3/21/2014
The Informers, Gregor Jordan
Hier und hier. Schnarch. Einfach die Rechte kaufen und möglichst viel Geld auf die Casting-Couch schmeißen. Was im Roman in stimmige und vernetzte Episoden passt, zerfasert hier beim sehr flachen Film in eine Ansammlung von Fremdscham- und Schaulust-Szenen, die lediglich labels bedienen. Niemand hat sich hier irgendwie kreativ eingebracht, um eben die audiovisuelle Erzählung einigermaßen einzigartig zu machen. Schade. Aber irgendwie sind dumpfe Filme ja auch stets Teil des Ellis-Kosmos'.
3/14/2014
Drei kesse Bienen auf den Philippinen, Sigi Rothemund
Hier. Alternativer Titel des pittoresken Kammerspiels: Cola, Candy, Chocolade. Man muss es eigentlich gesehen haben um es zu glauben. Dieses enorm debile Machwerk lässt den verzagten Humanisten natürlich weiter verzagen: wie kann man eigentlich mit Film *kein* Geld verdienen und wo hört Unterhaltung auf, selbige zu sein? Steht dieses Ding in der Tradition von Gunter-Philipp-Peter-Alexander-Theo-Lingen-Klamauk? Und wenn ja: was ist denn da schief gegangen? Wieviele Preise hat Herr Rothemund erhalten? Ist er eine Art Roger Corman für den deutschen/europäischen Filmmarkt?
Der Menschenfeind von nebenan sieht in diesem fast anderthalbstündigen Badeunfall eine Bestätigung die zuletzt die Twilight-Filme ebenso bedienten: die junge Masse frisst alles, es muss nur tüchtig durchgezuckert sein. Sobald man irgendwie nicht mehr mit dem Zeitgeist und der Zielgruppe kongruent ist, wird einem beim Konsum sogleich atemberaubend schlecht an Magen und Seele.
Der Menschenfeind von nebenan sieht in diesem fast anderthalbstündigen Badeunfall eine Bestätigung die zuletzt die Twilight-Filme ebenso bedienten: die junge Masse frisst alles, es muss nur tüchtig durchgezuckert sein. Sobald man irgendwie nicht mehr mit dem Zeitgeist und der Zielgruppe kongruent ist, wird einem beim Konsum sogleich atemberaubend schlecht an Magen und Seele.
Synecdoche, New York, Charlie Kaufman
Hier und hier. Der erneute Konsum offenbart was längst vermutet wurde: nämlich dass ich dieses Vehikel einer eindeutigen Vereinfachung entzieht. Ein herrliches und teils auch bildgewaltiges Werk über Nachdenken, Erinnern, Gestalten. Es ist eine sehr schwelgerische Arbeit über "Bühnen" - innere, äußere, das Casting, das Proben, die Vorführungen und die Kritiken.
Kaufman ist eine Wucht und es ist sehr schön, dass er seine Nische im business gefunden hat(te).
Kaufman ist eine Wucht und es ist sehr schön, dass er seine Nische im business gefunden hat(te).
3/13/2014
Monuments Men, George Clooney
Hier und hier. Diese liebreizend rund-gefilmte Geschichte lässt an Opa denken, eben weil WW2 eine alte Geschichte ist, hier auf jeden Fall.
Die humanistische Botschaft ("Kunst retten, hurra") wird nicht weiter hinterfragt. Hat diese Spezies wirklich ein Anrecht auf Erbauung? Ist Kunst nicht vor allem Kapitalanlage? Somit ist der Fund des Goldes in der Mine eine schöne Provokation: bei diesem Material ist der Wert zumindest offensichtlicher im Sinne von "populärer": irgendwelche Michelangelo-Statuetten können schlecht in Aktienanteile getauscht werden. Gold hat einen eigenen Index. Und man kann es in Barren besser stapeln.
Die humanistische Botschaft ("Kunst retten, hurra") wird nicht weiter hinterfragt. Hat diese Spezies wirklich ein Anrecht auf Erbauung? Ist Kunst nicht vor allem Kapitalanlage? Somit ist der Fund des Goldes in der Mine eine schöne Provokation: bei diesem Material ist der Wert zumindest offensichtlicher im Sinne von "populärer": irgendwelche Michelangelo-Statuetten können schlecht in Aktienanteile getauscht werden. Gold hat einen eigenen Index. Und man kann es in Barren besser stapeln.
3/12/2014
Nymphomaniac Vol. 1, Lars von Trier
Hier und hier und hier. Wie können Produkte mit Rammstein und Bach im Soundtrack schlecht sein? So auch nicht dieses. Der erste Teil der Orgasmusqueste beeindruckt durch die erwartete leichte Bockigkeit des Regisseurs: langsame Einstellungen provozieren eine Trennung von Auge und Hirn, von Beobachten und Reflektion. Die Genitalien sind zwar wichtig, aber keine Handlungsträger. Letztlich sind sie sogar ziemlich langweilig.
