2/03/2012

Entourage, Season 8, Doug Ellin

Hier. Michelle Obama findet's knorke. Das bewährt Konzept wird weitergeführt, aber ein leichter Grusel stellt sich wieder ein. Nicht weil Turtle Millionär wird.

Klar geht es um Berühmtheiten und dessen kalifornische Inkarnationen. Es geht um die Unterhaltungsindustrie und die Menschen, die dort beschäftigt sind und immer frisches Quellwasser und Dinkelmuffins im Eckchen haben.

Diesen leichten Grusel hat der Konsument auch bei der Klonarmee aus den fortgesetzten StarWars-Produkten... das sind alle die Gleichen, aber nicht die Selben. Die arbeiten gemeinsam an einem Projekt aber es gibt feine Hierarchien. Wie werden selbige angelegt und festgelegt? Die Hierarchien bei Entourage sind ähnlich unklar verflochten. Wo ist der Autor, wo ist der Zuschauer, was ist der Inhalt und wie weit "draußen" ist das? Ob sich Michelle Obama auch diese Fragen stellt sei dahingestellt.

2/02/2012

Der Golem, wie er in die Welt kam, Paul Wegener, Carl Boese

Hier und hier. Alles so schön bunt hier! Die einmaligen Bauten und die stimmungsvolle Kolorierung lassen den Golem fast in die Nähe von Fantasia rücken.

Inhaltlich ist freilich alles herrlich knifflig: der Rabbi baut im Judenghetto den Urahn von Frankenstein zusammen, dessen Bewegungen auch noch beim T800 Verwendung finden werden. Wer haut denn da mit Lehm, der sollte sich was schäm', der sollte doch was andres nehm' als ausgerechnet Lehm. Wieviel Märchen ist da drin und wieviel Signifikanz kann man dem zuweisen? Der Golem an sich und diese einmalige Verfilmung passen nahtlos in schon lange geführte Diskussionen über Individualität, Utilitarismus, totalitäre Verantwortung und verwirren die Sicht mit ein wenig Melodrama und Drolligkeit.

Das letzte Mal stand der nimmermüde Golem beim siebzehnten Tree House of Horror im Mittelpunkt und auch beim famosen 2000er Wälzer von Chabon, der sich um die Anfänge und Notwendigkeiten des Superhelden-Kanons dreht.

Panzerkreuzer Potemkin, Sergei M. Eisenstein

Hier und hier. Mit stählerner Wucht pflügt der Film voran. Episches Kino ist das wohl: das Schiff ist mehr als die Summe seiner Mannschaft und die allumfassenden Geschehnisse an Bord werden durch ihre Fortsetzung im Hafen nur weiter entzündet... es ist eher eine Welle, die sich in fünf Kapiteln auftürmt und die dann, nach viel Rollen und Grollen, die Küstenlinie nachhaltig verändert.

PP ist jenseits vom politischen Film, vom Drama, von jedem Wort das man heute an Filme anlegen könnte. Es ist die filmgewordene Wucht. Die Darstellung des Individuums ist Eisenstein recht egal, so scheint es: zwar macht er von einmaligen Nahaufnahmen der Gesichter der Beteiligten Gebrauch doch es stets steht das Schicksal der Allgemeinheit (wie auch immer man die ohne Einzelmenschen denken kann) im Mittelpunkt. Was Kameras so alles können.

1/22/2012

American Tabloid, James Ellroy

Hier. Erwartungsgemäß liegt dieses Werk schwer im Magen. 600 Seiten und winzige Absätze, Gewalt und Verachtung in jedem davon. Laut Vorwort ist dieser von der Echtwelt beeinflusste Roman eine Stimme gegen die Idealisierung von JFK und die gängigen Mythen um seine kurze Regentschaft.

