Hier und hier. Fast schon gemütlich ist er. Und so sauber! Das Anstößige ist kaum sexuell und äußerst konzentriert. Man muckelt so vor sich hin. Künstler, Kommissare und der fiktionalisierte Autor selbst wohnen und schlafen und überleben so vor sich hin. Die Erzählung deutet auch in die Zukunft: wie schon bei den Möglichkeiten einer Insel wird die Gegenwart durch ferne auktoriale Prophezeiungen genichtet. Was bleibt, sind die Krümel im Jetzt.
Vorwerfen kann man H., dass er eine PoMo-Einführung von 1994 oder so genommen hat und dann eine mehrseitige Allegorie hineindichtete. Stumpf, wie er nunmal ist, lässt er Hirst und Jobs persönlich auftreten, die dann vom Protagonisten ins spätkapitalistische Panorama eingebunden werden. Sich selbst freilich auch. Behäbige Systemkritik ist seine Sache nicht.
Schaurig wird diese Belanglosigkeit mit Abstand. Gibt es wirklich kein Draußen mehr? Ist das das Ende, geht es wirklich in Frankreich, Europa und dem Rest nur noch um die Anhäufung und Umverteilung von Geld? Karte und Gebiet kommt ohne Apokalypse aus: das Extreme schlägt nur auf den Autoren selbst ein, der (wenig glaubwürdig) von einem diffusen Dr. Satan und seinem Laser-Skalpell zerteilt wird.
Langeweile bis zum Tod. Trotzdem ist der Roman selbst durchweg unterhaltsam, da man bis zum Schluss mit diesem beiläufigen Plauderton nicht zurecht kommt. Der Titel trägt einiges dazu bei, dem Roman so einiges an intellektuellen Absichten abzugewinnen (oder hineinzuprojizieren): Die Karte ist ja nicht das Gebiet, das ist der Systemtheorie erster Streich. Alles, was an geo-tagging und map-making und Ortungen möglich ist, lässt das reale Gebiet immer nur in endlichen Punkten, nie aber in seinen diskreten Kurven erscheinen. Isohypsen sind nicht echt. Isohypsen sind Hilfsmittel. Das Echte beinhaltet keine Stufen - das Echte beinhaltet nur Wellen. Die Karte ist der bescheidene Schatten des Gebiets. Die Karte ist aber auch das einzige, das ein Mensch nutzen kann, da man die Gesamtkomplexität eines Gebietes (und sei es noch so klein) nie in die endlichen Synapsen wuppen kann.
Theorie statt Kritik. Eine schöne Erinnerung. Ein bisschen gruselig, wie alles Schöne, aber schön. Sollen doch die Feuilletons weiterkritisieren: bezahlt werden die eh nicht mehr lange und dann sind sie tot und weg, und das ganz ohne irren Meuchel-Chirurgen.
3/17/2012
3/16/2012
Requiem for a Dream, Darren Aronofsky
Hier und hier. Absolut überbewertet aus heutiger Sicht. Freilich waren damals, vor zehn und gefühlten dreiundachtzig Jahren, die Kritiken froh und dankbar, da die schnellen Schnitte, die punktierende Erzählweise und die ökonomischen Kulissen neu und frisch waren. Aber heute kann das Teil nicht mehr überzeugen. Hätte wirklich jemand erwarten können, dass dieser Film gut endet?
RfaD ist also nicht wirklich toll, hat aber womöglich viel Tolles angerichtet. Aronofskys Karriere hat er auf jeden Fall mehr als beschleunigt und mit The Wrestler und Black Swan hat er seine Berufswahl ja recht gut verteidigt. So gut wie Pi waren die aber alle nicht.
RfaD ist also nicht wirklich toll, hat aber womöglich viel Tolles angerichtet. Aronofskys Karriere hat er auf jeden Fall mehr als beschleunigt und mit The Wrestler und Black Swan hat er seine Berufswahl ja recht gut verteidigt. So gut wie Pi waren die aber alle nicht.
