Hier. Klassenziel nicht ganz erreicht, Versetzung nicht gefährdet. In diesem viel zu langen Thriller wird in der ersten Hälfte viel gegessen und getrunken. Dann wird ewig lang und überraschungsfrei Ekel gefeiert.
Die Grundvorraussetzungen waren ja eigentlich eher schlimm: ein Bestseller mit einem voll starken weiblichen Protagonisten (uh!) aus dem mittelschichtlerischen Schweden der sich einer zweihundert Jahre alten gotischen Tradition bedient.
Immerhin wird durch die feine Oberklassenästhetik deutlich wie klar der Stil von Fincher mittlerweile sein kann und wie schlecht doch eigentlich der Roman (2010 konsumiert) war. Toll sind neben den Aktionsbildern auch die Töne. Reznor ist jetzt Komponist, kein Rockstar. Einer der verkabelten Freunde des gefährlich frisierten Mädchens trägt sogar einmal ein NIN-Shirt. Hihi.
1/17/2012
1/15/2012
The Road, John Hillcoat
Hier. Ein alter Angstgegner. Angst, dass er zu schlecht ist: das würde einem den Roman verleiden. Angst, dass er zu gut ist: das würde einem den Roman verleiden.
Aber irgendwie geht alles gut denn Hillcoat kann tatsächlich den Grundtenor der kargen Sprache McCarthys in eindrucksvolle Bilder packen. Dabei hält er nie voll drauf sondern ergeht sich in Beige und Grau und dann Braun und wieder Grau.
Ist noch einmal gut gegangen. Das wichtigste Buch der letzten fünf Jahre wurde verdient behandelt. Der wichtigste Film ist nicht entstanden - aber man wird ihn trotzdem nur höchstens einmal im Jahr anschauen können. Das schaffen nicht viele.
Aber irgendwie geht alles gut denn Hillcoat kann tatsächlich den Grundtenor der kargen Sprache McCarthys in eindrucksvolle Bilder packen. Dabei hält er nie voll drauf sondern ergeht sich in Beige und Grau und dann Braun und wieder Grau.
Ist noch einmal gut gegangen. Das wichtigste Buch der letzten fünf Jahre wurde verdient behandelt. Der wichtigste Film ist nicht entstanden - aber man wird ihn trotzdem nur höchstens einmal im Jahr anschauen können. Das schaffen nicht viele.
1/13/2012
Bioshock 2, 2K Games
Hier. Kaum drin und schon vorbei. Im direkten Vergleich zum Vorgänger ist dies hier schöner, breiter, bunter, dunkler und pathetischer. Alles richtig, also. Das Tollste: statt der Armbrust als punktierende Waffe gibt es ein Harpunengewehr! Hurra! Alles, was mit Harpunen zu tun hat, ist supergut, denkwürdig und verwegen. Und hier kann man verschossene Speere auch wieder einsammeln! Und Dinge an die Wand tackern! Ausgezeichnet. Ein echter Hauptgewinn. Nur leider hat sich die Munitionsversorgung im Vergleich zu Teil Eins nicht wirklich verbessert.
Auch in Astronautentauchermutantenrüstung kann man nicht einfach so durch die Ebenen mähen. Schatten ausnutzen, lauschen, nachladen - alles wichtige Dinge da unten.
Die obskure Mythologie mit den kleinen Schwestern ist freilich besonders drollig und wird hier fortgesetzt. Ja, wie soll man mit kleinen Psivampiren in Mädchengestalt umgehen? Ausdrücken, weil sie gruselig sind (das sind ja uninfizierte Kinder eh schon manchmal) oder sanft "ent-impfen" und zum spielen zurück in die Zwischenwände schicken?
Schönes Teil. Aber irgendwie wirklich kurz. Teil Drei führt in die Luft... Zeppeline statt Luftschleusen. Hier ein Trailer.
Auch in Astronautentauchermutantenrüstung kann man nicht einfach so durch die Ebenen mähen. Schatten ausnutzen, lauschen, nachladen - alles wichtige Dinge da unten.
