Nolan-verse. Kann eine audiovisuelle Kapitalanlage mehr erreichen?
Warum beginnt dieser Textfetzen mit dem unschönen Wort "tja"? Tja. Weil man nun monatelang auf diesen Film hingefiebert hat, drei Stunden voller Augensabber im Dunklen saß und nun weiß, dass das alles vorbei ist. Jeder Bluray-Konsum wird ein Stellvertreter sein. Es gibt immer nur *eine* Auferstehung, sonst ist man beim Zombiefilm gelandet. Tja.
Aber es gibt einen Aspekt, den man nicht oft genug preisen kann. Die Waisenknaben schauen nach oben. Sie schauen ironiefrei dem Prinzip des Helden hinterher. Erheben Sie sich für das finale Urteil. Look to the skies for He has risen. Himmelfahrt, Auferstehung, in Ewigkeit, amen. Hier bekommt Bruce Flügel und mit ihm das ganze Nolan-verse. Kann eine audiovisuelle Kapitalanlage mehr erreichen?
Warum beginnt dieser Textfetzen mit dem unschönen Wort "tja"? Tja. Weil man nun monatelang auf diesen Film hingefiebert hat, drei Stunden voller Augensabber im Dunklen saß und nun weiß, dass das alles vorbei ist. Jeder Bluray-Konsum wird ein Stellvertreter sein. Es gibt immer nur *eine* Auferstehung, sonst ist man beim Zombiefilm gelandet. Tja.
7/30/2012
Nothing: A Portrait of Insomnia, Blake Butler
Hier und hier. Von Butler gab es schon Scorch Atlas, da ging es um Schlamm und Fäulnis... eine Horrorgeschichte ohne Plot. Hier geht es nun also um Schlaflosigkeit.
Und plotfrei bleibt letztlich auch Nothing, denn Butler schreibt keine klinischen Textbücher zum Zitieren und Wissen sondern sperrige Prosa, mit der man dann Reflektieren und Hinterfragen kann. Aufgemischt wird alles durch biographische Einsprengsel, die teils sehr stark im Vordergrund residieren und die spezifische Schlaflosigkeit darstellen bzw. kontextualisieren. Und wie sollte er es auch anders machen? Die Schlaflosigkeit, als solche einmal wahrgenommen und bemängelt, zwingt den Wachen ins Zentrum. Und der der ist immer einer oder eine. Kein Herdenhurra, dass einen mitreißt. Auf sich selbst geworfen erschöpft man an der eigenen Unfähigkeit zur (vermeintlichen) Erholung. Und Butler tut gut daran, dann auf Laken zu sprechen zu kommen, auf leuchtende Uhren, auf den ganzen Quatsch der zivile Schlafstätten ruiniert. Biographien zum Beispiel.
Nothing verdeutlicht, was für eine bizarre Angelegenheit das Schlafen eigentlich ist und wie seltsam ein Konzept wie Ermüdung sein kann, da es doch die gesamte Perspektive des Müden auf die anderen Räume des Hauses und das Draußen verändert. Wachheit ist vermutlich nur Teil eines Spektrums und kann mindestens soviel Qual enthalten wie der erlangte Schlafzustand. Durch innere oder äußere Gewalt verursachter Schlafentzug lässt Horizonte entgleiten und die Welt sowohl dumpf und grau als auch erschöpfend grell und kristallin erscheinen. Butler schafft das mit seinem Text sehr gut ohne gleich Ratschläge für das fittere bessere Leben zu emittieren/imitieren. Ganz nebenbei erinnert er daran, wie fein doch ein ganzkörperliches Gähnen sein kann.
Und plotfrei bleibt letztlich auch Nothing, denn Butler schreibt keine klinischen Textbücher zum Zitieren und Wissen sondern sperrige Prosa, mit der man dann Reflektieren und Hinterfragen kann. Aufgemischt wird alles durch biographische Einsprengsel, die teils sehr stark im Vordergrund residieren und die spezifische Schlaflosigkeit darstellen bzw. kontextualisieren. Und wie sollte er es auch anders machen? Die Schlaflosigkeit, als solche einmal wahrgenommen und bemängelt, zwingt den Wachen ins Zentrum. Und der der ist immer einer oder eine. Kein Herdenhurra, dass einen mitreißt. Auf sich selbst geworfen erschöpft man an der eigenen Unfähigkeit zur (vermeintlichen) Erholung. Und Butler tut gut daran, dann auf Laken zu sprechen zu kommen, auf leuchtende Uhren, auf den ganzen Quatsch der zivile Schlafstätten ruiniert. Biographien zum Beispiel.
