"WAS?! WAS?! ICH KANN NICHTS HÖREN!" BB2 ist ein lauter Film, lauter als der erste und zumindest ehrlich in der Zurschaustellung des dicken Budgets. Die maßgeblichen Elemente des ersten Teils wurden tatsächlich erwartungsgemäß runderneuert, noch draller aufgepumpt und in eine längere (aber nicht logischere) Geschichte verfrachtet.
Die Materialschlacht ist sicherlich eine Schau. Autos fliegen durch die Luft - hui. Die Definition von Material wird hierbei auch auf die reine Körperlichkeit ausgeweitet. Leichen plumpsen überraschend nackt und offen auf die Straßen. Jene Leichen werden befummelt. Wiederum offene Schädeldecken passten lange Zeit nicht in den Action Blockbuster. Die Präsidentschaftskandidatur von Will Smith ist dadurch freilich nicht gefährdet.
BB2 kam vor GTA San Andreas heraus. Der böse schwarze Mann wurde und wird gefeiert. Lässt sich diese Spur bis in die Ära der Blaxploitation zurückverfolgen? Endete diese jemals? Sam Jackson war im Shaft-Remake 2000 zu sehen. Konnte P. Diddy auch hierzu ein bisschen Wäsche verkaufen? BB2 schert sich explizit nicht um (politische) Korrektheit (eine Ende mit Minen in Gitmo, oje) und liefert jedenfalls ein spaßiges Kasperletheater für Teenager und solche, die es bleiben müssen.
Eigentlich wurde BB2 nur geschaut, weil er bei Gondrys Abgedreht erwähnt wurde. Das macht letzteren Film noch ein wenig knorrig-sympathischer.
Aber nach dem kakophonischen Bay-Werk kann man wirklich schlecht hören. Lauter, bitte. LAUTER!! ICH MUSS DOCH WAS HÖREN! LAUTER, VERFLUCHT NOCHMAL! BITTEEEEE!!!!
4/17/2008
4/15/2008
Donnie Darko, Richard Kelly
Die Hölle, das sind die anderen, und das gilt freilich gerade für den amerikanischen (Wohn-) Traum im Vorort. Suburbia ist für die einen ein Hafen - für die anderen muss es die Hölle sein, aus der es zu entkommen gilt. Und die Schule bereitet freilich nur auf das falsche Leben vor.
Die Re-Vision von DD förderte zutage, wie kompakt der Film doch eigentlich ist. Anders als der Oscar-Ligist American Beauty wirkt dieses Werk durch seine kaltblütige Schnelligkeit mutiger und konkreter. Sci-Fi-Elemente klabautern umher und lassen den unbedarften Zuschauer links liegen. Das Gruselgefühl mag sich einstellen, weil man irgendwie nicht so recht über Zeitmechanik bescheid weiß und einem das keiner wirklich erklärt, vor allem nicht Donnie.
Und dieses Häschen erst recht nicht.
Was ist denn jetzt mit Southland Tales, dem neueren Werk von Kelly? Der hat es leider nicht in deutsche Kinos geschafft. Dann muss eben auf DVD Donnies Erbe gesucht werden.
Die Re-Vision von DD förderte zutage, wie kompakt der Film doch eigentlich ist. Anders als der Oscar-Ligist American Beauty wirkt dieses Werk durch seine kaltblütige Schnelligkeit mutiger und konkreter. Sci-Fi-Elemente klabautern umher und lassen den unbedarften Zuschauer links liegen. Das Gruselgefühl mag sich einstellen, weil man irgendwie nicht so recht über Zeitmechanik bescheid weiß und einem das keiner wirklich erklärt, vor allem nicht Donnie.
Und dieses Häschen erst recht nicht.
Was ist denn jetzt mit Southland Tales, dem neueren Werk von Kelly? Der hat es leider nicht in deutsche Kinos geschafft. Dann muss eben auf DVD Donnies Erbe gesucht werden.
4/14/2008
Bad Boys, Michael Bay
Ah, die 1990er. Bays Bad Boys ist eine Sitcom, die mit Action-Elementen ihren Status als Kinofilm rechtfertigt. Die Rollen sind fix verteilt: Smith ist die eine, Lawrence die andere Seite aller amerikanischen Cop-Klischees. Zusammen streiten sie sich fortwährend und festigen so ihren Status als total dicke Kumpels. Ersterer tritt mondän nach außen hin auf wobei Letzterer eine Familie und somit eine Heimatfront zu verteidigen hat. Für jeden was dabei. Alle Polizistenposen erlaubt. Achja, und schwarz sind sie auch – ein Umstand, der oft genüsslichst betont wird.
Mit Erstaunen muss festgestellt werden, wie eine vergleichsweise einfallslose Geschichte allein durch das Umhergescherze aufgewertet wird. Die Gangster sehen nämlich aus wie einem Seagal-Film entsprungen. Zumindest ist der Krach amtlich. Feuer- und Mundwerk. Laut, laut, laut.
Aber eigentlich ist dieser Film ja nur eine Vorbereitung für den anstehenden Konsum von Bad Boys 2. Wird die Flachheit gehalten werden? Immerhin fertigte Bay nach Bad Boys so fulminante Plastikschlösser wie The Rock (Sean Connery! Woohoo!), Armageddon (knirsch) und (auweia) Pearl Harbor an. (Und das Video zu "I'd Do Anything for Love (but I Won't Do That)" von Meat Loaf hat er auch zu verantworten.) Was soll da noch kommen? Der letzte Streich, Transformers, gefiel – denn mit morphendem Roboteralienspielzeug kann man nur auf Nummer laut gehen.
Mit Erstaunen muss festgestellt werden, wie eine vergleichsweise einfallslose Geschichte allein durch das Umhergescherze aufgewertet wird. Die Gangster sehen nämlich aus wie einem Seagal-Film entsprungen. Zumindest ist der Krach amtlich. Feuer- und Mundwerk. Laut, laut, laut.