Die obskure Mythologie mit den kleinen Schwestern ist freilich besonders drollig und wird hier fortgesetzt. Ja, wie soll man mit kleinen Psivampiren in Mädchengestalt umgehen? Ausdrücken, weil sie gruselig sind (das sind ja uninfizierte Kinder eh schon manchmal) oder sanft "ent-impfen" und zum spielen zurück in die Zwischenwände schicken?
Schönes Teil. Aber irgendwie wirklich kurz. Teil Drei führt in die Luft... Zeppeline statt Luftschleusen. Hier ein Trailer.
Bioshock, 2K Games
Hier. Pixelig sah das aus, seltsam pixelig. Nach Modern Warfare erwartet man so etwas kaum noch. Und wo Ego-Shooter draufsteht ist auch Ego-Shooter drin. Schlüssel, Karten, Gegner, Munition. Unreal-Engine? Eine sehr alte Vokabel. Nostalgisch könnte man da werden. Die alten Routinen wollen sich aber zum Glück nicht so ganz einstellen.
Der Schwierigkeitsgrad war dem Spielthema seltsam angemessen. Es geht ja um eine versunkene Stadt, um eine Ruine. Erst war man sehr, sehr frustriert und ungläubig und dann verstand man langsam. Da können ja in so einem verfallenen Labyrinth nicht unendliche Gegnerscharen die Sicht versperren. Gelungene Soundeffekte müssen ihre Anwesenheit ankündigen und wenn's dann kracht sollte man aufpassen müssen; die Munition war fortwährend ein Problem. Die dicken Big Daddies kann man nicht einfach so angehen, da muss man erst einen Hinterhalt suchen und taktieren und Raketen zählen oder so. Sehr gut.
Die Bioshock-Optik ist bunt und dunkel gleichzeitig. Ohne Ayn Rand wäre das Ding sowohl von der Geschichte als auch von der Optik her nicht entstanden. Ob Frau Rand das gewollt hätte? Ein Zeitvertreibungsvehikel, dass sich an ihren hehren Motiven vergreift? Sei's drum. So hätten die anderen 1950er aussehen können. Wer braucht Raumstationen wenn es doch auch den Meeresboden gibt?
Der Schwierigkeitsgrad war dem Spielthema seltsam angemessen. Es geht ja um eine versunkene Stadt, um eine Ruine. Erst war man sehr, sehr frustriert und ungläubig und dann verstand man langsam. Da können ja in so einem verfallenen Labyrinth nicht unendliche Gegnerscharen die Sicht versperren. Gelungene Soundeffekte müssen ihre Anwesenheit ankündigen und wenn's dann kracht sollte man aufpassen müssen; die Munition war fortwährend ein Problem. Die dicken Big Daddies kann man nicht einfach so angehen, da muss man erst einen Hinterhalt suchen und taktieren und Raketen zählen oder so. Sehr gut.
Die Bioshock-Optik ist bunt und dunkel gleichzeitig. Ohne Ayn Rand wäre das Ding sowohl von der Geschichte als auch von der Optik her nicht entstanden. Ob Frau Rand das gewollt hätte? Ein Zeitvertreibungsvehikel, dass sich an ihren hehren Motiven vergreift? Sei's drum. So hätten die anderen 1950er aussehen können. Wer braucht Raumstationen wenn es doch auch den Meeresboden gibt?
1/12/2012
Less Than Zero, Bret Easton Ellis
Ah, Differenz bei der Wiederholung. Hier. Freilich ist Ellis ein Popstar und LTZ ein legendäres Debut, das sehr gerne zur Darstellung der apathischen MTV-Generation benutzt wird. Wie ein obdachloser Gatsby rast Clay durch Kalifornien. Anti-episch geht er vor, mit vielen Referenzen zur flüchtigen Gebrauchskultur. Unreflektiert und stumpf ergibt sich ein fein gekachelter, aber eiskalter swimming pool.
Erst diese neuerliche Lektüre lässt vermuten, dass der Held gesund wird: da ist eine Vermittlung zu verorten, eine Re-Humanifizierung. Der Cyborg der ersten Seiten, der sich nur schwer von der sinnentleerten Materie absetzt, erlangt eine Fähigkeit zur Erinnerung zurück. Am Ende belohnt er den Argwohn des Lesers und erklärt seine Heimatwelt für bankrott. Ellis menschelt. Es wird dann an Patrick Bateman liegen, die halbgaren Reste einer moralischen Sicherheit hinwegzufegen. Und mit Glamorama wird dann eine infernalische Party draus. Wichtige Dinge.