Nothing verdeutlicht, was für eine bizarre Angelegenheit das Schlafen eigentlich ist und wie seltsam ein Konzept wie Ermüdung sein kann, da es doch die gesamte Perspektive des Müden auf die anderen Räume des Hauses und das Draußen verändert. Wachheit ist vermutlich nur Teil eines Spektrums und kann mindestens soviel Qual enthalten wie der erlangte Schlafzustand. Durch innere oder äußere Gewalt verursachter Schlafentzug lässt Horizonte entgleiten und die Welt sowohl dumpf und grau als auch erschöpfend grell und kristallin erscheinen. Butler schafft das mit seinem Text sehr gut ohne gleich Ratschläge für das fittere bessere Leben zu emittieren/imitieren. Ganz nebenbei erinnert er daran, wie fein doch ein ganzkörperliches Gähnen sein kann.
7/21/2012
Against Happiness: In Praise of Melancholy, Eric G. Wilson
Hier. Dieses längere Essay wird von der Zielgruppe vielleicht aus Trotz gekauft, da selbige schlechte (also situativ irgendwie unpassende) Laune mit intellektueller Tiefe verwechselt. Oder von denen, die diese vielen, vielen Selbst-coaching-Fibeln durchprobiert haben und die erst spät feststellten, dass sie aktiv etwas suchten und ihren Bedarf erst danach formulieren konnten. Oder es sind Zeitungsleser, die auf den jahrzehntealten Prozac-Zug aufspringen wollen.
All diese Leser bedient der Autor sehr süffisant. Das ist merkwürdig und macht den Konsumenten betroffen. Mit der ganzen Wucht eines Englisch-Professors wuchtet Wilson klassische Zeilen heran und weidet sie fein aus. William Blake zum Beispiel. Wilson lässt sich sogar zum Plumpen hinreißen: Melancholie ist doch tief und wir wollen doch alle nicht so oberflächlich wie die Grinsdeppen sein. Damit wehrt er sich (recht spät) gegen Peter D. Kramer und die Tyrannei der Oprah-nisten. Er sieht tatsächlich die Gefahr, dass Melancholie (deren klare Definition vor allem in Abgrenzung (oder Ergänzung?) zur Depression er schuldig bleibt) zum heilbaren Ausnahmezustand wird. Die schöne neue Welt der Emotionshygiene ist sein Feindbild.
Wilson taumelt also in den Begriff Gesundheit hinein und kann auf so kurzer Strecke freilich den Elfenbeinpalast nicht verlassen/rekonstruieren. Seltsam ist das Herbeizitieren moderner Popkulturauswüchse, die Wilson neben Blake etc. positionieren will. Naja. Yoko Ono? Echt? Hmm.
Aber OK. Ist ein feiner Keks, das Büchlein.
All diese Leser bedient der Autor sehr süffisant. Das ist merkwürdig und macht den Konsumenten betroffen. Mit der ganzen Wucht eines Englisch-Professors wuchtet Wilson klassische Zeilen heran und weidet sie fein aus. William Blake zum Beispiel. Wilson lässt sich sogar zum Plumpen hinreißen: Melancholie ist doch tief und wir wollen doch alle nicht so oberflächlich wie die Grinsdeppen sein. Damit wehrt er sich (recht spät) gegen Peter D. Kramer und die Tyrannei der Oprah-nisten. Er sieht tatsächlich die Gefahr, dass Melancholie (deren klare Definition vor allem in Abgrenzung (oder Ergänzung?) zur Depression er schuldig bleibt) zum heilbaren Ausnahmezustand wird. Die schöne neue Welt der Emotionshygiene ist sein Feindbild.
Wilson taumelt also in den Begriff Gesundheit hinein und kann auf so kurzer Strecke freilich den Elfenbeinpalast nicht verlassen/rekonstruieren. Seltsam ist das Herbeizitieren moderner Popkulturauswüchse, die Wilson neben Blake etc. positionieren will. Naja. Yoko Ono? Echt? Hmm.
