5/03/2015

This Must Be the Place, Paolo Sorrentino

Hier. Wenn man Filme mag die Eier haben wird man TMBTP lieben - der erwartungsgemäß wunderbare Hauptdarsteller ist nur ein Teil dessen. Der Rollkoffer, der wundervolle Rollkoffer! Nicht schnell, nicht schön, aber nichts allzu besonderes und meistens eher gezogen als geschoben. Viel Zeit verbringt der Rollkoffer in Frachträumen und in Schränken und anderen Innenwelten. Das Gegenteil von Grazie, wie der Held.

Auch alles andere vortrefflich: die helle öde Welt und die enorme Leere hinter den Vorhängen. Vielleicht die klügste Abhandlung einer sogenannten Jugendkultur der letzten Jahre. Nur das Ende lässt grübeln: hat Cheyenne jetzt fertig? Ist er jetzt durch? Heisst durch gesund? Aber neue Fragen sind das auch wieder nicht.

Avengers: Age of Ultron, Joss Whedon

Hier. So kann das gehen: werkgetreu und in jeder Hinsicht präzise gestaltetes Klotzkino, das nachhaltig begeistert.

Eine einzige Szene nur: Hawkeyes Zuhause nebst Familie. Die alte Leier mit dem superkraftlosen Superhelden wird herrlich fortgeführt, wie es schon die einmaligen Comics zeigten. Kinder werden nicht als Emo-Staffage genutzt und das Haus wird nicht zerstört (fast schon einen Applaus wert). Die ganze Sequenz treibt das Thema Team-Bildung und E Pluribus Unum wunderbar auf die Spitze. Juchzend nimmt man dann die letzte Szene zur Kenntnis, denn ein Team ist ja heterogen und dynamisch und kann auch erneuert werden.

Und die Standards rocken auch: Stan-Lee-Cameo, Post-Credits-Szene, schnippische Wortgefechte, Effekte an und für sich. Läuft bei denen.

Terminator Salvation, McG

Hier. Noch einmal dies - angeheizt durch die wie immer vielversprechenden Trailer zum neuesten Produkt der Marke.

Und was lässt sich feststellen? Ein verzweifelter und ehrbarer Versuch der franchize-Rettung. Es ist unfair, den mit den ersten beiden Produkten zu vergleichen, denn selbige sind ein Stück Filmhistorie. Die zahlreichen Anspielungen auf selbige lassen lächeln und seufzen. Der nächste macht alles anders. The Future is Unwritten. The Future is Not Set. Wäre ja auch öde sonst.

Exit Humanity, John Geddes

Hier. Die Werbung wurde vor einiger Zeit mit Wonne wahrgenommen, dann verschwand das Produkt und nun taucht es bei Amazon Prime wieder auf. Zombies und Bürgerkriegswestern eben. Red Dead Redemption - Undead Nightmare? Fast.

Der sympathische kleine Film zeigt sein limitiertes Budget, aber die karge Natur und die passenden Cartoonszenen sorgen für Abwechslung. Gut dass mit dem Thema noch solche Filme möglich sind und nicht nur, äh, World War Z.

Batman and Robin, Morrison, Quitely, Tan

Hier. Die Zeichnungen sind unaufgeräumt und kritzelig, die Farbgebung eher bunt und BOOM-WHÄM. Ausserdem ist Robin dabei... ausgerechnet. Aber: mittlerweile ist letzterer Grund zur Besorgnis und eigentlich eine Schau für sich: in seiner Inkarnation als Damian Wayne ist er ein 10jähriger (!) der eben mit Ninja-Skills und entsprechender Skrupellosigkeit agiert. Nightwing, der nun den Batman macht, ist eher verstört und hinterher und so zerbeult sich die seltsame väterliche Beziehung zu einem unberechenbaren Bruderzwist. Dynamisches Duo, allerdings. Diese Grundvorraussetzung wird durch die Geschichte noch potenziert, da sich ein ähnliches Doppel als Negativ aufschwingt und es auch beim Gruselzirkusschurken Pyg um fatale Filiationen geht.

Supergut. Doch. In eins ist es die Rampe heruntergerutscht und dient jetzt als gute Robin-Referenz.

4/29/2015

Youth Without Youth, Francis Ford Coppola

Hier. Nichts verstanden und dann das Interesse verloren. Die Bilder sind schön aber so schwelgerisch wie ein Sonntagnachmittag im Seniorenheim: detailliert aber begrenzt. Die zu erzählende Geschichte ist eher literarischer als filmischer Natur und deshalb wird die investierte Aufmerksamkeit auch nur belohnt, wenn man es eben meta-mäßig betrachtet. Ach, Francis.