3/12/2012
Welcome to Hard Times, E.L. Doctorow
Hier und hier. Das ist mal ein Western mit einem dicken W. Es wird keine Zeit verschwendet und der Chronist des Niedergangs lebt an einem Ort, der so heißt wie er ist: Hard Times.In gewisser Hinsicht wird mit leichter Geste und erdigen Worten von tiefen existentiellen Verwerfungen berichtet und der Erzähler selbst ist vor allem nicht dazu da, die Geschichte irgendwie unterhaltsam darzulegen und zu ordnen sondern scheitert schließlich an seiner Rolle als Beteiligter und Opfer. Realismus? Nein, Minimal-Epik.
Die großen moralischen Lektionen kann man freilich auch aus dem Text destillieren, wenn man denn will, aber damit noch nicht genug: HT ist auch ledrig und spröde und berichtet von Arbeit, harter Arbeit die oft genug in Zirkeln läuft und somit dem Motto des zu erobernden Westens entgegenstehen. HT ist auch ein harter und fast schön genüsslicher Schlag gegen die bequeme Fiktion der Familie, der Bedarfsgemeinschaften und der irren Idee einer Sphäre von Fairness und Anteilnahme unter sogenannte "Gleichen" im Allgemeinen.
Am Ende rollt das tumbleweed über die Ebene und irgendwo zieht eine Eisenbahn weiter. Superding. Dies war Doctorows Debüt: der konnte eigentlich nur Nationalautor werden. Demnächst The March.
3/10/2012
Rage, id Software, Bethesda Softworks
Ach. Hier und hier. Und es weiß zu gefallen durch die opulente Grafik und die nette Idee der Autorennen, die man nebenbei noch absolvieren kann. Flinte kracht auch schön.
Das Szenario hingegen ist dermaßen altbacken, dass es beim Kauen staubt. Die Fallout3-Referenzen werden höchstens durch den stetigen nuklearen Sonnenschein durchbrochen (dafür ist Rage nett käferfrei). Der Mythos id Software ist anscheinend fruchbar genug - eine BFG gibt es auch. Ah, kuschelig. Richtiger Splatter-Charme ist allerdings nicht anzutreffen. Beim zu erwartenden Doom4 sollte die Hoffnung vermutlich nicht allzu hoch peitschen.
Als man im letzten Jahrtausend das erste Mal Mad Max 2 auf VHS sah dachte man nie, dass diese Optik einst Grundlage einer Vielzahl von Unterhaltungsprodukten wird. Obwohl... die Abnutzung kam recht schnell... siehe da. Brrrr.
Das Szenario hingegen ist dermaßen altbacken, dass es beim Kauen staubt. Die Fallout3-Referenzen werden höchstens durch den stetigen nuklearen Sonnenschein durchbrochen (dafür ist Rage nett käferfrei). Der Mythos id Software ist anscheinend fruchbar genug - eine BFG gibt es auch. Ah, kuschelig. Richtiger Splatter-Charme ist allerdings nicht anzutreffen. Beim zu erwartenden Doom4 sollte die Hoffnung vermutlich nicht allzu hoch peitschen.
Als man im letzten Jahrtausend das erste Mal Mad Max 2 auf VHS sah dachte man nie, dass diese Optik einst Grundlage einer Vielzahl von Unterhaltungsprodukten wird. Obwohl... die Abnutzung kam recht schnell... siehe da. Brrrr.
