2/19/2014

Pitch Perfect, Jason Moore

Hier. Es war und ist zu erwarten dass die Größe der Glee-Zielgruppe auch Produkte wie PP provoziert. Dass selbige aber so erfrischend sind und nicht einfach eine Stunk- und Nöl-Operation sind, erfreut nachhaltig.

Filme mit Erbrechen sind ja generell schon einmal sehr wertvoll, da sie die Strahlkraft der audiovisuellen Unterhaltung als Ganzes begreifen. Fein derb und herb geht es voran und das Wort "Choreographie" verliert seine Aura der Ödnis. Flinke Menschen tanzen und springen, sehr gut, aber das tun sie nie zu lang und um des Tanzens und Springens willen. Zurecht gibt es bald ein sequel.

2/16/2014

47 Ronin, Carl Rinsch

Hier. Nur so ein Gefühl: eigentlich soll der Film in Asien so richtig gut laufen. Die Epik und die Tragik und die behäbige Erzählweise sind freilich schön und stimmig, stehen aber im Gegensatz des gängigen Aktionskinos in den Metroplexen. Freilich ist der Film wunderschön und erzählt dumpf die bekannte Quest-Geschichte von Rache und Ehre und bietet CGI-beschleunigtes Kampfballett. 3D war aber wie immer ein wenig übertrieben.

2/14/2014

Marvel's The Avengers, Joss Whedon

Encore dies. Whedon schafft das Unmögliche und führt abstruse Charaktere sinnvoll und harmonisch zusammen. Er fasst den Geschmack eines franchises zusammen und legt die Tonart für die Zukunft fest. Die Guardians of the Galaxy werden bald das ihrige tun und den Spielplatz erweitern. Solange Kevin Feige und eben Joss Whedon fest im Stuhl sitzen wird alles schön bunt und laut und die Ödnis der normalen Welt muss draußen bleiben.

2/10/2014

The Wolf of Wall Street, Martin Scorsese

Hier. Much ado about money. Herr D. soll endlich seinen Darsteller-Oscar bekommen, und dieses Vehikel sollte ihm das bei schwacher Konkurrenz ermöglichen. Eine hysterische Fallstudie in Hyperegozentrik mit einem populären verächtlichen Blick auf die seltsame Berufswelt des Geldhändlers.

Freilich ist TWOWS zu lang, aber dank Scorcese und dem auf sofortige Belustigung ausgelegte Drehbuch wird dem Zuschauer zumindest beim Erstkonsum nicht langweilig. Die unglaublichen Requisiten des späten letzten Jahrtausends zeigen dessen Lächerlichkeit in feinstem Pastell. Der omnipräsente Hauptdarsteller hat sehr viele Faxen drauf und die Szene mit den Quaaludes ist grossartig und überraschend.

I Melt with You, Mark Pellington

Hier. So viel erwartet! Aber dann war der Film doch zu lang. Spröde gestaltete sich die zweite Hälfte und die freilich sympathischen Darsteller konnten gar nicht gegen die viele Leere Zeit anspielen, die dann durch den finalen Schnitt entstand. Hätte man diese Geschichte überhaupt beschleunigen können? Vielleicht nicht, denn dann fiele auf wie simpel sie eigentlich ist. Schön, aber eben sehr simpel. Die polizeiliche Autorität erscheint fehl am Platz und ungerechtfertigt. Das ganze Drogennehmen ist zwar nett anzuschauen und der Soundtrack haut auch gut durch, aber die Geschichte ist nun einmal zu lang erzählt.

2/06/2014

Grand Theft Auto 5, Rockstar Games

Hier und hier und hier. Man weiss was einen erwartet und man vertraut Rockstar Games. Und trotzdem legen Sie alles noch ein wenig höher: die Stadt und das Land sind wunderschön, die Dialoge in ihrem Zynismus noch viel treffender, die Verteilung der Geschichte auf drei Köpfe trefflich und sinnvoll. Warum auch einen Fokus behalten wenn doch die Existenz des Verbrechens darin besteht, möglichst viele Unwägbarkeiten auszunutzen? Keine Karriere kann sich isoliert von anderen ereignen: entweder man steigt gemeinsam auf/ab, oder man setzt sich aggressiv von den Konkurrenten ab.