Erst diese neuerliche Lektüre lässt vermuten, dass der Held gesund wird: da ist eine Vermittlung zu verorten, eine Re-Humanifizierung. Der Cyborg der ersten Seiten, der sich nur schwer von der sinnentleerten Materie absetzt, erlangt eine Fähigkeit zur Erinnerung zurück. Am Ende belohnt er den Argwohn des Lesers und erklärt seine Heimatwelt für bankrott. Ellis menschelt. Es wird dann an Patrick Bateman liegen, die halbgaren Reste einer moralischen Sicherheit hinwegzufegen. Und mit Glamorama wird dann eine infernalische Party draus. Wichtige Dinge.
1/06/2012
The Flinch, Julien Smith
Hier. Wer zuckt denn da? Generell geht es in diesem Gute-Vorsätze-Routinen-Revolutions-Büchlein um die Überwindung des eigenen Zurückschreckens, des staunenden Unglaubens und der Vermeidung unangenehmer Begegnungen.
Gut so. Wichtige Sache, das. Besonders super ist an diesem Text seine Kürze. Er bleibt im Imperativ und stutzt die komplexe Wirklichkeit schön zurecht - Endziel ist stets die (Re-)Aktivierung eigener Impulse.
Das Ding war und ist umsonst, da es mit einem Haufen angeschlossener Leseproben ähnlicher Bücher kommt. Und das macht einen teils schon verlegen, dass es da so einen gewaltigen Markt gibt. Anscheinend sind Menschen im Buchkaufmodus oft von Zweifeln zerrissen und meinen, sich ihrer Vermeidungstaktiken stellen zu müssen. Ist das latenter Masochismus? Sei's drum. Ein praktischer Ausflug in die leicht testosteronoide Gebrauchsliteratur.
Gut so. Wichtige Sache, das. Besonders super ist an diesem Text seine Kürze. Er bleibt im Imperativ und stutzt die komplexe Wirklichkeit schön zurecht - Endziel ist stets die (Re-)Aktivierung eigener Impulse.
Das Ding war und ist umsonst, da es mit einem Haufen angeschlossener Leseproben ähnlicher Bücher kommt. Und das macht einen teils schon verlegen, dass es da so einen gewaltigen Markt gibt. Anscheinend sind Menschen im Buchkaufmodus oft von Zweifeln zerrissen und meinen, sich ihrer Vermeidungstaktiken stellen zu müssen. Ist das latenter Masochismus? Sei's drum. Ein praktischer Ausflug in die leicht testosteronoide Gebrauchsliteratur.
1/02/2012
Legion, Scott Charles Stewart
Hier. Ein kleiner Cast-Reduktions-Reißer mit theologischem Bezug und ökonomischen Kulissen. Legion krankt am Vorkonsum hier im Graben: das prächtige Supernatural dröhnt noch immer irgendwo in der Unterhaltungsmaschine und dagegen kann ein Film wie Legion eigentlich nur leicht abstinken. Ist unfair, stimmt aber. Die Zielgruppe (verpeilte Halbwüchsige mit Tendenzen zu D&D in der Papierversion) ist wohl die gleiche.
Wäre Legion Constantine, dann hätte er mir mehr gefallen. Aber der ist ja auch schon sieben Jahre alt. Was bleibt ist eine der bewährten Niederkunft-Messias-Umbruch-Geschichten die nicht nur mit Robotern sondern auch mit christlichen Vasallen funktioniert.
Wäre Legion Constantine, dann hätte er mir mehr gefallen. Aber der ist ja auch schon sieben Jahre alt. Was bleibt ist eine der bewährten Niederkunft-Messias-Umbruch-Geschichten die nicht nur mit Robotern sondern auch mit christlichen Vasallen funktioniert.
Capote, Bennett Miller
Hier. So sieht Oscar-Futter aus, mit dem die Allgemeinheit leben kann. Ein recht wichtiger Autor wird zu einer Hauptfigur in einer Geschichte, die er selbst nicht schreibt sondern die ihn zu einer anderen beflügeln.