Ellroy zerhackt Camelot und alle Hoffnung auf eine durchsichtige Demokratie. Natürlich kann man sich da nicht mit einem der Protagonisten (Säufer, Triebtäter, Mörder) anfreunden. Das flinke Auftauchen und Ableben der sinistren Gestalten erschwert sowohl die logische als auch die emotionale Orientierung. Sehr fein sind zwischendrin die Briefwechsel zwischen den Kennedys, ihren Lakaien, J. Edgar Hoover und Howard Hughes. Ein wilder Trupp wahnsinniger Männer. Ellroy ist vielleicht auch einer - einer der beisst und spuckt und reißt und pflückt.

V for Vendetta, James McTeigue

Hier. Wer verdient eigentlich das meiste Geld mit den trendy Anonymous-Masken? Es gibt schon Omas die damit beim Rewe spazieren fahren. Das ist schade, aber nicht wirklich überraschend. Hat Kim Schmitz auch eine? Seine Rächer schon. Verwirrend.

Der Film jedenfalls ist angenehm britisch. Die Aussprache ist herrlich treffend und vor allem Agent Smith macht einen großartigen Job, obgleich er nie sein Gesicht zeigt. Umso besser! Der großartige Alan Moore hat Comics und ihre Protagonisten zweifellos verstanden und kann trotzdem die entschlüsselten Elemente herrlich wieder zusammenfügen.

Die Omas beim Rewe sind nicht teil des reinigenden Aufstands. Die echten Blackberry-Unruhen in London letztes Jahr waren nur bedingt unter einem/r gemeinsamen Motto/Maske zu verstehen. Das schöne an V wie Vendetta ist die Geschichte, die nach vorn prescht, sich zwar revidiert, aber schlussendlich doch an einem Einzelnen aufgehängt werden kann. Alles nur Spaß oder wie?

1/18/2012

William S. Burroughs: A Man Within, Yony Leyser

Hier und hier. Hier stimmt alles: eine schwer zu fassende literarische und kulturgeschichtliche (und -theoretische) Figur wie Burroughs wird in klaren abzählbaren und stimmigen Kapiteln vorgestellt und nicht vorgeführt. Da will man fast herumseiern wie zur besten Sendezeit und fragen "Was ist ein Mensch? und "Wieviel hält er aus?" und "Ach!". Doch die Freude hält nicht lange... verstohlen schiebt sich das schlechte Gewissen herein und dann gleich wieder die Sorge. Wie kann denn so einer ein Inspirator sein? Burroughs ist eine einzige Komplikation, der Komplikationen auch noch auf einzigartige Weise darstellen konnte. Ist Inspirator nicht so etwas ähnliches wie ein Vorbild? Das kann doch kein gutes Vorbild sein! Halt die Fresse, Über-Ich. Jetzt wird ent-trigonomiert.

Burroughs ist nur etwas für Erwachsene, die den Status des entgültigen und erhellenden Erwachsenseins aus gutem Grund anzweifeln.

Ein wichtiger und umfassender Film, der sich weder zuviel anbiedert und in Rechtfertigungen verliert noch mit nebulöser Strukturhaftigkeit Teile des Gesamtwerkes zu replizieren versucht. Und Iggy ist dabei. Und Gus. Und Patti. Und John (Waters). Herr Depp stand bestimmt vor der Tür und wollte unbedingt auch noch mitmachen. Aber nichts für ungut.

Und jetzt erstmal die Waffe geladen. Auf zum Einkaufen.


1/17/2012

The Girl with the Dragon Tattoo, David Fincher

Hier. Klassenziel nicht ganz erreicht, Versetzung nicht gefährdet. In diesem viel zu langen Thriller wird in der ersten Hälfte viel gegessen und getrunken. Dann wird ewig lang und überraschungsfrei Ekel gefeiert.

Die Grundvorraussetzungen waren ja eigentlich eher schlimm: ein Bestseller mit einem voll starken weiblichen Protagonisten (uh!) aus dem mittelschichtlerischen Schweden der sich einer zweihundert Jahre alten gotischen Tradition bedient.

Immerhin wird durch die feine Oberklassenästhetik deutlich wie klar der Stil von Fincher mittlerweile sein kann und wie schlecht doch eigentlich der Roman (2010 konsumiert) war. Toll sind neben den Aktionsbildern auch die Töne. Reznor ist jetzt Komponist, kein Rockstar. Einer der verkabelten Freunde des gefährlich frisierten Mädchens trägt sogar einmal ein NIN-Shirt. Hihi.