GTA5 ist so toll dass man auch einfach nur Mountain Bike fahren will. Um vielleicht ein Reh im Wald zu tasern.

2/03/2014

Capote, Bennett Miller

Aus gegebenem Anlass dieser noch einmal. Von der schauspielerischen Leistung fast schon einschüchternd: wer ist diese Person und was passiert mit ihm? Gab es diesen Menschen wirklich und wie kann ein Schauspieler einen historischen Menschen spielen, der sich während der Geschichte beginnt zu fragen, ob und was für einen Menschen er spielt? Ebenen allerorten. Der Beobachter wird zum Simulanten, der Beherrschende wird zum Beherrschten und am Ende ist es dann doch der angekündigte Tod, die zerrinnende Zeit, die den letzten Sinn raubt und einen anderen schenkt. Das Buch, der Film, der Autor, der Beobachter, der Schauspieler, der Zuschauer, der Beteiligte. Blut hat immer irgendeine Temperatur.

2/02/2014

Someone to Keep Me (Collars and Cuffs), K.C. Wells, Parker Williams

Dieses ebook wurde spontan gekauft, da mit Argwohn und Interesse der vanity-tumblr "noodlesandbeef.com" verfolgt wurde, bei dem der Autor und Hauptdarsteller in einer Dom/Sub-Beziehung steckt die sich durch allerlei teils seltsame Rituale auszeichnet. (Mittlerweile sind die Herren zu dritt und konsumieren aufs amerikanischste drauf los.) Das umfasst zwar auch das kernig-fleischliche aber eben nicht nur: auf Beziehungsebene geht es auch um die Erforschung des "subspace", einer Art mentaler (sozialer?) Frequenz der Unterwerfung.

Dieser BDSM-Roman selbst ist, literarisch gesehen, Schund in seiner schwülsten Form - sehr blasse und mit wenigen Worten beschreibbare Charaktere finden und treffen sich in denkbar simpler Kulisse. Das Happy End tritt ebenso sicher ein wie die vollkommen überzeichneten Widersacher. Einmalige Posen und großer Wiedererkennungswert fehlen. Der Text ist eher eine Reportage in Roman-Form - wer das Thema nicht irgendwie interessant findet wird auch in dem Geplänkel zwischen Kinderraub und dark room keine Spannung halten können.

Referenz zu Erotik, Libido und subspace oder sonstwelchen Räumen ist und bleibt und wird wohl für immer Lolita sein. Freilich ist das hetero und alt und von einem alten weißen Mann geschrieben. Aber hier gibt es die Unterwerfung viel nachdrücklicher: hier ist der Held selbst in sich faltenden Räumen zwischen Gier und Verzicht gefangen. Bei Lolita gibt es den "schizo-subspace" und ein Objekt, das eben mehr ist als bloßes Ding da draußen sondern Grundlage der Objektivierung überhaupt.

1/27/2014

The Manhattan Projects, Vol 2, Jonathan Hickman & Nick Pitarra

Die Fortsetzung von jenem.

Und es wird immer irrer. Hat Thomas Pynchon das hier gelesen oder verursacht? Kann das gut gehen? Die einzelnen Charaktere geraten fast schon in Vergessenheit ob der unerhörten Paranoia, die hier gepflegt wird. Auf blutigste Weise wird die Geschichte der Welt(raum)verschwörung erzählt, die sich auf Satelliten(-staaten, -hirnen) abspielt.

Ist das hier eher ein Tableau? Vielleicht kann das Manhattan Project eben nur ein Projekt sein, ein Komplex mit mehreren Zugängen. Immerhin erhöht dass das Sequel-Potential.