Aber eigentlich ist dieser Film ja nur eine Vorbereitung für den anstehenden Konsum von Bad Boys 2. Wird die Flachheit gehalten werden? Immerhin fertigte Bay nach Bad Boys so fulminante Plastikschlösser wie The Rock (Sean Connery! Woohoo!), Armageddon (knirsch) und (auweia) Pearl Harbor an. (Und das Video zu "I'd Do Anything for Love (but I Won't Do That)" von Meat Loaf hat er auch zu verantworten.) Was soll da noch kommen? Der letzte Streich, Transformers, gefiel – denn mit morphendem Roboteralienspielzeug kann man nur auf Nummer laut gehen.
4/09/2008
Postal, Uwe Boll
Die Ironista der westlichen Sphäre kann keine Grenzen anerkennen und Herr Boll liefert (als Regisseur und Nebendarsteller) Munition/Futter für nimmersatte Giftspritzen. Bei Postal hielt er sich an die arg debilen stilistischen Vorgaben des vollkommen zu Recht indizierten Computerspiels und ergeht sich in Fäkalien und Gewalt. Und Ralf Möller spielt auch mit. Auweia.
Die Spielzeit von 100 Minuten könnte man mit soviel schönen Dingen erfüllen: Katzen (ach, die Katzen) füttern, Blumen gießen, Anteil nehmen. Tut man aber nicht. Man schämt sich eher ein bißchen und freut sich, das Ding nicht mit der Frau Mama gesehen zu haben.
Die Spielzeit von 100 Minuten könnte man mit soviel schönen Dingen erfüllen: Katzen (ach, die Katzen) füttern, Blumen gießen, Anteil nehmen. Tut man aber nicht. Man schämt sich eher ein bißchen und freut sich, das Ding nicht mit der Frau Mama gesehen zu haben.
The Machinist, Brad Anderson
Der KZoide Körperumfang von Bale macht zunächst zornig, denn wie kann man es von einem Menschen verlangen, sich für einen Spielfilm so zu quälen. Beim Abspann ist aber festzuhalten, dass die Knochigkeit des Hauptdarstellers maßgeblich und positiv zur tieferen Wirkung des Films beigetragen hat. Schaurig.
Die Promotion geizte nicht mit der Betonung von Bales Hungerirrsinn, vor allem weil danach ja Batman auf dem Plan stand. Und auch hier im Graben wird dieser Umstand bereits im ersten Absatz erwähnt.
Der Verfasser des (Dreh-)Buchs ärgert sich bestimmt über The Machinist, wenn er denn die Idee hierfür vor den großen Hits von Shyamalan und Fincher hatte. Wenn er sie nach der Sichtung von The Sixth Sense bzw. Fight Club hatte, dann ist er ein Raubkopierer. Zweifel an seiner Originalität kommen auf, wenn man seine bisherigen Projekte durchsieht, bei denen es sich vor allem um Remakes handelte. Huch.
Die Bilder und die Geschichte sind trotzdem schön - schön niederschmetternd.
Für Bale ging und geht es mit Batman weiter und Anderson darf derweil mit Sir Ben Kingsley arbeiten. Ein happy end, na endlich.
Die Promotion geizte nicht mit der Betonung von Bales Hungerirrsinn, vor allem weil danach ja Batman auf dem Plan stand. Und auch hier im Graben wird dieser Umstand bereits im ersten Absatz erwähnt.
Der Verfasser des (Dreh-)Buchs ärgert sich bestimmt über The Machinist, wenn er denn die Idee hierfür vor den großen Hits von Shyamalan und Fincher hatte. Wenn er sie nach der Sichtung von The Sixth Sense bzw. Fight Club hatte, dann ist er ein Raubkopierer. Zweifel an seiner Originalität kommen auf, wenn man seine bisherigen Projekte durchsieht, bei denen es sich vor allem um Remakes handelte. Huch.
Die Bilder und die Geschichte sind trotzdem schön - schön niederschmetternd.
Für Bale ging und geht es mit Batman weiter und Anderson darf derweil mit Sir Ben Kingsley arbeiten. Ein happy end, na endlich.
4/06/2008
4/04/2008
Be Kind Rewind, Michel Gondry
Monsieur Gondry, der u. a. schon mit Science of Sleep und Eternal Sunshine verwirr-zauberte, steigert sich und hat eine knuddelig-drollige Komödie/Elegie aufs Nach- und Selbermachen verfasst.
Def und Black und Glover sind sympathisch, doch interessant ist vor allem das Ideengerüst, mit dem Gondry hantiert. Er befasst sich mit der klassischen Idee von Form und Inhalt beim "Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" sowie Medialität und Nerdology. Im Mainstream harrende Bildbrocken wie eben jene Hollywoodemissionen, die dann in Videotheken restverwertet werden, werden offensichtlichst kopiert: aber wo fängt die Hommage an, wo die Raubkopie, und wie steht es ingesamt um die Kunstwertigkeit solcher U-Manifeste wie Ghostbusters und Rush Hour 2? Kann denn aus der Not geborene Kreativität böse sein?
Gondry hat aber auch keinen direkten Pamphlet gegen die obskuren Juristereien im Lizenzen-Dschungel verfasst (Sigourney !!) sondern meditiert einfach auf unsagbar freundliche Art und Weise über die Kunst des Geschichtenerzählens und die Rolle selbiger im Leben der Zielgruppe. Es geht letztlich quasi um die Konsumenten, die sich im Graben ein wenig ausruhen von dem Fernverkehr jenseits der Böschung.
Sehr interessant ist die Rolle der Afro-Amerikanischen Kultur hier: im Film ist es die (fiktive) Geschichte eines Jazz-Musikers, der Glover durch den Tag rettet. Die jüngere schwarz(Def)-weiße(Black, ha! Aber bestimmt nur Zufall...) greift auf den gesamten ollen Hollywood-Kram zurück, um sich die Freizeit zu füllen und zu teilen. Eine Kultur entsteht, die jedwede simple Hierarchien durcheinander haut.