Selten können literarische Bedingungen so simpel aufgezeigt werden wie in diesem Film. Vor dem Text ist nach dem Text, mit dem Ende kann man nicht anfangen, es geht immer noch echter, wenn es zu echt ist wird es zu textlich. Man könnte sogar sagen, dass es gar nicht um Capote selbst geht. Letztlich ist er ja auch nur eine Sollbruchstelle in einem größeren Plot, dessen Grenzen niemand so recht absehen kann.
Selten können literarische Bedingungen so simpel aufgezeigt werden wie in diesem Film. Vor dem Text ist nach dem Text, mit dem Ende kann man nicht anfangen, es geht immer noch echter, wenn es zu echt ist wird es zu textlich. Man könnte sogar sagen, dass es gar nicht um Capote selbst geht. Letztlich ist er ja auch nur eine Sollbruchstelle in einem größeren Plot, dessen Grenzen niemand so recht absehen kann.
12/27/2011
Buried, Rodrigo Cortés
Hier. Zack! So wird das gemacht! Eine irre Idee haben und lospitchen. Einen Schauspieler finden, der anscheinend hungrig und/oder bekloppt genug ist, das Ganze mitzumachen und los geht's.
Der Held ist das Opfer und liegt tatsächlich in der Dunkelheit. Spannend und einigermaßen anschaubar wird der Film durch die beiliegenden Gebrauchsartikel wie Feuerzeug, Lampe und vor allem Mobiltelefon. Nur durch erzählte Rede, ohne Rück-, Auf- und Abblenden wird die Ausweglosigkeit der Situtation klar. Und die Hoffnung stirbt in kaum einem Film so schön zuletzt wie in diesem Ding.
Großes Tennis, da man sich auf die Größe des Platzes besonnen hat. Bitte kein Sequel machen.
Der Held ist das Opfer und liegt tatsächlich in der Dunkelheit. Spannend und einigermaßen anschaubar wird der Film durch die beiliegenden Gebrauchsartikel wie Feuerzeug, Lampe und vor allem Mobiltelefon. Nur durch erzählte Rede, ohne Rück-, Auf- und Abblenden wird die Ausweglosigkeit der Situtation klar. Und die Hoffnung stirbt in kaum einem Film so schön zuletzt wie in diesem Ding.
Großes Tennis, da man sich auf die Größe des Platzes besonnen hat. Bitte kein Sequel machen.
Vollkommen leblos, bestenfalls tot, Antonia Baum
Die TAZ findet es OK. Der Konsument murmelt beim Lesen: "Na, dann mach doch, du Kuh." Die Protagonistin ist so ein versprengtes verbildetes großstadtinkompatibles Käsemädchen, dass eigentlich in irgendeiner Dorfschenke Schmalztöpfe spülen sollte statt neben irgendwelchen Werberaffen mit Koks kokettierend durch die Gegend zu ziehen. Na hui, und dann gibt es auch noch eine herbe Gewaltphantasie in der Mitte des Romänchens, da fühlt man sich dann als sei es 1985 oder so. Dann will sie sich auch noch, umringt von einer Herde abgesägter Erziehungsberechtigter, umbringen. Ach, wie neu. Und so überraschend und tragisch, auch wegen des ganzen jugendlichen Potentials. "Mach doch, du Kuh." Dumpfdreist wird sie schwanger und ist freilich erstmal voll crazy drauf. Richtiges Interesse kann für sie niemand entwickeln.
Zu wenig, zu spät, zu alt, zu bräsig. Sprachlicher Ausdruck wie einer dieser Amseln, die in den Vorstädten mittlerweile Klingeltöne imitieren und von denen es genug gibt. Bei irgendwelchen Preisvergabestellen, die sich auf das Leiden junger Menschen im Allgemeinen und den Preisverleihungs-Event im Speziellen vorbereiten ist das Produkt hier bestimmt erste Wahl. Hier nicht. Noch nicht einmal zur Mitleidsabgewöhnung langt dieses Textlein. Es ist einfach nur pffffft. Hat der Konsument ein Ironiegewitter verpasst? Will Frau Baum genau das? Immerhin diese Frage bleibt am Ende im faden Raum stehen.