Aber OK. Ist ein feiner Keks, das Büchlein.
7/12/2012
Taxi Driver, Martin Scorcese
1976! Hier und hier. Man fragt sich, ob dieser wichtige, dichte, kluge und konzentrierte Film als Reißer beworben wurde. Heute muss man erst einmal durch die verkrustete Aura von Scorcese und de Niro steigen, den wahrscheinlich größten Hausnummern der ernsten Hollywoodprodukte. Denn auf der einen Seite ist das ein Reißer, ein finsterer Einblick in die Gewalt und den Verfall urbaner Orientierung. Aber hier zwinkert niemand am Ende irgendwem zu. Da geht man nur nach Hause oder nimmt den Bus.
Das Taxi ist ein Spitzenvehikel für's Metaphern-Kloppen. Immer im Kreis fährt Travis, er kommt nie an und muss den ganzen Dreck sehen, dieses prä-Giuliani-NYC, die verkommenen Gestalten die mehrdimensional zum Himmel stinken. Das Taxi ist eine Gefängniszelle mit Rädern. De Niro's unsteter Blick zeigt, dass er das alles wahrnimmt. Er will navigieren, Ziele definieren, aber die eiterverkrusteten Betonschluchten versperren ihm die Sicht. Die Rückbank ist kein Wohnzimmer, vielleicht ein Wartesaal.
Ein herrlicher Film. Fosters Dialogzeilen sind von allerherbster Kälte durchzogen. Wurde der Babystrich für sie und diesen Film erfunden? Und Keitel muss hauptberuflich Zuhälter sein, so gut macht er das. Sogar Scorcese selbst überzeugt in einem Gastauftritt als gehörnter Aggro-Gatte auf dem Rücksitz.
Minimal (und dadurch so schmerzhaft) sind die Hinweise auf Travis' Status als verstümmelter Veteran. Er hat noch den Drang zu beschützen und schafft es eben nicht. Als knochiger kleiner Mann legt er sich gewaltige Schusswaffen zu: diese Szenen sind freilich mit das Stärkste, was diesbezüglich je im US-Kino lief. You talkin' to me? You talkin' to ME? Und dann schaut er in die Röhre, in die kleine Glotze... und der vermeintlich demokratische Weltenspiegel kippt, er schubst seine Teilhabe vom Hocker. Travis befreit sich - und bleibt trotzdem ein Schaf unter Wölfen, so dass das Ende des Films nur noch erschreckender wirkt als der angenommene Freitod. TD ist kein Reißer, eher ein Störer. Die Leidensgeschichten mit Katharsis am Ende lässt Scorcese andere erzählen.
Das Taxi ist ein Spitzenvehikel für's Metaphern-Kloppen. Immer im Kreis fährt Travis, er kommt nie an und muss den ganzen Dreck sehen, dieses prä-Giuliani-NYC, die verkommenen Gestalten die mehrdimensional zum Himmel stinken. Das Taxi ist eine Gefängniszelle mit Rädern. De Niro's unsteter Blick zeigt, dass er das alles wahrnimmt. Er will navigieren, Ziele definieren, aber die eiterverkrusteten Betonschluchten versperren ihm die Sicht. Die Rückbank ist kein Wohnzimmer, vielleicht ein Wartesaal.
Ein herrlicher Film. Fosters Dialogzeilen sind von allerherbster Kälte durchzogen. Wurde der Babystrich für sie und diesen Film erfunden? Und Keitel muss hauptberuflich Zuhälter sein, so gut macht er das. Sogar Scorcese selbst überzeugt in einem Gastauftritt als gehörnter Aggro-Gatte auf dem Rücksitz.
Minimal (und dadurch so schmerzhaft) sind die Hinweise auf Travis' Status als verstümmelter Veteran. Er hat noch den Drang zu beschützen und schafft es eben nicht. Als knochiger kleiner Mann legt er sich gewaltige Schusswaffen zu: diese Szenen sind freilich mit das Stärkste, was diesbezüglich je im US-Kino lief. You talkin' to me? You talkin' to ME? Und dann schaut er in die Röhre, in die kleine Glotze... und der vermeintlich demokratische Weltenspiegel kippt, er schubst seine Teilhabe vom Hocker. Travis befreit sich - und bleibt trotzdem ein Schaf unter Wölfen, so dass das Ende des Films nur noch erschreckender wirkt als der angenommene Freitod. TD ist kein Reißer, eher ein Störer. Die Leidensgeschichten mit Katharsis am Ende lässt Scorcese andere erzählen.