Eine Darstellung von sog. "Massenkultur" ohne fies-metallischen Beigeschmack. Starkes Zeug.
Mit ein wenig Pappe und Klebstoff bringt Gondry soviel Inhalt in so wenig Zeit. Merci. Leider wird die zweite Filmhälfte ein wenig emotional: das Selbstgedrehte ist so gut, dass man die Rahmenhandlung fast ein wenig aus den Augen verliert. Da die Idee des "schwedens" zu gut ist: Hier gehts zu weiteren geschwedeten Filmen.
Def und Black und Glover sind sympathisch, doch interessant ist vor allem das Ideengerüst, mit dem Gondry hantiert. Er befasst sich mit der klassischen Idee von Form und Inhalt beim "Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" sowie Medialität und Nerdology. Im Mainstream harrende Bildbrocken wie eben jene Hollywoodemissionen, die dann in Videotheken restverwertet werden, werden offensichtlichst kopiert: aber wo fängt die Hommage an, wo die Raubkopie, und wie steht es ingesamt um die Kunstwertigkeit solcher U-Manifeste wie Ghostbusters und Rush Hour 2? Kann denn aus der Not geborene Kreativität böse sein?
Sehr interessant ist die Rolle der Afro-Amerikanischen Kultur hier: im Film ist es die (fiktive) Geschichte eines Jazz-Musikers, der Glover durch den Tag rettet. Die jüngere schwarz(Def)-weiße(Black, ha! Aber bestimmt nur Zufall...) greift auf den gesamten ollen Hollywood-Kram zurück, um sich die Freizeit zu füllen und zu teilen. Eine Kultur entsteht, die jedwede simple Hierarchien durcheinander haut.
Eine Darstellung von sog. "Massenkultur" ohne fies-metallischen Beigeschmack. Starkes Zeug.
Mit ein wenig Pappe und Klebstoff bringt Gondry soviel Inhalt in so wenig Zeit. Merci. Leider wird die zweite Filmhälfte ein wenig emotional: das Selbstgedrehte ist so gut, dass man die Rahmenhandlung fast ein wenig aus den Augen verliert. Da die Idee des "schwedens" zu gut ist: Hier gehts zu weiteren geschwedeten Filmen.
Sweeney Todd, Tim Burton
Der teuflische Barbier aus Londons Fleet Street wurde bereits in mehreren Werken bearbeitet und Burtons Film ist somit auch nur einer unter vielen. Ähnlich war es ja auch mit dem grandiosen Sleepy Hollow. Das Motiv der Rache und der Vergeltung ist wieder die Plot-Turbine. Aber hier spielt auch noch Sacha Baron Cohen (Unvergessen: Borat!) mit.
Vor allem optisch gibt's Sättigung: dank Prozessorenleistung entsteht ein düstergraues London welches jedweder Hygiene und Hoffnung entbehrt. Bonham Carter und Depp tragen ihre Kostüme nicht wie Spione im Gothrockkonzert sondern als wären sie für Manschetten und Rüschen geboren. Aber das kennt man ja bei denen.
Achja: die singen. Operettenhaft klabautert man sich durch die Szenen und auf überraschend kurzweilige Art und Weise. Da der Film eine einzige Übertreibung ist, kommt die breitgeränderte Theatralik hierbei sehr gelegen. Dazu blitzen die Messer blitzen sehr hübsch, bevor sie sich in Kehlen senken: der rigorose Einsatz von Blut verhindert, dass dieser Musical-Mutant bei der dankbaren Zielgruppe kleiner Singstar-Mädchen ankommen wird. Burtons Chefs hatten da sicherlich arge Bedenken.
Insgesamt ist Sweeney Todd natürlich auch ein Wirtschaftskrimi. Doch, klar! Rasiermesser und Restaurants gibt es nur in Städten, wo die Lebenswelt sich ausfasert und eine unheilige Nähe mit anderen Menschen gehalten werden muss. London ist nicht nur voller Wunder, sondern vor allem voller Fäkalien, die sich unter den Straßen ihren Weg zur Themse suchen. Des Mörderbarbiers Müllschlucker ist der Zulieferer für die Kochtöpfe im Erdgeschoss. Somit geht es in der modernen Stadtwirtschaft eigentlich nur um das möglichst effektive Verstecken von Abfall. Das Geschäft brummt, wenn Fleisch den Weg des Fleisches zurück zum Fleisch geht. Tiny Tim am Menschenfleischwolf symbolisiert freilich die Arbeiterklasse, die durch den Fund der Leichenteile erst Einblicke in die größere Maschinerie erhält.
Danke, Mr. Burton. Singen und Schlitzen reimt sich doch. Was Friseure können, können nur Friseure.
Vor allem optisch gibt's Sättigung: dank Prozessorenleistung entsteht ein düstergraues London welches jedweder Hygiene und Hoffnung entbehrt. Bonham Carter und Depp tragen ihre Kostüme nicht wie Spione im Gothrockkonzert sondern als wären sie für Manschetten und Rüschen geboren. Aber das kennt man ja bei denen.
Achja: die singen. Operettenhaft klabautert man sich durch die Szenen und auf überraschend kurzweilige Art und Weise. Da der Film eine einzige Übertreibung ist, kommt die breitgeränderte Theatralik hierbei sehr gelegen. Dazu blitzen die Messer blitzen sehr hübsch, bevor sie sich in Kehlen senken: der rigorose Einsatz von Blut verhindert, dass dieser Musical-Mutant bei der dankbaren Zielgruppe kleiner Singstar-Mädchen ankommen wird. Burtons Chefs hatten da sicherlich arge Bedenken.