1/15/2012

The Road, John Hillcoat

Hier. Ein alter Angstgegner. Angst, dass er zu schlecht ist: das würde einem den Roman verleiden. Angst, dass er zu gut ist: das würde einem den Roman verleiden.

Aber irgendwie geht alles gut denn Hillcoat kann tatsächlich den Grundtenor der kargen Sprache McCarthys in eindrucksvolle Bilder packen. Dabei hält er nie voll drauf sondern ergeht sich in Beige und Grau und dann Braun und wieder Grau.

Ist noch einmal gut gegangen. Das wichtigste Buch der letzten fünf Jahre wurde verdient behandelt. Der wichtigste Film ist nicht entstanden - aber man wird ihn trotzdem nur höchstens einmal im Jahr anschauen können. Das schaffen nicht viele.


1/13/2012

Bioshock 2, 2K Games

Hier. Kaum drin und schon vorbei. Im direkten Vergleich zum Vorgänger ist dies hier schöner, breiter, bunter, dunkler und pathetischer. Alles richtig, also. Das Tollste: statt der Armbrust als punktierende Waffe gibt es ein Harpunengewehr! Hurra! Alles, was mit Harpunen zu tun hat, ist supergut, denkwürdig und verwegen. Und hier kann man verschossene Speere auch wieder einsammeln! Und Dinge an die Wand tackern! Ausgezeichnet. Ein echter Hauptgewinn. Nur leider hat sich die Munitionsversorgung im Vergleich zu Teil Eins nicht wirklich verbessert.

Auch in Astronautentauchermutantenrüstung kann man nicht einfach so durch die Ebenen mähen. Schatten ausnutzen, lauschen, nachladen - alles wichtige Dinge da unten.

Die obskure Mythologie mit den kleinen Schwestern ist freilich besonders drollig und wird hier fortgesetzt. Ja, wie soll man mit kleinen Psivampiren in Mädchengestalt umgehen? Ausdrücken, weil sie gruselig sind (das sind ja uninfizierte Kinder eh schon manchmal) oder sanft "ent-impfen" und zum spielen zurück in die Zwischenwände schicken?

Schönes Teil. Aber irgendwie wirklich kurz. Teil Drei führt in die Luft... Zeppeline statt Luftschleusen. Hier ein Trailer.

Bioshock, 2K Games

Hier. Pixelig sah das aus, seltsam pixelig. Nach Modern Warfare erwartet man so etwas kaum noch. Und wo Ego-Shooter draufsteht ist auch Ego-Shooter drin. Schlüssel, Karten, Gegner, Munition. Unreal-Engine? Eine sehr alte Vokabel. Nostalgisch könnte man da werden. Die alten Routinen wollen sich aber zum Glück nicht so ganz einstellen.

Der Schwierigkeitsgrad war dem Spielthema seltsam angemessen. Es geht ja um eine versunkene Stadt, um eine Ruine. Erst war man sehr, sehr frustriert und ungläubig und dann verstand man langsam. Da können ja in so einem verfallenen Labyrinth nicht unendliche Gegnerscharen die Sicht versperren. Gelungene Soundeffekte müssen ihre Anwesenheit ankündigen und wenn's dann kracht sollte man aufpassen müssen; die Munition war fortwährend ein Problem. Die dicken Big Daddies kann man nicht einfach so angehen, da muss man erst einen Hinterhalt suchen und taktieren und Raketen zählen oder so. Sehr gut.

Die Bioshock-Optik ist bunt und dunkel gleichzeitig. Ohne Ayn Rand wäre das Ding sowohl von der Geschichte als auch von der Optik her nicht entstanden. Ob Frau Rand das gewollt hätte? Ein Zeitvertreibungsvehikel, dass sich an ihren hehren Motiven vergreift? Sei's drum. So hätten die anderen 1950er aussehen können. Wer braucht Raumstationen wenn es doch auch den Meeresboden gibt?