Der episodenhafte Aufbau ist herrlich und macht Sinn und schafft eine fast schon profane Gesamtsituation. In öligem Beige geraten die Leiber aneinander und es wird sogar Humor gewagt: nicht dieser erleichternde Humor, der einen von Schuld befreit sondern eine Art konstruktiver Zynismus: jawohl, das Herumvögeln ist furchtbar trivial und die allgegenwärtige Einsamkeit ist furchtbar unzersetzbar.
Danke. Let's stay tuned/ecstatic.
Der episodenhafte Aufbau ist herrlich und macht Sinn und schafft eine fast schon profane Gesamtsituation. In öligem Beige geraten die Leiber aneinander und es wird sogar Humor gewagt: nicht dieser erleichternde Humor, der einen von Schuld befreit sondern eine Art konstruktiver Zynismus: jawohl, das Herumvögeln ist furchtbar trivial und die allgegenwärtige Einsamkeit ist furchtbar unzersetzbar.
Danke. Let's stay tuned/ecstatic.
3/09/2014
The Rules of Attraction, Roger Avary
Hier und hier. Ein Film der sich am post-post-ironischen Ellis-oeuvre verhebt. Vor allem ein Vehikel um den Dawson-Darsteller von Dawson zu befreien (ach, so eine Sau ist er hier). Das Produkt richtet sich an die Erschreckbaren, die Menschen mit Ernährung und Bausparvertrag jenseits des Abgrundes amerikanischer Campussys - also jene Klientel, die durch letztere produziert werden.
Gute Momente gibt es auch. Die Kamera darf befreit fahren, durch Zeit und Raum. Nicht dass dadurch die Narration geprägt wird - aber dekorativ ist das allemal.
Gute Momente gibt es auch. Die Kamera darf befreit fahren, durch Zeit und Raum. Nicht dass dadurch die Narration geprägt wird - aber dekorativ ist das allemal.
Hedwig and the Angry Inch, John Cameron Mitchell
Hier und hier. TBA. Wie konnte das verpasst werden? The internationally ignored song stylist Hedwig kolportiert den Transenkosmos enorm kurzweilig auf den Schirm. Dabei schwingt immer die Bühnenherkunft mit. Der Film könnte auch als Werbung für das Stück verstanden werden. Wie hiess der Trend damals? Grunge, genau. Das ist grungy with a vengeance. Das ist natürliche Performanz durch die Erfragung von Natürlichkeiten. Das ist sehr großer Spass - nicht durch Imitation sondern durch subversive Inversion. Und Michael Pitt war ja voll das Bübchen einst. Sowas.
3/07/2014
The Informers, Bret Easton Ellis
Hier und hier.
Als Less Than Zero ausklang, freute man sich dass dieser junge Autor nun endlich seine Dämonen ausgetrieben hat. Der war jung und zornig und LTZ war seine Abrechnung. Nun kann er Erbaulicheres konstruieren.
Man irrte sich.
The Informers ist ein mehrstimmiger und doch fast schon autistisch-stummer schlanker Episodenroman mit teils driftenden, teils tangierenden Lebenslinien im eiskalten Los Angeles. Herbe Gewalt kommt irgendwann explizit ins Spiel, doch bis dahin ist der Leser schon im tauben und öden Kosmos der Top-Konsumenten gefangen. Abgestochene Kinder in Badezimmern schocken dann auch nicht mehr.
Weit besser als erwartet und im Gegensatz zum Flaggschiff American Psycho ein geradezu zartes Bouquet der Sinnlosigkeit.
Als Less Than Zero ausklang, freute man sich dass dieser junge Autor nun endlich seine Dämonen ausgetrieben hat. Der war jung und zornig und LTZ war seine Abrechnung. Nun kann er Erbaulicheres konstruieren.
Man irrte sich.
The Informers ist ein mehrstimmiger und doch fast schon autistisch-stummer schlanker Episodenroman mit teils driftenden, teils tangierenden Lebenslinien im eiskalten Los Angeles. Herbe Gewalt kommt irgendwann explizit ins Spiel, doch bis dahin ist der Leser schon im tauben und öden Kosmos der Top-Konsumenten gefangen. Abgestochene Kinder in Badezimmern schocken dann auch nicht mehr.
Weit besser als erwartet und im Gegensatz zum Flaggschiff American Psycho ein geradezu zartes Bouquet der Sinnlosigkeit.
3/03/2014
The Juliette Society, Sasha Grey
Hier und hier. Ein kalkulierter Roman, der mit den ubiquitären Grauschattierungen gleich ziehen sollte. Oder ist das zu gemein? Immerhin liest sich dieser Text äußerst kurzweilig und weit weniger reißerisch als erwartet. Vor allem die mehr als nur drolligen Referenzen zu Filmen und ihrer Funktion beeindrucken nachhaltig. Ein Schelm wer Böses dabei denkt: vielleicht könnte man die These, jedwede Schaulust sei pornographisch, jetzt endlich verstehen. Das Auge isst mit und es hat immer Hunger und es kann sich nicht erbrechen.