Insgesamt ist Sweeney Todd natürlich auch ein Wirtschaftskrimi. Doch, klar! Rasiermesser und Restaurants gibt es nur in Städten, wo die Lebenswelt sich ausfasert und eine unheilige Nähe mit anderen Menschen gehalten werden muss. London ist nicht nur voller Wunder, sondern vor allem voller Fäkalien, die sich unter den Straßen ihren Weg zur Themse suchen. Des Mörderbarbiers Müllschlucker ist der Zulieferer für die Kochtöpfe im Erdgeschoss. Somit geht es in der modernen Stadtwirtschaft eigentlich nur um das möglichst effektive Verstecken von Abfall. Das Geschäft brummt, wenn Fleisch den Weg des Fleisches zurück zum Fleisch geht. Tiny Tim am Menschenfleischwolf symbolisiert freilich die Arbeiterklasse, die durch den Fund der Leichenteile erst Einblicke in die größere Maschinerie erhält.
Danke, Mr. Burton. Singen und Schlitzen reimt sich doch. Was Friseure können, können nur Friseure.
4/01/2008
True Romance, Tony Scott
True Romance ist ein Schlüsselfilm, denn er weist maßgeblich auf die kleine Revolution hin, die Tarantino und einige andere in Hollywood auslösten. Des Weiteren sind dermaßen illustre Schauspieler an dem Werk beteiligt, dass man das Universum der Filmindustrie-Seilschaften wunderbar verstehen kann. Warum spielte hier eigentlich Kevin Bacon nicht mit?
Tony Scott war zwar für Beverly Hills Cop 2 verantwortlich, aber auch für den Last Boy Scout. Beides sind Standardwerke, die eine junge Generation Krachkinokunden bereits im TV konsumiert und auf denen ihre Kriterien für gelungene Unterhaltung aufbauen. True Romance als Film beschreibt großartigerweise genau diesen Prozess, ohne dabei pädagogisch zu wirken (das verhindert schon der exzessive Kunstbluteinsatz, doch letzten Endes ist True Romance lediglich ein "radikalisierter" Actionfilm).
Also kurz zur Sache, Schätzchen, um jenen Punkt kurz klar zu machen: Die Wahre Liebe die in diesem brachialblutigen Werk zelebriert wird ist die verzweifelte Sehnsucht des amerikanischen Popcorn-Bürgers. Spider-Man #1 wird hier zur Bundeslade, Elvis ist der Heilige Geist, der wahre King halt, der regiert und befiehlt und dessen Antlitz seine Umgebung erleuchten lässt. Dem King folgt man bis in den Tod.
Umso schmuddeliger wirkt die Geschichte, zumal es ja mal wieder um den im Allgemeinen aber nicht im Speziellen geächteten Unterhaltungsstoff namens Kokain geht. Fluchtpunkt ist freilich Mexiko - ein Land, das dem pinken Plastik der US-Unterhaltungsindustrie weit weniger ausgesetzt ist. Unser Held verliert auch ein Auge und kann somit weniger zweidimensionale Ikonen betrachten.
Und erlöse uns von der Ablenkung, die wir im verschneiten Detroit so dringend brauchen.
Achso: der Drogenkurier, der sich nach dem Looping übergibt, spielt auch in einer Sitcom mit Patrick Duffy mit, oder? Das erdet einen doch.
Also kurz zur Sache, Schätzchen, um jenen Punkt kurz klar zu machen: Die Wahre Liebe die in diesem brachialblutigen Werk zelebriert wird ist die verzweifelte Sehnsucht des amerikanischen Popcorn-Bürgers. Spider-Man #1 wird hier zur Bundeslade, Elvis ist der Heilige Geist, der wahre King halt, der regiert und befiehlt und dessen Antlitz seine Umgebung erleuchten lässt. Dem King folgt man bis in den Tod.
Umso schmuddeliger wirkt die Geschichte, zumal es ja mal wieder um den im Allgemeinen aber nicht im Speziellen geächteten Unterhaltungsstoff namens Kokain geht. Fluchtpunkt ist freilich Mexiko - ein Land, das dem pinken Plastik der US-Unterhaltungsindustrie weit weniger ausgesetzt ist. Unser Held verliert auch ein Auge und kann somit weniger zweidimensionale Ikonen betrachten.
Und erlöse uns von der Ablenkung, die wir im verschneiten Detroit so dringend brauchen.
Achso: der Drogenkurier, der sich nach dem Looping übergibt, spielt auch in einer Sitcom mit Patrick Duffy mit, oder? Das erdet einen doch.
3/25/2008
The Unquiet, John Connolly
Ein Thriller wie er am Flughafen steht, also im Drehregal. Oder doch nicht? Connolly wurde vor ca. 4375345 Jahren schon einmal gelesen: damals ging es um Kinderschändung, Kinderleichen und die Rolle des Erdbodens als Ort zum graben, stöbern, finden und verstecken.
Hier geht es um das gleiche.
Allerdings ist die Geschichte ein wenig aufgespannt: da gibt es den Altknasti Merrick, der eigentlich nur den Mörder seiner Tochter sucht und somit zum Arbeitsobjekt des Privatdetektivs Parker wird.
Marketing rockt arg. Connolly schreibt Fortsetzungsromane, aber ziemlich klug: erst nach der Hälfte der fluffig-gruseligen Seiten wird bezug auf frühere Folgen genommen: zur Halbzeit kann man wenige Leser vergraulen. Neinein, nun müssen sie auch noch die frühreren Werke erstehen.
Insgesamt ein ordentlicher schneller Wartezeitkiller. Aber was Thriller angeht sind Charlie Huston oder Herr Lehane immer noch erste Wahl - Connolly allerdings keineswegs die letzte.
Hier geht es um das gleiche.
Allerdings ist die Geschichte ein wenig aufgespannt: da gibt es den Altknasti Merrick, der eigentlich nur den Mörder seiner Tochter sucht und somit zum Arbeitsobjekt des Privatdetektivs Parker wird.
Marketing rockt arg. Connolly schreibt Fortsetzungsromane, aber ziemlich klug: erst nach der Hälfte der fluffig-gruseligen Seiten wird bezug auf frühere Folgen genommen: zur Halbzeit kann man wenige Leser vergraulen. Neinein, nun müssen sie auch noch die frühreren Werke erstehen.