Zu wenig, zu spät, zu alt, zu bräsig. Sprachlicher Ausdruck wie einer dieser Amseln, die in den Vorstädten mittlerweile Klingeltöne imitieren und von denen es genug gibt. Bei irgendwelchen Preisvergabestellen, die sich auf das Leiden junger Menschen im Allgemeinen und den Preisverleihungs-Event im Speziellen vorbereiten ist das Produkt hier bestimmt erste Wahl. Hier nicht. Noch nicht einmal zur Mitleidsabgewöhnung langt dieses Textlein. Es ist einfach nur pffffft. Hat der Konsument ein Ironiegewitter verpasst? Will Frau Baum genau das? Immerhin diese Frage bleibt am Ende im faden Raum stehen.
Wilbur Wants to Kill Himself, Lone Scherfig
Hier. Das Erwartbare zuerst: es geht verhältnismäßig gut aus. Das Unerwartete: das überrascht. Gut? Was soll an einem toten Bruder gut sein? Sein Tod ist im Gegensatz zum geplanten Suizid Wilburs konstruktiv für die Verbliebenen. Infamerweise macht er den Platz frei, den Wilbur dann einnehmen und verteidigen kann.
Selten wurden bei einem eher leisen Film solche Innenräume und Städte gesehen. Bei so räudigen Oberflächen will doch eh keiner wirklich bleiben! Beige ist der Film, und grau, und braun. Die Küche, der Flur, die Straße: alles die geballte Abnutzung, alles voller Gewesenes. Man schaut den Film und ahnt, wie muffig es da riecht. Wer in dieser Filmwelt kein Ticket zur Abreise hat, muss Alternativen suchen. Raus, raus, raus.
Wilbur erklärt sich nicht großartig. Es gibt auch keinen melodramatischen Ausbruch der Erkenntnis im letzten Fünftel oder eine dramatische Aussöhnung mit verloren geglaubten Verwandten. Am Ende ist nichts wirklich aufgeräumt, aber es geht doch weiter - vor allem, da Wilbur auf seltsame Art und Weise Gefallen an Verantwortung findet. Finden kann. OK, Verantwortung in einer klebrig-dumpf-grauen apathischen Staubwelt, aber immerhin.
Selten wurden bei einem eher leisen Film solche Innenräume und Städte gesehen. Bei so räudigen Oberflächen will doch eh keiner wirklich bleiben! Beige ist der Film, und grau, und braun. Die Küche, der Flur, die Straße: alles die geballte Abnutzung, alles voller Gewesenes. Man schaut den Film und ahnt, wie muffig es da riecht. Wer in dieser Filmwelt kein Ticket zur Abreise hat, muss Alternativen suchen. Raus, raus, raus.
Wilbur erklärt sich nicht großartig. Es gibt auch keinen melodramatischen Ausbruch der Erkenntnis im letzten Fünftel oder eine dramatische Aussöhnung mit verloren geglaubten Verwandten. Am Ende ist nichts wirklich aufgeräumt, aber es geht doch weiter - vor allem, da Wilbur auf seltsame Art und Weise Gefallen an Verantwortung findet. Finden kann. OK, Verantwortung in einer klebrig-dumpf-grauen apathischen Staubwelt, aber immerhin.
12/25/2011
R.E.D., Robert Schwentke
Hier. Oje, da macht Bruce Willis etwas außerhalb des Die Hard franchises... ach nein, ist ja eine Comic-Verfilmung. Und die Grundidee lautet: nicht mehr ganz taufrische Agentenübermenschen krachen sich durch die Gegend um eine Verschwörung rund um den ehemaligen Arbeitgeber aufzudecken.
Ein lockerer Film, aber nicht triumphal. Als Konsument muss man an dieses eine Murtaugh-Zitat denken, dass mittlerweile schon erfolgreiche Sitcoms beschwingt. Was begeistert, ist das Arsenal: endlich benutzt einmal jemand automatisches Feuer ohne Unterlass außerhalb der Matrix. R.E.D. ist eigentlich sehr bunt und die fähigen Schauspieler bilden sich nicht ein, hier ein wenig existentialistische Tiefe unterbringen zu wollen.