Frau Grey bleibt eine der interessanteren Amerikanerinnen im tabloid circus, eben weil sie (oder ihr Management) selbigen verstanden hat.
Frau Grey bleibt eine der interessanteren Amerikanerinnen im tabloid circus, eben weil sie (oder ihr Management) selbigen verstanden hat.
3/02/2014
Fast & Furious Five, Justin Lin
Aqui. Auweia.
Man schaut ja so etwas nicht wegen der Dialoge oder dem ernsthaften menschlichen Drama.
Es ist aber die Freude am Fahren und Kollidieren zur Kenntnis zu nehmen, die hier die Bilderflut diktiert. Es geht um's ästhetische Kaputtmachen, um die rituelle Abrechnung mit dem PKW. Die Menschen werden als Fahrer gebraucht. Geht gut, funktioniert. Zum Glück scheint in Südamerika immer die Sonne es ist eh schon alles ein bisschen kaputt.
Das Fehlen von Ironie und einem einigermaßen sympathischen Humor macht das Produkt aber zu einem lärmenden Vehikel für Hilfsschul-Katholiken und Dorf-Karnevalisten. Weniger Dialog wagen, bitte. Mehr Zeitlupe, bitte. Manche Autos sehen auch super aus wenn sie parken.
Man schaut ja so etwas nicht wegen der Dialoge oder dem ernsthaften menschlichen Drama.
Es ist aber die Freude am Fahren und Kollidieren zur Kenntnis zu nehmen, die hier die Bilderflut diktiert. Es geht um's ästhetische Kaputtmachen, um die rituelle Abrechnung mit dem PKW. Die Menschen werden als Fahrer gebraucht. Geht gut, funktioniert. Zum Glück scheint in Südamerika immer die Sonne es ist eh schon alles ein bisschen kaputt.
Das Fehlen von Ironie und einem einigermaßen sympathischen Humor macht das Produkt aber zu einem lärmenden Vehikel für Hilfsschul-Katholiken und Dorf-Karnevalisten. Weniger Dialog wagen, bitte. Mehr Zeitlupe, bitte. Manche Autos sehen auch super aus wenn sie parken.
2/24/2014
Better Off Dead..., Savage Steve Holland
Hier. 1985! Dieses Produkt ist schwierig, und zum Glück ist John Cusack schon in mit 12 ein sehr sympathischer Leinwandarbeiter, an dem man das Produkt festmachen kann. Man bedenke die Jugend von MTV zu jener Zeit, die in jeder Szene sichtbar wird. Überhaupt scheint dies eine Produktion für die ADHS-gebeutelte Zielgruppe der Zukunft sein - aber hier wird vorrausgesetzt, dass man die Tradition der phony Schüler-Filme und -Situationen überhaupt noch kennt.
Ruppiges Ding, das. Nicht ohne Charme, aber deutlich am anstrengenden Pop-Herz seiner Dekade angesiedelt.
Ruppiges Ding, das. Nicht ohne Charme, aber deutlich am anstrengenden Pop-Herz seiner Dekade angesiedelt.
Freier Fall, Stephan Lacant
Hier. Ach die Deutschen wieder: alles ist so schwer. Alles ist so kompliziert. Dieser verblüffend humorlose und minimale aber nie karge Film hat alles um sein eines zentrales Drama darzustellen: die Unfähigkeit der Konkordanz von einzelnem und kollektivem Libido-Management. Freilich geht es schlecht aus, freilich ist das alles verwirrend. Die Darstellung und Einbeziehung von Gewalt macht Sinn - Liebe ist eben nicht nur das Schmachten und das Hauchen es ist auch ein Reißen und ein Klatschen. Richtige Liebe zerstört wahrscheinlich zuerst, bevor etwas entstehen kann. Eine herzensfaschistische Revolution, quasi. Erst Schubsen, dann Taumeln, dann Fallen. Dann Aufprall.
The Celluloid Closet, Rob Epstein, Jeffrey Friedman
Hier. Dokumentativ. Auch ohne die queere Agenda ist das ein feiner Abriss der amerikanischen Filmgeschichte. Mit etwas anderem journalistischen Schwerpunkt kann man auch insgesamt den Umgang der Konsumenten miteinander durch und mit dem mainstream-Film beleuchten. Wie immer bei dieser Thematik stellt sich die Frage, was der sogenannte Kritiker erkennt und was dem Konsumenten übrig bleibt und ob es da Überlappungen gibt. You can't spell "subtext" without "buttsex". But who's in the mood for spelling bees at all times, anyway?
2/20/2014
The Big Lebowski, Ethan & Joel Coen
Hier. You have to draw a line somewhere. Deshalb unterteilt sich die Gesamtbevölkerung in jene, die für und jene die gegen den Dude sind. But that's just kind of like your opinion, man.
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