Insgesamt ein ordentlicher schneller Wartezeitkiller. Aber was Thriller angeht sind Charlie Huston oder Herr Lehane immer noch erste Wahl - Connolly allerdings keineswegs die letzte.
3/19/2008
There Will Be Blood, Paul Thomas Anderson
Schon wieder Paramount Vantage, wie schon bei NCFOM. Als underdog-Marke kann sich
das Ding aber mit solchen Brechern wie TWBB nicht etablieren.
Andersons Film nimmt sich der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts an, eine Zeit in der der schwarze Saft aus dem Boden eine zentrale Rolle einnahm die bis hin zum Irakkrieg reicht. Dazu gesellt sich ein anderes Amerika, nämlich das religiös junge, das spirituell frisch aber fest verwurzelt ist. Kaum angekommen, füllen die Siedler ihre Baracken mit Kreuzen und klammern sich in den baumlosen Einöden an Kirchenbänke. Diese Zeit markiert eben auch die Geburt des show biz, primärer Exportartikel der Vereinigten Staaten. Denn wenn man nun Treibstoff fürs Auto hat, dann muss man ja auch wohin fahren - im Zweifelsfall eben ins Kino.
Eigentlich klar, dass so eine Thematik den Prämissen eines Gesellschaftsreflektionszirkus wie den Oscars nur entgegenkommt.
Auffallend ist die Abwesenheit von Frauen im Plot. Ob es etwas mit stumpfer Anthropologie zu tun hat? Die Herren vergießen eigentlich kein Blut und doch, wenn es um das schwarze Zeug geht, ist die Verschüttung selbiger Substanz durchaus sicher. Auch die Geburt der neuen benzinbetriebenen Welt wird nicht ohne Wehen, Schmerz und dem Verbrauch von sauberer Wäsche abgehen können. Nur sind die Wirtschaftsmänner eben kollektiv mit dieser Zukunft schwanger. Dabei entstehen Zerrbilder der Urkonstruktion namens Familie und neue Loyalitätsgewebe entstehen.
Die Leistungen von Day-Lewis im zu guter Letzt doch zu unentschlossenen Gangs of New York wirken im Vergleich mit dem hier Dargestellten wie Aufwärmübungen. Der Herr ist, mit Verlaub, beängstigend. Mit dem falschen Regisseur könnte Day-Lewis einfach nur penetrant wirken, doch Mr. Anderson gibt ihm angemessen Raum und Enge. Die Bilder selbst zitieren feierlich die ersten Fotoreportagen, die das soziale Gewissen der Nation damals zu formen begannen.
Es bleibt noch der Verweis auf die Symbolwucht des Öls und des Prinzips für das es steht. Es ist das Blut des Erdenkörpers, ein gewaltsam (menschenblutig) entrissener Saft. Wer leidet denn nun mehr? Man beachte dabei das religiöse Motiv, das TWBB zitiert. James Dean aus Giant ist der durch seine Bohrtürme Gekreuzigte und auch in Andersons Film gleichen die Konstruktionen Golgatha in vielerlei Hinsicht.
Gut, saftig, stückig. Und dann auch noch diese Bowlingbahn. BOWLINGBAHN! Ausgezeichnet.
das Ding aber mit solchen Brechern wie TWBB nicht etablieren.
Andersons Film nimmt sich der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts an, eine Zeit in der der schwarze Saft aus dem Boden eine zentrale Rolle einnahm die bis hin zum Irakkrieg reicht. Dazu gesellt sich ein anderes Amerika, nämlich das religiös junge, das spirituell frisch aber fest verwurzelt ist. Kaum angekommen, füllen die Siedler ihre Baracken mit Kreuzen und klammern sich in den baumlosen Einöden an Kirchenbänke. Diese Zeit markiert eben auch die Geburt des show biz, primärer Exportartikel der Vereinigten Staaten. Denn wenn man nun Treibstoff fürs Auto hat, dann muss man ja auch wohin fahren - im Zweifelsfall eben ins Kino.
Eigentlich klar, dass so eine Thematik den Prämissen eines Gesellschaftsreflektionszirkus wie den Oscars nur entgegenkommt.
Auffallend ist die Abwesenheit von Frauen im Plot. Ob es etwas mit stumpfer Anthropologie zu tun hat? Die Herren vergießen eigentlich kein Blut und doch, wenn es um das schwarze Zeug geht, ist die Verschüttung selbiger Substanz durchaus sicher. Auch die Geburt der neuen benzinbetriebenen Welt wird nicht ohne Wehen, Schmerz und dem Verbrauch von sauberer Wäsche abgehen können. Nur sind die Wirtschaftsmänner eben kollektiv mit dieser Zukunft schwanger. Dabei entstehen Zerrbilder der Urkonstruktion namens Familie und neue Loyalitätsgewebe entstehen.
Es bleibt noch der Verweis auf die Symbolwucht des Öls und des Prinzips für das es steht. Es ist das Blut des Erdenkörpers, ein gewaltsam (menschenblutig) entrissener Saft. Wer leidet denn nun mehr? Man beachte dabei das religiöse Motiv, das TWBB zitiert. James Dean aus Giant ist der durch seine Bohrtürme Gekreuzigte und auch in Andersons Film gleichen die Konstruktionen Golgatha in vielerlei Hinsicht.
Gut, saftig, stückig. Und dann auch noch diese Bowlingbahn. BOWLINGBAHN! Ausgezeichnet.
3/17/2008
Undecided, Benjamin Kunkel
Besser leben durch Chemie. Wenn nicht mit 28, wann denn dann? Der schnittig-kurze Roman des Herrn Kunkel zielt auf die ganz sichere Lebenskrise kurz vor dreißig sowie diverse Klischees der amerikanischen Lebenswelt. So ein bisschen witzig, so ein bisschen bunt ist Unterhaltung durchaus gegeben.