3/08/2012
The Elephant Man, David Lynch
Themenabend der monströsen Gestalten, Teil Zwei. Hier und hier. Jetzt geht es um Einzelschicksal - wo bei Freaks der Plural im Vordergrund stand und somit das muntere Treiben der körperlich Versehrten gibt es beim Elefantenmann das zentrale Monster, das alle in seinen Bann zieht. Lynch zeigt das erste Drittel über nur Schemen und lässt die röchelnden Geräusche für Grusel sorgen.Und wieder dieses Wort: Grusel. Andere Worte drängen sich auf und man schämt sich: Euthanasie. Die finstere Pflicht, das Leiden Anderer zu betrachten. Die Schaulust. Der Film taugt bei all dieser Basis-(Sozial-)Psychologie auch als Epochenstück: wie geht das Empire, die ordnendste Instanz überhaupt, mit diesen undisziplinierten Fleischmassen um? Wie kann dieser Einzel-Freak umschlossen werden? Der ambitionierte Arzt versucht verzweifelt, den Elefantenmann zu verstehen und zu territorialisieren (zu kolonialisieren?). Und seine Absichten sind gut. The road to hell is paved with good intentions. Gruselig!
Das Schwarzweiß tut einiges für die beklemmende Stimmung, doch die viktorianische Innenbeleuchtung durch Gas soll ein sehr eigenes Farbspiel ergeben. Wo kann man das sehen? Wenn es einer nutzen könnte, dann wohl Herr Lynch. Gibt ja auch 'ne Gaslicht-Version von Gotham City, immerhin.
Freaks, Tod Browning
Themenabend der monströsen Gestalten, Teil Eins. Hier und hier. Warum ist es gruselig und was für ein Grusel ist es? Es ist ungewöhnlich. Sowohl für einen Schwarzweißfilm als auch für einen Spielfilm im Allgemeinen. Freaks begeht keine exploitation und hält nicht drauf sondern erzählt eine überschaubare Geschichte an einem überschaubaren Ort. Es wird wider erwarten niemand vorgeführt. Eher ist die Kamera "interessiert": wie kann man ohne Arme und Beine eine rauchen oder was trinken? So. Wie ist eine Wohnung für sehr kleine Menschen eingerichtet? So.Rahmenhandlung ist ein Melodram, wie es in jedes Handschuhfach passt: Schuld und Sühne, Wiedergutmachung und Bestrafung. Vielleicht ist es diese überschaubare Putzigkeit, die Freaks zu einem grundsympathischen Film macht.
3/01/2012
Dead Space 2, Visceral Games, Electronic Arts
DS2 ist noch besser als der prächtige Vorgänger und schließt nahtlos an ihn an. Was es zu optimieren galt, wurde auch optimiert. Endlich eine Harpune! Und sie kann Elektroschocks! Man kann die Fleischbiester also an die Wand tackern und dann in Blitzgewittern durchgaren. Der Kunde verlangt diese Option und nutzt sie gern.
Richtig fein sind die kleinen Rätsel- und Geschicklichkeitssequenzen zwischendrin, die die Hintergrundgeschichte vorantreiben. Und stets steht auch die Körperwelt des Helden im Vordergrund im Vordergrund. Er ächzt, er schleppt sich, er schlägt verzweifelt um sich. Die spärliche Munition lässt einen bangen und hetzen: genau das, was man allein im Dunkeln gern tut.
2/28/2012
A Scanner Darkly, Philip K. Dick
Hier und hier schon die Filmversion konsumiert, nun zur Gänze das 1977er Original auf Papier.
Dick ist keiner zum Kuscheln. Seine Romane sind krümelig und haben keine großen Gesten - sie stellen nicht das Spektakuläre in den Mittelpunkt sondern erdenken sich eine fast normale Alltagswelt, die irgendwie seltsam ist und die die Protagonisten seltsame Dinge tun lässt. Dick stellt auch keine Parabeln an: es gibt keine große Lehre, die man am Ende abgreifen kann. Dick ist keiner für den Urlaub.