7/10/2012
Flashpoint, Geoff Johns, Andy Kubert
In diesem gesammelten Mehrteiler geht es um eine Speck-und-Bohne-Waswärewenn-Geschichte. Da wird einmal jemand gerettet und schon ist der Zeitfluss dahin und die Biographien bekannter Kollegen aus der Justice League sind kreuz und quer und verzerrt. Achtung, Spoiler: Batman ist zum Beispiel sein eigener alter Herr, dem man damals Frau und Sohn raubte. Superman ist als Alien-Freak jahrelang in einem Bunker isoliert worden und Aquaman und Wonder Woman teilen den Planeten in einem martialischen Krieg untereinander auf.
Flash bleibt eine Merkur-Figur: so richtig rocken kann er die Geschichte nur, indem er von Charakter zu Charakter flitzt und Dialoge in Gang bringt und die Fronten befriedet. Zeichnungen sind auch OK. Bunt und schnell. Das nächste, bitte.
7/09/2012
Cosmopolis, David Cronenberg
Hier und hier. Cosmopolis weiß zu gefallen, weil er so quer liegt. Ein unverdauliches Brikett liegt hier herum und vieles kann man daran aussetzen: diese Literaturverfilmung betont ersteres und hat Dialoge, wie sie auf der Seite Sinn machen, aber wie sie in Filmen ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit einfordern. Vielleicht könnte man bei mehrfachem Konsum das Brikett zernagen, doch warum? Das finstere Ding verspricht keinen Erkenntnisgewinn - aber vielleicht ist das schon eine zu romantische Herangehensweise an die audiovisuelle Stimulanz, die das Vertilgen von Popcorn begleitet.
Wie könnte man Delillos Vorlage beschreiben? Ein junger Mensch rauscht atemberaubend langsam durch das physische Manhattan, während er in seiner mobilen Festung, einer weißen Limousine, virtuelle Werte in Echtzeit und noch schneller quer um den Globus jagt. Episodenhaft trifft er Menschen - Masseusen, Ehefrauen, Angestellte - und zeigt dann allegorisch die Totalität der post- (oder anti-) industriellen und post- (oder maximal-) materiellen Welt. Der Film kann somit über wichtige Dinge verfügen: Autos, Schusswaffen, Rückbänke, Großstadt, Fensterheber. Fein. Es gibt kein beknacktes Gutmenschgetue, das ist auch fein. Hermetisch geschlossen wie ein modernes Auto es sein sollte. Tür zu, Welt weg.
So weit, so gut. Letztlich ist dieser Film aber leider überflüssig. Eine Transkription von Seite zu Leinwand hat nicht stattgefunden, und die Anerkennung von DCs Chuzpe rettet nur über das erste Drittel des Films. Aber es liegt vor allem am Hauptdarsteller. Der junge Mann mag ja seinen Beruf gefunden haben und sich ins Zeug legen, doch für diese Rolle, für diesen Typus Mensch ist er ungeeignet. Seltsam verkleidet wirkt das alles - zumal es ja schon einen Pat Bateman gibt, da draußen. Doch Moment, Moment! Vielleicht denkt DC wieder Meta-Meta? Vielleicht ist die Besetzung dieses Nicht-Person mit der wohl vielversprechendsten Hollywood-Prominenz ein Wink mit dem hyperintellektualisierten Zaunpfahl?! No business outside of business?
DC darf wieder etwas mit Herrn Mortensen machen. Vielleicht "Eastern Promises 2 - The Bunny Incident" oder so. Da diese Idee mit dem Autofahren in der Großstadt weiterhin so beeindruckt, stand nun der Konsum von Taxi Driver an.