Der Protagonist ist eine aktualisierte Version des slackers, als Philosophieabsolvent hat er bei Pfizer angeheuert und sich aus lauter Ironien ein Gefängnis gebaut. Seine Stimme bestimmt den Roman und der Leser sieht sich einem sehr gescheiten und Verdächtigungen-vorweg-nehmendem Erzähler gegenüber. Schön ist auch die Behandlung von 9-11: am Rande des Geschehens und doch von zeitgeistiger Wucht. Weniger clever die Aufarbeitung von Heilung/Medikament/Placebo, das gab es doch irgendwie schon einmal.
Die zentrale Bedeutung des Begriffs der Entscheidung erfreut, kennt man es doch aus so vielen anderen spannenden Sachverhalten wie Kierkegaards existentialistischen Vorwehen oder der Autopoiesis komplexer Systeme. Doch warum erwähnt Kunkel den Namen Heidegger (in einer recht überfälligen Enthüllung) erst am Ende seines Romans?
Das letzte Drittel des Romans überzeugt nicht mehr so sehr wie die vorangegangenen da die Kombination von Kotzen-Beischlaf-Klassentreffen doch zu sehr nach abgedroschenen Katharsismotiven riecht. Und Südamerika nervt irgendwie auch.
"Weiter, weiter ins Verderben. Wir müssen leben, bis wir sterben." Das ist nicht von Heidegger.
Der Protagonist ist eine aktualisierte Version des slackers, als Philosophieabsolvent hat er bei Pfizer angeheuert und sich aus lauter Ironien ein Gefängnis gebaut. Seine Stimme bestimmt den Roman und der Leser sieht sich einem sehr gescheiten und Verdächtigungen-vorweg-nehmendem Erzähler gegenüber. Schön ist auch die Behandlung von 9-11: am Rande des Geschehens und doch von zeitgeistiger Wucht. Weniger clever die Aufarbeitung von Heilung/Medikament/Placebo, das gab es doch irgendwie schon einmal.
Die zentrale Bedeutung des Begriffs der Entscheidung erfreut, kennt man es doch aus so vielen anderen spannenden Sachverhalten wie Kierkegaards existentialistischen Vorwehen oder der Autopoiesis komplexer Systeme. Doch warum erwähnt Kunkel den Namen Heidegger (in einer recht überfälligen Enthüllung) erst am Ende seines Romans?
Das letzte Drittel des Romans überzeugt nicht mehr so sehr wie die vorangegangenen da die Kombination von Kotzen-Beischlaf-Klassentreffen doch zu sehr nach abgedroschenen Katharsismotiven riecht. Und Südamerika nervt irgendwie auch.
"Weiter, weiter ins Verderben. Wir müssen leben, bis wir sterben." Das ist nicht von Heidegger.
3/12/2008
No Country for Old Men, Ethan & Joel Coen
Jagut, der Text hier ist fast länger als alle Dialoge im Film aber was ist schon Platz in der Virtualität? Ab dafür.
Jetzt also Cormac auf der Leinwand, genossen im Großraum mit Menschen die keine Ahnung von der Vorlage haben. Wo doch die die so gut war. Klappt es denn? Ja. Das Gesamturteil ist positiv: die Coens haben eine grandiose Literaturverfilmung hingelegt, die (so wie es sein muss) ihr Textverständnis und ihre Erfahrung beweisen.
Chigurh ist (genial dargestellt durch Bardem) eine Naturgewalt, der Teufel, ein Tier mit furchtbarer Frisur und zuviel Hirn doch gibt das nicht zu. Understatement kracht herein. Er sagt: "Ich bin wie Geld." Er ist im Fluss, eine Münze unter vielen nur eben die, die situativ über binäre Wahrheiten entscheidet. "Ich bin wie Geld." Da muss man mal drauf kommen! Das ist furchtbarer als Höllenpfuhlinkarnationen und sonstige Verschmückungen. Chigurh weiss, dass er im Motivationsnetz nicht gefangen ist sondern dass er über die Regeln erhaben ist. Chigurh ist Struktur der Welt, nicht bloßer Agent im kosmischen Spiel wie Moss oder der Sheriff. Wells (Harrelson) hat das verstanden. Was ist schlimmer als der Tod? Der sichere Tod, der unverdrängte Tod, das Todeswissen. Das ist McCarthy wie er lebt und schreibt. Wir sterben. Wir haben längst damit angefangen. Der Tod ist die einzige Wahrheit die bleibt. Die Tierkadaver (selten in Filmen zu sehen) zu Beginn sind da schon ein kleiner Hinweis.
So kann auch das Nicht-Zeigen des Endes von Moss erklärt werden. Etwas ist ihm passiert. Er ist tot, was ist da noch zu wissen? War er nicht schon längst tot, als er nach dem Geld griff? Oder als er Wasser in die Wüste brachte (uh, Symbolik hoch siebzehn)?
Verdammt, Textflussalarm. Nagut. Selbstkontrolle. Ähem.
Die Coens bieten Platz für Parallelism. Moss kauft sich ein Hemd von den aus McCarthys Kosmos bekannten Knabenmenschen - er braucht dafür blutiges Geld und die Jungs sind gierig. Als Chigurh mit offenem Arm da herumsitzt wird ihm das Hemd gereicht, von oben herab, und der Geber ist dann nackt und will kein Geld. Die Romane stecken voller Verweise auf die Bibel, so auch diese Verfilmung. Oder die Münzen. Einmal sind sie Richter über Leben und Tod, einmal sind sie manuelles Werkzeug und ermöglichen Zugang zu versteckten Orten.
Chigurhs Drucklufttötungsmaschine ist ähnlich und verweist nochmal auf tote Tiere. Das Ding schließt die Tür zum Leben für viele und sie öffnet dem Mann am Gashahn verschlossene Türen.