Ein lockerer Film, aber nicht triumphal. Als Konsument muss man an dieses eine Murtaugh-Zitat denken, dass mittlerweile schon erfolgreiche Sitcoms beschwingt. Was begeistert, ist das Arsenal: endlich benutzt einmal jemand automatisches Feuer ohne Unterlass außerhalb der Matrix. R.E.D. ist eigentlich sehr bunt und die fähigen Schauspieler bilden sich nicht ein, hier ein wenig existentialistische Tiefe unterbringen zu wollen.
The Big Lebowski, Ethan & Joel Coen
Hier. Der Film ist erschreckend alt und erschreckend präsent. Es vergeht kaum eine Woche, in der man sich nicht an den Dude und seine endliche Quest erinnert. Was würde er tun, er, der er nicht der große Lebowski aber eben ganz bewusst der kleine Lebowski ist (aber auch keiner von der Schar förderungswürdiger kleiner Lebowskis, die als urban achiever die kalifornische Einöde urbarer machen sollen)?
Der Dude strahlt eine kosmische Beruhigung aus und infamerweise muss man dem grotesken Cowboy-Phantom zustimmen, dass ganz schnauzbärtig und traditionell seinen Stil lobt. Ja, Stil. Ein hilfreiches Wort, denn es bringt keine Argumente vor oder zelebriert sonst einen expliziten Konflikt. Ist das nicht vielleicht die Hoffnung eines jeden Konsumenten, wenn er einmal den Spaten weglegt und den Blick von den Auslagen der Geschäfte für einen Moment abwendet und sich nach dem Sinn erkundigen möchte, dem Endzweck der Anstrengungen? Egal was es ist: he, ihr habt den Falschen. Was für ein schöner Satz. Ich habe mit eurem Mist nichts zu tun. Ihr könnt mich mal, müsst ihr aber nicht. Lasst mich einfach nach Hause, ich nehme auch gern diesen Teppich hier.
TBL hat längst eine institutionalisierte Gemeinschaft der Gönner und Gläubigen, die sich zum Beispiel beim Lebowski Fest, 2002 in Kentucky entstanden, kenntlich machen. Das rückt diesen Coen-Höhepunkt für Außenstehende in die Nähe der Rocky Horror Picture Show und Star Trek. Aber eigentlich ist er das Gegenteil dessen. Da wollen einfach ein paar Leute ihren Teppich genießen und vielleicht ein wenig Walgesänge in der Wanne hören. Keiner schminkt sich. Einfach mal gepflegt ein paar pins umlegen. Nichts für ungut.
Erhebend.
Der Dude strahlt eine kosmische Beruhigung aus und infamerweise muss man dem grotesken Cowboy-Phantom zustimmen, dass ganz schnauzbärtig und traditionell seinen Stil lobt. Ja, Stil. Ein hilfreiches Wort, denn es bringt keine Argumente vor oder zelebriert sonst einen expliziten Konflikt. Ist das nicht vielleicht die Hoffnung eines jeden Konsumenten, wenn er einmal den Spaten weglegt und den Blick von den Auslagen der Geschäfte für einen Moment abwendet und sich nach dem Sinn erkundigen möchte, dem Endzweck der Anstrengungen? Egal was es ist: he, ihr habt den Falschen. Was für ein schöner Satz. Ich habe mit eurem Mist nichts zu tun. Ihr könnt mich mal, müsst ihr aber nicht. Lasst mich einfach nach Hause, ich nehme auch gern diesen Teppich hier.
TBL hat längst eine institutionalisierte Gemeinschaft der Gönner und Gläubigen, die sich zum Beispiel beim Lebowski Fest, 2002 in Kentucky entstanden, kenntlich machen. Das rückt diesen Coen-Höhepunkt für Außenstehende in die Nähe der Rocky Horror Picture Show und Star Trek. Aber eigentlich ist er das Gegenteil dessen. Da wollen einfach ein paar Leute ihren Teppich genießen und vielleicht ein wenig Walgesänge in der Wanne hören. Keiner schminkt sich. Einfach mal gepflegt ein paar pins umlegen. Nichts für ungut.
Erhebend.
12/19/2011
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