Auch mit ASD macht er sich an beunruhigend komplizierte Dinge. Hier ist es das Hirn und seine Aktivität mit und ohne Augen. Paranoia? Schizophrenie? Die Welt der kalifornischen Slacker hat beides zu bieten und man fragt sich, ob das nun an dem vertricksten Überwachungsstaat liegt oder an den Drogen oder an den Verflechtungen eben jener Umstände ineinander. Wo ist der Geist? Wie kann man Geister erkennen und gibt es eine Geistwirtschaft? Schwere Konzepte stehen im Raum. Vielleicht ist der Denkprozess einer ähnlichen Mechanik unterworfen wie die Rennradschaltung, um die sich die Rabauken in der Mitte des Romans streiten: die Ganganzahl vorn und die Ganganzahl hinten ergeben keine Summe, sondern Möglichkeiten. Konstellationen bedingen Geschwindigkeiten. Kein Urlaub für niemanden.
Dick ist keiner zum Kuscheln. Seine Romane sind krümelig und haben keine großen Gesten - sie stellen nicht das Spektakuläre in den Mittelpunkt sondern erdenken sich eine fast normale Alltagswelt, die irgendwie seltsam ist und die die Protagonisten seltsame Dinge tun lässt. Dick stellt auch keine Parabeln an: es gibt keine große Lehre, die man am Ende abgreifen kann. Dick ist keiner für den Urlaub.
Auch mit ASD macht er sich an beunruhigend komplizierte Dinge. Hier ist es das Hirn und seine Aktivität mit und ohne Augen. Paranoia? Schizophrenie? Die Welt der kalifornischen Slacker hat beides zu bieten und man fragt sich, ob das nun an dem vertricksten Überwachungsstaat liegt oder an den Drogen oder an den Verflechtungen eben jener Umstände ineinander. Wo ist der Geist? Wie kann man Geister erkennen und gibt es eine Geistwirtschaft? Schwere Konzepte stehen im Raum. Vielleicht ist der Denkprozess einer ähnlichen Mechanik unterworfen wie die Rennradschaltung, um die sich die Rabauken in der Mitte des Romans streiten: die Ganganzahl vorn und die Ganganzahl hinten ergeben keine Summe, sondern Möglichkeiten. Konstellationen bedingen Geschwindigkeiten. Kein Urlaub für niemanden.
Red Dead Redemption: Undead Nightmare, Rockstar Games
Hier, freilich das Add-on zu diesem hier.
Wenn die Büchse leer ist, muss er maulen: viel zu kurz! Ja, "Add-on" heißt soviel wie "Zugabe" aber so fix ist man selten durch die Prärie geritten.
Jetzt also alles untot. Genre ist Genre und bietet Geschmackssicherheit. Aber ist der Western wirklich auch nur ein Klischee unter vielen? Und ist das Zombie-Mem nicht viel zu subversiv als dass es einfach so hineingepoltert werden kann? Hier klappt es jedenfalls, und das muss zugegeben werden, ganz hervorragend. Warum nur?
Die Zombifizierung der sand box hinterlässt hier ganz speziell einen unangenehmen Nachgeschmack. Vielleicht hat man die Charaktere aus dem Hauptspiel zu sehr ins Herz geschlossen und möchte nicht, dass sie durch die Untoten veralbert werden. Vielleicht denkt man an die Zielgruppe, die einen ja stets umringt in diesem Zeitalter der Masse, und erkennt dass es denen zum Teil nicht wirklich um ein gutes Erzählen geht und die die krachenden Colts vorziehen. Das sind wohl auch jene, die diese ganzen Punktesammelaktionen mitmachen. Schon bei GTA war dem Konsumenten das ein wenig zu doof. Stunts gern, aber einfach nur hinbewegen und abkassieren? Naja. Aber nur Mehrheiten machen Produkte groß, also muss das akzeptiert werden.
Besser als nichts. Aber ein richtiges und ganzes Sequel wäre noch besser.
Wenn die Büchse leer ist, muss er maulen: viel zu kurz! Ja, "Add-on" heißt soviel wie "Zugabe" aber so fix ist man selten durch die Prärie geritten.
Jetzt also alles untot. Genre ist Genre und bietet Geschmackssicherheit. Aber ist der Western wirklich auch nur ein Klischee unter vielen? Und ist das Zombie-Mem nicht viel zu subversiv als dass es einfach so hineingepoltert werden kann? Hier klappt es jedenfalls, und das muss zugegeben werden, ganz hervorragend. Warum nur?