Wie könnte man Delillos Vorlage beschreiben? Ein junger Mensch rauscht atemberaubend langsam durch das physische Manhattan, während er in seiner mobilen Festung, einer weißen Limousine, virtuelle Werte in Echtzeit und noch schneller quer um den Globus jagt. Episodenhaft trifft er Menschen - Masseusen, Ehefrauen, Angestellte - und zeigt dann allegorisch die Totalität der post- (oder anti-) industriellen und post- (oder maximal-) materiellen Welt. Der Film kann somit über wichtige Dinge verfügen: Autos, Schusswaffen, Rückbänke, Großstadt, Fensterheber. Fein. Es gibt kein beknacktes Gutmenschgetue, das ist auch fein. Hermetisch geschlossen wie ein modernes Auto es sein sollte. Tür zu, Welt weg.
So weit, so gut. Letztlich ist dieser Film aber leider überflüssig. Eine Transkription von Seite zu Leinwand hat nicht stattgefunden, und die Anerkennung von DCs Chuzpe rettet nur über das erste Drittel des Films. Aber es liegt vor allem am Hauptdarsteller. Der junge Mann mag ja seinen Beruf gefunden haben und sich ins Zeug legen, doch für diese Rolle, für diesen Typus Mensch ist er ungeeignet. Seltsam verkleidet wirkt das alles - zumal es ja schon einen Pat Bateman gibt, da draußen. Doch Moment, Moment! Vielleicht denkt DC wieder Meta-Meta? Vielleicht ist die Besetzung dieses Nicht-Person mit der wohl vielversprechendsten Hollywood-Prominenz ein Wink mit dem hyperintellektualisierten Zaunpfahl?! No business outside of business?
DC darf wieder etwas mit Herrn Mortensen machen. Vielleicht "Eastern Promises 2 - The Bunny Incident" oder so. Da diese Idee mit dem Autofahren in der Großstadt weiterhin so beeindruckt, stand nun der Konsum von Taxi Driver an.
7/02/2012
Ledfeather, Stephen Graham Jones
Hier und hier. Jones macht ernst und verbindet die Biographie eines native Americans im Jetzt mit einem "Indianerbeauftragten" im vorletzten Jahrhundert. Wo trifft man sich? Im nahen Tod. Heranrasende Scheinwerfer, vereister Highway, Proviantknappheit im Erdloch, vermutlich Tuberkulose. Das Fegefeuer des Reservates (Traumata im trailer park) wird nicht geschont, ist aber auch nicht zentrale Leidmaschine.
Jones hat eine mehr als eine Ahnung von Text und setzt Briefe, Monologe und seelische Talfahrten in rasantem und stets angebrachtem Wechsel ein. Freilich fehlt einem oft die Orientierung - aber so kommt man den zwei Protagonisten geradezu unangenehm nah. Jede Zeile passt.
Jones hat eine mehr als eine Ahnung von Text und setzt Briefe, Monologe und seelische Talfahrten in rasantem und stets angebrachtem Wechsel ein. Freilich fehlt einem oft die Orientierung - aber so kommt man den zwei Protagonisten geradezu unangenehm nah. Jede Zeile passt.
Y: The Last Man #3, Brian K. Vaughan, Pia Guerra
Nach Nummer Zwei kommt Nummer Drei. Nach Kalifornien kommt der Pazifik - der voll ist von australischen U-Boot-Uschis. Und P-P-Piratinnen. (Pirateusen?)
Weiterhin zwingt sich Y nicht in eine weitgehende Phallozentrismuskritik sondern schreibt das U sehr dick und groß. Ein feines Teil. Die letzten zwei Bände sind freilich bereits geordert. Das hätte der Konsument nicht erwartet: ohne Cape und Gammastrahlen rockt das Comic eben doch die Hütte.
Weiterhin zwingt sich Y nicht in eine weitgehende Phallozentrismuskritik sondern schreibt das U sehr dick und groß. Ein feines Teil. Die letzten zwei Bände sind freilich bereits geordert. Das hätte der Konsument nicht erwartet: ohne Cape und Gammastrahlen rockt das Comic eben doch die Hütte.
6/28/2012
Y: The Last Man #2, Brian K. Vaughan, Pia Guerra
Ganz fix Nummer zwei von diesem, hier auch. Es geht weiter mit den Astronauten - denn Yorick ist zwar der letzte Mann auf Erden, aber nicht der letzte Mann im Universum. Und hier liegt eine weitere Stärke dieser Breitwandunterhaltung. Es geht eben nicht in den äußerem Weltraum, es bleibt alles fein auf den leeren Feldern von Kansas und Idaho und robbt sich gen Kalifornien.