1/12/2012

Less Than Zero, Bret Easton Ellis

Ah, Differenz bei der Wiederholung. Hier. Freilich ist Ellis ein Popstar und LTZ ein legendäres Debut, das sehr gerne zur Darstellung der apathischen MTV-Generation benutzt wird. Wie ein obdachloser Gatsby rast Clay durch Kalifornien. Anti-episch geht er vor, mit vielen Referenzen zur flüchtigen Gebrauchskultur. Unreflektiert und stumpf ergibt sich ein fein gekachelter, aber eiskalter swimming pool.

Erst diese neuerliche Lektüre lässt vermuten, dass der Held gesund wird: da ist eine Vermittlung zu verorten, eine Re-Humanifizierung. Der Cyborg der ersten Seiten, der sich nur schwer von der sinnentleerten Materie absetzt, erlangt eine Fähigkeit zur Erinnerung zurück. Am Ende belohnt er den Argwohn des Lesers und erklärt seine Heimatwelt für bankrott. Ellis menschelt. Es wird dann an Patrick Bateman liegen, die halbgaren Reste einer moralischen Sicherheit hinwegzufegen. Und mit Glamorama wird dann eine infernalische Party draus. Wichtige Dinge.

1/06/2012

The Flinch, Julien Smith

Hier. Wer zuckt denn da? Generell geht es in diesem Gute-Vorsätze-Routinen-Revolutions-Büchlein um die Überwindung des eigenen Zurückschreckens, des staunenden Unglaubens und der Vermeidung unangenehmer Begegnungen.

Gut so. Wichtige Sache, das. Besonders super ist an diesem Text seine Kürze. Er bleibt im Imperativ und stutzt die komplexe Wirklichkeit schön zurecht - Endziel ist stets die (Re-)Aktivierung eigener Impulse.

Das Ding war und ist umsonst, da es mit einem Haufen angeschlossener Leseproben ähnlicher Bücher kommt. Und das macht einen teils schon verlegen, dass es da so einen gewaltigen Markt gibt. Anscheinend sind Menschen im Buchkaufmodus oft von Zweifeln zerrissen und meinen, sich ihrer Vermeidungstaktiken stellen zu müssen. Ist das latenter Masochismus? Sei's drum. Ein praktischer Ausflug in die leicht testosteronoide Gebrauchsliteratur.

1/02/2012

Legion, Scott Charles Stewart

Hier. Ein kleiner Cast-Reduktions-Reißer mit theologischem Bezug und ökonomischen Kulissen. Legion krankt am Vorkonsum hier im Graben: das prächtige Supernatural dröhnt noch immer irgendwo in der Unterhaltungsmaschine und dagegen kann ein Film wie Legion eigentlich nur leicht abstinken. Ist unfair, stimmt aber. Die Zielgruppe (verpeilte Halbwüchsige mit Tendenzen zu D&D in der Papierversion) ist wohl die gleiche.

Wäre Legion Constantine, dann hätte er mir mehr gefallen. Aber der ist ja auch schon sieben Jahre alt. Was bleibt ist eine der bewährten Niederkunft-Messias-Umbruch-Geschichten die nicht nur mit Robotern sondern auch mit christlichen Vasallen funktioniert.

Capote, Bennett Miller

Hier. So sieht Oscar-Futter aus, mit dem die Allgemeinheit leben kann. Ein recht wichtiger Autor wird zu einer Hauptfigur in einer Geschichte, die er selbst nicht schreibt sondern die ihn zu einer anderen beflügeln.

Selten können literarische Bedingungen so simpel aufgezeigt werden wie in diesem Film. Vor dem Text ist nach dem Text, mit dem Ende kann man nicht anfangen, es geht immer noch echter, wenn es zu echt ist wird es zu textlich. Man könnte sogar sagen, dass es gar nicht um Capote selbst geht. Letztlich ist er ja auch nur eine Sollbruchstelle in einem größeren Plot, dessen Grenzen niemand so recht absehen kann.