Sad Movies, Mark Lindquist

Hier. Kurzweilig schifft der nicht zornige aber eben doch unaufgeräumte junge Mann durch die kalifornische Ödnis der 1980er und hadert. Das tut er in Autos und Jacuzzis. Bis zum Schluss ist das glückliche Ende unsicher, aber leider gibt es auch keinen wirklich belohnenden Abschluss der Nabelschau. Buchverkäufer setzen den Autoren und das Produkt und den Autoren in die Nähe der jungen US Literatur der damaligen Epoche, die sich vor allem mit Ennui und Leere beschäftigte. Passt.

4/12/2015

Halo 4: Forward Unto Dawn, Stewart Hendler

Hier und hier. Das Franchise lebt und klebt und verursacht hier einen leidlich unterhaltsamen SciFi-Film mit klassischen Motiven, der freilich die Einfachheit des Ur-Produktes nicht wirklich vielschichtiger machen kann.

4/02/2015

Juno, Jason Reitman

Encore. Hier. Wieder eine Schau: diese Lockerheit. Manche Geschichten müssen nicht laut sein um zu beeindrucken - die junge Mutter wird punktgenau geschildert: mitleidlos und aufrichtig. Das lange Outro ist folgerichtig: die beiden sind noch nicht fertig mit dem Anfang.

4/01/2015

Pygmy, Chuck Palahniuk

Hier. Ein zweites Mal, und jetzt noch schneller. Wundervoll und geradlinig kommt dieser Erzähler ohne "Ich" aus, denn das ist letztens auch nur ein Vehikel für die dekadenten Fettwürste der Nordhalbkugel. Mehr davon.

All Good Things, Andrew Jarecki

Hier. Wie konnte der vergessen werden? Die wahre Geschichte, die das hier inspirierte und seine zwei Protagonisten wundervoll in Szene setzt ist einige Bearbeitungen gut. Eine feine Mörderballade. Verstecken und es einsehen. Echte Freundschaft, aber eben auch Gewalt gegen Hunde. Vielleicht ist das hier zu herb. Vielleicht passt das mal wieder nicht auf die allzu hübschen Darsteller, vielleicht hätten das ein wenig debilere Gestalten sein müssen - jedenfalls für die Masse der Konsumenten. Schönes Ding.

3/30/2015

Deutscher Sohn, I. Niermann, A. Wallasch

Hier. Spröde liegt es im Magen, dieses Büchlein das eigentlich auch als Novelle gut funktioniert hätte. Symbol, Symbol: Deutsche befassen sich anscheinend ungern mit den Kriegen der Gegenwart und doch ist der Einsatz jener Bürger in Uniform Tatsache, Ausrüstungsprobleme hin oder her. Hier geht es also um einen Veteranen. Verkrüppelt beschaut er sich eine eiternde Wunde die nicht heilen will. Der Trieb funktioniert, aber ein Pfleger ist trotzdem nötig. Seltsame Allianzen tun sich auf in der drögen Vorstadt (in dem Reich, dass der Einsatz des nun Versehrten so toll verteidigt hat): Säufer, Trolle, Schlampen, Tankstellenverkäufer.

Spröde geht es auch zu Ende: auf seltsame Art schleicht sich eine Spannungsgeschichte ein, nur um dann doch zu verpuffen. Vielleicht ist Krieg das: das Ende der Spannung, das letzte Kapitel einer Entladung. Zumindest wird so nicht Nachgeladen. Sequel ausgesch(l)ossen.

Tron: Legacy, Joseph Kosinski

Hier. Was war denn das? Viel Blau. Die Bösen in Gelb. Ist das populäre Kino nicht sowieso zwischen diesen beiden Farben gefangen? Und warum war Tron damals so erfolgreich? Und warum kann man heutzutage Herrn Bridges nicht überzeugender jünger machen? War das Absicht? Das Anzuschauen ist wie etwas von ganz oben bei Starbucks zu bestellen, aber ohne Extras. Dann "Dankeschön" sagen wenn man über 5 Euro und fast 6 Minuten investiert hat. Dann dieses Gefühl der dumpfen Leere mitten in der Masse. Das ist dieses Tron-Ding.


1979, Christian Kracht

Hier und hier. Selbstvernichtung eines ganz laschen Touristen. Alles fällt auseinander aber eben auch von ihm ab. Sehr kurzweilig geht das voran - und es ist keine dumpfe eins zu eins Satire auf westliche Dekadenz. Es ist eher ein Seufzen gegenüber dem alten Schlachtross Humanismus.