1/21/2014

Only Lovers Left Alive, Jim Jarmusch

Hier. Endlich wieder Kino. Richtiges Kino. Viel Schwarz und viele Möglichkeiten der Beschleunigung. Ersteres wird genutzt, letzteres eben nicht - Jarmusch mag es langsam, das ist jetzt aber nicht so neu.

Dass es um Vampire geht, hat der Konsument wirklich im Vorfeld für einen Scherz gehalten. Doch dann ist es tatsächlich so, und wie: was keiner glauben kann, glückt hier. Ein bisher unterschätzter Aspekt der Untoten: Zeit! Und Ödnis. Eingesperrt mit dem Menschenvieh eumeln sie durch Bibliotheken und Musikalien, denn was sollen sie sonst tun? Damit zeichnen die herausragenden Hauptdarsteller eine herrlich melancholische Perspektive auf uns zeigen eine tiefenentspannte Gelassenheit, die auch in müde Genervtheit umschlagen kann. Da fühlt man sich im dunklen Kino schön bestätigt.

Und feine one-liner hat's auch noch. Aus-ge-zeichnet.

1/15/2014

Blood and Lust, Zack

Hier. Auweia, klassische Pornographie die von irgendwelchen enthusiastischen Verlegern neu aufgelegt wurde. So war das damals vor dem Internet: da musste einer die Bilder malen und sich einer eine möglichst haarsträubende Geschichte ausdenken, um die Protagonisten geifernd und unbekleidet zu lassen.

Seltsam altbacken ist es schon. Da will wirklich eine Geschichte zu Ende erzählt werden. Da soll der ganze Geschlechtsverkehr doch noch in einen sinnhaften und nicht nur sinnlichen Zusammenhang gesetzt werden. Der Zusammenhang ist ein englischer Running Man, eine Art Hunger Games im (gut ausgeleuchteten) darkroom.

Wie kann das als Referenz für 50 Shades oder B. E. Ellis herhalten? Vermutlich gar nicht. Eine Zielgruppenanalyse wäre wieder sehr fein.

1/12/2014

This Is How: Proven Aid in Overcoming Shyness, Molestation, Fatness, Spinsterhood, Grief, Disease, Lushery, Decrepitude & More, For Young and Old Alike; Augusten Burroughs

Hier. Amerikanische Selbsthilfe fängt mit dem Ich an und zielt auf das Du. Hier zehrt der Autor von seinem halbprominenten Status als Überlebender und Zeitzeuge und vermittelt in fast schon wie Reden und Erbauungstraktaten aufgebauten Essays vor allem eins: Attitüde. Dieses Zähe, dieser nackte Blick, diese teilweise bestätigten Binsenweisheiten. Trotzdem ein gutes Buch, da es eine neuere Art von Aufmerksamkeit erfordert. Hier muss man auch Zuhören wollen. Was am Ende redundant ist, sieht man eben erst dann: am Ende.

Inglourious Basterds, Quentin Tarantino

Hier schon wieder. Alle Klischees stimmen. QT macht Pop-Epik. In walzender Breite geht es um nichts - jede der endlosen Plaudereien ist eine Zurschaustellung von Zeitmanagement, ein Auskosten schwelender Gewalt. Wenn's dann kracht, dann kracht es schön. Aber insgesamt fragt man sich was bei der Konzeption zuerst kam: die ganze Geschichte oder nur prägnante Szenen mit klaustrophobischer Stimmung, die dann zu einem Bogen verklumpt werden? Bang, bang.

Buried, Rodrigo Cortés

Hier schon wieder. Container, Behälter, Innenraum, Schauraum. Wiggle space.

Dieser feine und dreiste Film bleibt im Gedächtnis weil er eisern seine Idee durchhält. Kein Erbarmen für niemanden und stetiger Stress für den Kameramann. Ausgezeichnet.