Die Landschaft ist klassisch erhaben und selten im Film zu sehen. In den ersten Minuten hat das Publikum im Saal geächzt ob der Weite und der Leere. Ein schönes Geräusch. Im grenzenlosen Raum versteckt sich vor aller Augen wiederum die Wahrheit des Todes, im Endlosen finden Tier und Mensch ihr Ende. Der amerikanische-mexikanische Grenzverkehr ist jenseits aller Politik ein mächtiges Symbol: was kommt da von draußen rein? Wo ist draußen? Was soll das Heroin, was soll Chigurh hier?
Der Film ist komischer als man es der Vorlage zugetraut hätte. Dabei ist der Humor nie denunzierend (obwohl Bardems Frisur dies durchaus ermöglicht). Es wird auch nicht auf der Pittoreskifizierung eines vergangenen Jahrzehnts herumgeritten. Nein, hinter jedem Lacher steht letztlich die Enthüllung der Wahrheit, es ist eigentlich ein Verlegenheitslachen. Die infame Konversation mit dem alten Tankstellenwärter legt sie eigentlich frei, die bloße Existenz. Der Alltagstrott fällt ab und nur der Moment zählt, ob das nun alle Beteiligten verstehen oder nicht. Und wenn da einer nur Stiefel anhat dann scheint ihm der Rest der Kleidung wohl zu fehlen. Nein, das passiert nicht oft. Das ist eine wahre Aussage. Verlegenheitslachen.
Das Ende macht Sinn. Der letzte Monolog des Sheriffs ist McCarthy in Bestform und gibt einen Eindruck, wie Teil Zwei der Border-Trilogy sich in weiten Teilen liest. Der Abschied von Chigurh passt zu seiner Aura: er tauchte auf und verschwindet auch wieder, nur um bald weiteren Leuten zu begegnen, denen er neue Narben oder den Tod bringt.
Soviel mehr zu vermerken. Aber nein. Mittagspause längst zu Ende.
NCFOM funktioniert, aber es wird wohl das einzige McCarthy-Werk bleiben, das dies tut. Billy Bob Thornton hatte mit seiner 2000er Verfilmung von All the Pretty Horses (Matt Damon, Penny Cruz. Teil Eins der Border-Trilogy) eine ziemliche Bruchlandung hingelegt. Das Ding muss noch seinen Weg in den Graben finden, der Roman war vor einiger Zeit Startschuss für den Hype hier. NFCOM konnte nur so ein guter Film sein, da es sich ganz auf die Mystik von Ursache und Wirkung, auf kriminologische Plot-Pfade einlässt. Das ist darstellbar, das hält die Spannung, das gibt der unglaublichen Landschaft eine stetig stimulierende Referenz.
Was die Coens schaffen, schaffen meistens nur die Coens. Genau wie McCarthy. NCFOM ist ein gelungenes Aufeinandertreffen der drei Amerikaner die ein Aufeinandertreffen von drei (und mehr) fiktiven Amerikanern (und Chigurh und andere Schlechtfrisierte gehören dazu, heute mehr denn je) so darstellen, dass das Publikum etwas lernen könnte.
Jetzt also Cormac auf der Leinwand, genossen im Großraum mit Menschen die keine Ahnung von der Vorlage haben. Wo doch die die so gut war. Klappt es denn? Ja. Das Gesamturteil ist positiv: die Coens haben eine grandiose Literaturverfilmung hingelegt, die (so wie es sein muss) ihr Textverständnis und ihre Erfahrung beweisen.
Chigurh ist (genial dargestellt durch Bardem) eine Naturgewalt, der Teufel, ein Tier mit furchtbarer Frisur und zuviel Hirn doch gibt das nicht zu. Understatement kracht herein. Er sagt: "Ich bin wie Geld." Er ist im Fluss, eine Münze unter vielen nur eben die, die situativ über binäre Wahrheiten entscheidet. "Ich bin wie Geld." Da muss man mal drauf kommen! Das ist furchtbarer als Höllenpfuhlinkarnationen und sonstige Verschmückungen. Chigurh weiss, dass er im Motivationsnetz nicht gefangen ist sondern dass er über die Regeln erhaben ist. Chigurh ist Struktur der Welt, nicht bloßer Agent im kosmischen Spiel wie Moss oder der Sheriff. Wells (Harrelson) hat das verstanden. Was ist schlimmer als der Tod? Der sichere Tod, der unverdrängte Tod, das Todeswissen. Das ist McCarthy wie er lebt und schreibt. Wir sterben. Wir haben längst damit angefangen. Der Tod ist die einzige Wahrheit die bleibt. Die Tierkadaver (selten in Filmen zu sehen) zu Beginn sind da schon ein kleiner Hinweis.
So kann auch das Nicht-Zeigen des Endes von Moss erklärt werden. Etwas ist ihm passiert. Er ist tot, was ist da noch zu wissen? War er nicht schon längst tot, als er nach dem Geld griff? Oder als er Wasser in die Wüste brachte (uh, Symbolik hoch siebzehn)?
Verdammt, Textflussalarm. Nagut. Selbstkontrolle. Ähem.
Die Coens bieten Platz für Parallelism. Moss kauft sich ein Hemd von den aus McCarthys Kosmos bekannten Knabenmenschen - er braucht dafür blutiges Geld und die Jungs sind gierig. Als Chigurh mit offenem Arm da herumsitzt wird ihm das Hemd gereicht, von oben herab, und der Geber ist dann nackt und will kein Geld. Die Romane stecken voller Verweise auf die Bibel, so auch diese Verfilmung. Oder die Münzen. Einmal sind sie Richter über Leben und Tod, einmal sind sie manuelles Werkzeug und ermöglichen Zugang zu versteckten Orten.
Chigurhs Drucklufttötungsmaschine ist ähnlich und verweist nochmal auf tote Tiere. Das Ding schließt die Tür zum Leben für viele und sie öffnet dem Mann am Gashahn verschlossene Türen.