Ein Chromosom zieht nach Westen.
Ein Chromosom zieht nach Westen.
The Reach of Resonance, Steve Elkins
Hier und hier. Der Konsum erfolgte vollkommen voreingenommen.
Diese Dokumentation befasst sich mit materiellem Klang und klingenden Dingen. Schaben, Bienen, Zäune, Bäume, Dingos, Waschbecken: alles springt und klingt und schwingt. Es geht um unpopuläre Musik beziehungsweise findige Arten der "Krach"-Erzeugung: vier Tonakrobaten führen vor, das Krach eigentlich eine zwar praktische, aber doch arg limitierende Kategorie ist. Keineswegs ist das alles nur ein Spiel mit der Sinnfreiheit - Elkins macht klar, wie (schmerzhaft) eng diese Art der Kunst mit der sogenannten echten Welt verwoben ist.
Ungewollter Nebeneffekt: jetzt will der Konsument Urlaub in Alaska machen. Hin und zurück ca. 1700 €. Exklusive Trommel und Klanghalm. Hmm.
Diese Dokumentation befasst sich mit materiellem Klang und klingenden Dingen. Schaben, Bienen, Zäune, Bäume, Dingos, Waschbecken: alles springt und klingt und schwingt. Es geht um unpopuläre Musik beziehungsweise findige Arten der "Krach"-Erzeugung: vier Tonakrobaten führen vor, das Krach eigentlich eine zwar praktische, aber doch arg limitierende Kategorie ist. Keineswegs ist das alles nur ein Spiel mit der Sinnfreiheit - Elkins macht klar, wie (schmerzhaft) eng diese Art der Kunst mit der sogenannten echten Welt verwoben ist.
Ungewollter Nebeneffekt: jetzt will der Konsument Urlaub in Alaska machen. Hin und zurück ca. 1700 €. Exklusive Trommel und Klanghalm. Hmm.
Wagner & Me, Patrick McGrady
Hier und hier. Zum Zeittotschlagen eine Doku geschaut. War OK. Seltsam langsam erzählt: es geht wirklich nur um Stephen Fry und seine Verehrung für Walküren und Bayreuth und dergleichen. In einer leidlich amüsanten Nabelschau wird mit viel Eifer klassische Musik vorgeführt und einiges an Historie erwähnt und erläutert.
Nett.
Was dem Konsumenten in seiner Pflicht und Rolle als Barbaren auffällt: Wagner war und ist Unterhaltungsindustrieller. Wagner hätte merchandizing betrieben, er hätte Textilien und Tassen mit Siegfried drauf verkauft, wenn es ihm möglich gewesen wäre. Die Lächerlichkeit eines Begriffes wie "Hochkultur" wird indirekt bestätigt. Die Unterhaltung durch Wagner ist recht kraftvoll - ist sie dadurch auch edler? Feingeistdeppen können den Strategen gern durch Nazi-Quatsch auratisch aufladen. Wenn's unterhält.
Nett.
Was dem Konsumenten in seiner Pflicht und Rolle als Barbaren auffällt: Wagner war und ist Unterhaltungsindustrieller. Wagner hätte merchandizing betrieben, er hätte Textilien und Tassen mit Siegfried drauf verkauft, wenn es ihm möglich gewesen wäre. Die Lächerlichkeit eines Begriffes wie "Hochkultur" wird indirekt bestätigt. Die Unterhaltung durch Wagner ist recht kraftvoll - ist sie dadurch auch edler? Feingeistdeppen können den Strategen gern durch Nazi-Quatsch auratisch aufladen. Wenn's unterhält.
6/27/2012
Rant, Chuck Palahniuk
Encore: das dritte Mal. Hier und hier.
Wo bleibt die Fortsetzung, Herr P.? Angekündigt war und ist laut Seitenbeschriftung Rant II und III. Aber das jüngere Damned soll ebenfalls fortgesetzt werden. Währenddessen wird Invisible Monsters wieder veröffentlicht... herrje.