Die Zombifizierung der sand box hinterlässt hier ganz speziell einen unangenehmen Nachgeschmack. Vielleicht hat man die Charaktere aus dem Hauptspiel zu sehr ins Herz geschlossen und möchte nicht, dass sie durch die Untoten veralbert werden. Vielleicht denkt man an die Zielgruppe, die einen ja stets umringt in diesem Zeitalter der Masse, und erkennt dass es denen zum Teil nicht wirklich um ein gutes Erzählen geht und die die krachenden Colts vorziehen. Das sind wohl auch jene, die diese ganzen Punktesammelaktionen mitmachen. Schon bei GTA war dem Konsumenten das ein wenig zu doof. Stunts gern, aber einfach nur hinbewegen und abkassieren? Naja. Aber nur Mehrheiten machen Produkte groß, also muss das akzeptiert werden.
Besser als nichts. Aber ein richtiges und ganzes Sequel wäre noch besser.
2/27/2012
The Marbled Swarm, Dennis Cooper
Hier und hier und sehr gut auch hier. Cooper zerdeppert das Genre der gothic fiction und baut sich aus den aufgesammelten Scherben eine hübsche neue Karaffe. Die er dann mit Absinth füllt und ganz, ganz nah an die ledergebundenen Marquis-de-Sade-Prachtausgaben und eine abonnierte Einrichtungszeitschrift stellt.
Es geht um Falltüren und Burgen und Kavernen und Höhlen. Paris. Gucklöcher. Die typische Pädophilie, der Masochismus und auch Kannibalismus sind bei Cooper immer da - der Ultraekel wird aber nur ein Element von vielen. Vielleicht ist der Konsument schon abgestumpft (auweia!).
Aber obacht: die tiefste Höhle ist die Sprache. Der Schwarm aus dem Titel ist eine bestimmte Art des kunstvollen exaltierten Sprechens, des blasierten Dahingeplauder eines Sprechers, der niemals nur Butter und Brot auf dem Tisch hatte sondern immer nur Menüs zusammenstellte. Ein Mensch der Qualitäten, nicht der Quantitäten. The Marbled Swarm ist das Gegenteil von Abstumpfung. Es ist das ständige Gefasel, das sonore Beschreiben einer Welt mit zuviel Detail. Also doch wieder Stümpfe. Diese Einsicht kommt... unerwartet.
In früheren Werken von Cooper war der Abgrund viel präsenter. Das schmerzhafte Gelaber von TMS lässt den Leser früher oder später mit den Augen rollen. Der murmelnde Schwärmer deckt die Tiefe zu, er leuchtet alles aus. Er serviert lieber Tee mit Keksen (sieben Sorten!), anstatt auch nur ein wenig ernsthaft seine Lust auf Jungenfleisch zu deuten.
Es geht um Falltüren und Burgen und Kavernen und Höhlen. Paris. Gucklöcher. Die typische Pädophilie, der Masochismus und auch Kannibalismus sind bei Cooper immer da - der Ultraekel wird aber nur ein Element von vielen. Vielleicht ist der Konsument schon abgestumpft (auweia!).
Aber obacht: die tiefste Höhle ist die Sprache. Der Schwarm aus dem Titel ist eine bestimmte Art des kunstvollen exaltierten Sprechens, des blasierten Dahingeplauder eines Sprechers, der niemals nur Butter und Brot auf dem Tisch hatte sondern immer nur Menüs zusammenstellte. Ein Mensch der Qualitäten, nicht der Quantitäten. The Marbled Swarm ist das Gegenteil von Abstumpfung. Es ist das ständige Gefasel, das sonore Beschreiben einer Welt mit zuviel Detail. Also doch wieder Stümpfe. Diese Einsicht kommt... unerwartet.