Die Landschaft ist klassisch erhaben und selten im Film zu sehen. In den ersten Minuten hat das Publikum im Saal geächzt ob der Weite und der Leere. Ein schönes Geräusch. Im grenzenlosen Raum versteckt sich vor aller Augen wiederum die Wahrheit des Todes, im Endlosen finden Tier und Mensch ihr Ende. Der amerikanische-mexikanische Grenzverkehr ist jenseits aller Politik ein mächtiges Symbol: was kommt da von draußen rein? Wo ist draußen? Was soll das Heroin, was soll Chigurh hier?
Der Film ist komischer als man es der Vorlage zugetraut hätte. Dabei ist der Humor nie denunzierend (obwohl Bardems Frisur dies durchaus ermöglicht). Es wird auch nicht auf der Pittoreskifizierung eines vergangenen Jahrzehnts herumgeritten. Nein, hinter jedem Lacher steht letztlich die Enthüllung der Wahrheit, es ist eigentlich ein Verlegenheitslachen. Die infame Konversation mit dem alten Tankstellenwärter legt sie eigentlich frei, die bloße Existenz. Der Alltagstrott fällt ab und nur der Moment zählt, ob das nun alle Beteiligten verstehen oder nicht. Und wenn da einer nur Stiefel anhat dann scheint ihm der Rest der Kleidung wohl zu fehlen. Nein, das passiert nicht oft. Das ist eine wahre Aussage. Verlegenheitslachen.
Das Ende macht Sinn. Der letzte Monolog des Sheriffs ist McCarthy in Bestform und gibt einen Eindruck, wie Teil Zwei der Border-Trilogy sich in weiten Teilen liest. Der Abschied von Chigurh passt zu seiner Aura: er tauchte auf und verschwindet auch wieder, nur um bald weiteren Leuten zu begegnen, denen er neue Narben oder den Tod bringt.
Soviel mehr zu vermerken. Aber nein. Mittagspause längst zu Ende.
NCFOM funktioniert, aber es wird wohl das einzige McCarthy-Werk bleiben, das dies tut. Billy Bob Thornton hatte mit seiner 2000er Verfilmung von All the Pretty Horses (Matt Damon, Penny Cruz. Teil Eins der Border-Trilogy) eine ziemliche Bruchlandung hingelegt. Das Ding muss noch seinen Weg in den Graben finden, der Roman war vor einiger Zeit Startschuss für den Hype hier. NFCOM konnte nur so ein guter Film sein, da es sich ganz auf die Mystik von Ursache und Wirkung, auf kriminologische Plot-Pfade einlässt. Das ist darstellbar, das hält die Spannung, das gibt der unglaublichen Landschaft eine stetig stimulierende Referenz.
Was die Coens schaffen, schaffen meistens nur die Coens. Genau wie McCarthy. NCFOM ist ein gelungenes Aufeinandertreffen der drei Amerikaner die ein Aufeinandertreffen von drei (und mehr) fiktiven Amerikanern (und Chigurh und andere Schlechtfrisierte gehören dazu, heute mehr denn je) so darstellen, dass das Publikum etwas lernen könnte.
3/11/2008
The Sportswriter, Richard Ford
Frank hat sich entschlossen, über den Sport zu schreiben und weitere literarische Ambitionen zu vergessen. Die gespielte Leichtigkeit wird allerdings mehr und mehr zum Rettungsseil - der Leser ist genötigt, Frank für einen großen Verdränger kurz vorm Ausbruch zu halten. Das ist hier aber kein Thriller, also bricht hier erstmal niemand irgendwas. Am Ende knirscht nur langsam das Herz bei Frank und dem Leser.
Ford schreibt so freundlich. Er plaudert, ohne zu schwafeln und beschreibt ohne chirurgische Ambitionen. Für den Konsumgräber ist dies ein kleiner Kontrast zu zuvor gelesenen Brachialitäten, doch das Wildern im Mainstream hat sich gelohnt. Ford schafft es, Franks vollkommen durchschnittliches Gehäuse (im durchaus existentialphilosophischen Sinn) so zu beschreiben, daß die gebotene Perspektive etwas einmaliges hat.
Während des Lesens passierten seltsame, leise Dinge: einmal fühlte es sich an wie eine sitcom nach einem zu üppigen Essen, ein anderes Mal wie wenn man sich den Kopf am Autotürrahmen stößt. Solch einen Stoß spürt man wenn man Franks sprachlichen Umgang mit Afroamerikanern bemerkt - hier wird die Privatheit leicht verstörend. War/ist diese Generation wirklich so?
Der Text wurde vor vielen Jahren schon einmal gestriffen. Damals war John Updikes Rabbit der Held aller Klassen, dementsprechend eng war der Vergleich zu diesem Werk. Updike sollte auch mal wieder besucht werden. Weitere Kübel voller Ostküstennormalität.
Ford schreibt so freundlich. Er plaudert, ohne zu schwafeln und beschreibt ohne chirurgische Ambitionen. Für den Konsumgräber ist dies ein kleiner Kontrast zu zuvor gelesenen Brachialitäten, doch das Wildern im Mainstream hat sich gelohnt. Ford schafft es, Franks vollkommen durchschnittliches Gehäuse (im durchaus existentialphilosophischen Sinn) so zu beschreiben, daß die gebotene Perspektive etwas einmaliges hat.
Während des Lesens passierten seltsame, leise Dinge: einmal fühlte es sich an wie eine sitcom nach einem zu üppigen Essen, ein anderes Mal wie wenn man sich den Kopf am Autotürrahmen stößt. Solch einen Stoß spürt man wenn man Franks sprachlichen Umgang mit Afroamerikanern bemerkt - hier wird die Privatheit leicht verstörend. War/ist diese Generation wirklich so?
Der Text wurde vor vielen Jahren schon einmal gestriffen. Damals war John Updikes Rabbit der Held aller Klassen, dementsprechend eng war der Vergleich zu diesem Werk. Updike sollte auch mal wieder besucht werden. Weitere Kübel voller Ostküstennormalität.
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