Zur Erinnerung: Rant ist eine groteske Variation der coming-of-age Geschichte und auch gleich ihre Inversion nebst Subversion. CP ist ein großer Karnevalsmeister, ein professioneller Erschrecker, der einen teils aber bei der Hand nimmt und mit herrlich minimaler Prosa immer weiter ins Absurde zieht. Ein Selbstdarsteller ist er eigentlich nicht: da ist immer eine Geschichte zu verorten, immer ein (blut- und eiter-) roter Faden, der durch das Dickicht der Körperverwertungsanstalten namens Menschen führt und sich dann beschleunigt.
Rant II ginge. Doch, trotz der obskuren Sperenzchen im letzten Drittel von Rant I: da ist die Bühne frei für weitere transdimensionale Crashkids. Und im dritten Teil könnte es dann vollends ad astra gehen, mit rotzbetriebenen Raketen. Bis zur Unendlichkeit, und dann noch viel weiter, mitten in die Fresse rein.
Wo bleibt die Fortsetzung, Herr P.? Angekündigt war und ist laut Seitenbeschriftung Rant II und III. Aber das jüngere Damned soll ebenfalls fortgesetzt werden. Währenddessen wird Invisible Monsters wieder veröffentlicht... herrje.
Zur Erinnerung: Rant ist eine groteske Variation der coming-of-age Geschichte und auch gleich ihre Inversion nebst Subversion. CP ist ein großer Karnevalsmeister, ein professioneller Erschrecker, der einen teils aber bei der Hand nimmt und mit herrlich minimaler Prosa immer weiter ins Absurde zieht. Ein Selbstdarsteller ist er eigentlich nicht: da ist immer eine Geschichte zu verorten, immer ein (blut- und eiter-) roter Faden, der durch das Dickicht der Körperverwertungsanstalten namens Menschen führt und sich dann beschleunigt.
Rant II ginge. Doch, trotz der obskuren Sperenzchen im letzten Drittel von Rant I: da ist die Bühne frei für weitere transdimensionale Crashkids. Und im dritten Teil könnte es dann vollends ad astra gehen, mit rotzbetriebenen Raketen. Bis zur Unendlichkeit, und dann noch viel weiter, mitten in die Fresse rein.
6/24/2012
Batman: The Black Mirror, Scott Snyder, Jock, Francesco Francavilla
Hier und hier.
So weit ist es schon: Nolan muss als Verkaufsargument für Sammelbände
im Urmedium dieser Figur herhalten. Von wegen neu und aktuell: schon in
den 1990ern war man sowohl bei DC als auch bei Marvel für diese
Gotham-Grusel-Mär zu haben.
Aber gut. Man
bekommt eine sorgsam verwobene Noir-Geschichte, die weniger mit Kostümen
auskommt als zunächst gehofft. Die Zeichnungen sind seltsam krumm und
eher öde, der Geschichte sind sie somit allerdings angepasst. Die ganz
OK ist. Wieder ein Mörder, wieder Schuld und Sühne. Aber zu wenige Batarangs.
In den Comics braucht kein Mensch Nolan, weder als Referenz noch als Vorbild. Vielleicht ist B:TBM so leicht zu preisen, da es nach dem Getöse um "Batman, RIP" schwer ist, eine geradlinige Geschichte zu erzählen? Nach diesem Ding will man jedenfalls schon wieder Frank Millers klassische Wiederbelebung der Marke rekonsumieren. Erstmal aber irgendwas anderes vom aktuellen DC Chaos... was Buntes. Und was zum Spielen. Was mit Flash oder Martian Manhunter oder so.
Aber gut. Man
bekommt eine sorgsam verwobene Noir-Geschichte, die weniger mit Kostümen
auskommt als zunächst gehofft. Die Zeichnungen sind seltsam krumm und
eher öde, der Geschichte sind sie somit allerdings angepasst. Die ganz
OK ist. Wieder ein Mörder, wieder Schuld und Sühne. Aber zu wenige Batarangs.In den Comics braucht kein Mensch Nolan, weder als Referenz noch als Vorbild. Vielleicht ist B:TBM so leicht zu preisen, da es nach dem Getöse um "Batman, RIP" schwer ist, eine geradlinige Geschichte zu erzählen? Nach diesem Ding will man jedenfalls schon wieder Frank Millers klassische Wiederbelebung der Marke rekonsumieren. Erstmal aber irgendwas anderes vom aktuellen DC Chaos... was Buntes. Und was zum Spielen. Was mit Flash oder Martian Manhunter oder so.
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