In früheren Werken von Cooper war der Abgrund viel präsenter. Das schmerzhafte Gelaber von TMS lässt den Leser früher oder später mit den Augen rollen. Der murmelnde Schwärmer deckt die Tiefe zu, er leuchtet alles aus. Er serviert lieber Tee mit Keksen (sieben Sorten!), anstatt auch nur ein wenig ernsthaft seine Lust auf Jungenfleisch zu deuten.
2/22/2012
Ziemlich beste Freunde, Olivier Nakache, Éric Toledano
Hier und hier. Ganz was anderes, nämlich was französisches. Eine Komödie um einen groben Pfleger aus der Armut und einen überreichen Superkrüppel, die zusammen die zivile Existenz beleuchten.
Ist der Film sehr lustig? Ja. Findet er neue Wege, um soziale Umstände kritisch zu beleuchten? Nein. Will er das überhaupt? Wieso sollte er? Er erzählt eine wahre Geschichte nach und impliziert, das manche Dinge eben einfach hingenommen werden müssen, da nützt auch kein Krakeelen (was wiederum in anderen Situationen durchaus hilfreich sein kann, und sei es nur zur eigenen geistigen Entlastung): Armut ergibt Abhängigkeit und eine Lähmung ebenso. Ungerecht-schmungerecht. Letztlich scheint besagte zivile Existenz vor allem durch die Verwaltung von Abhängigkeiten zu bestehen.
Ist der Film sehr lustig? Ja. Findet er neue Wege, um soziale Umstände kritisch zu beleuchten? Nein. Will er das überhaupt? Wieso sollte er? Er erzählt eine wahre Geschichte nach und impliziert, das manche Dinge eben einfach hingenommen werden müssen, da nützt auch kein Krakeelen (was wiederum in anderen Situationen durchaus hilfreich sein kann, und sei es nur zur eigenen geistigen Entlastung): Armut ergibt Abhängigkeit und eine Lähmung ebenso. Ungerecht-schmungerecht. Letztlich scheint besagte zivile Existenz vor allem durch die Verwaltung von Abhängigkeiten zu bestehen.
2/16/2012
Drive, James Sallis
Die Vorlage dieses Herrn für den derweil recht gelobten Kinofilm. Auch wieder so ein seltsam kurzer Noir-Brocken. Der leidende, kämpfende, umtriebige Held setzt seine Physis ein, um als Stuntman oder Schurke seiner Umwelt zu entkommen. Dabei ist er ausgehöhlt, ein Vakuum: kalt bewegt er sich durch die erbarmungslose Stadt und mit kalter Präzision haut er auch die Gänge hinein.
Und dann bekommt er einen Sprung und das Vakuum will sich füllen. Es zischt: der Fahrer kommt vom Kurs ab.
Drive ist sehr elegant durch seinen Minimalismus. Es geht weniger um die Geschichte, die irgendwann enden soll, sondern um die Ordnung, die solch ein Kosmos vermittelt: es gibt nur Fahrer und Gefahrene. Man sitzt im Auto oder nicht. Ereignisse sind manchmal kompliziert aber immer endlich. Wer sich mit Geschwindigkeitsmaschinen einlässt, der sollte wissen was Beschleunigung bedeutet. Einschalten. Ausschalten. Hochschalten.
Hier ein Link zur logischen Konsequenz dieses Textchens.
Und dann bekommt er einen Sprung und das Vakuum will sich füllen. Es zischt: der Fahrer kommt vom Kurs ab.
Drive ist sehr elegant durch seinen Minimalismus. Es geht weniger um die Geschichte, die irgendwann enden soll, sondern um die Ordnung, die solch ein Kosmos vermittelt: es gibt nur Fahrer und Gefahrene. Man sitzt im Auto oder nicht. Ereignisse sind manchmal kompliziert aber immer endlich. Wer sich mit Geschwindigkeitsmaschinen einlässt, der sollte wissen was Beschleunigung bedeutet. Einschalten. Ausschalten. Hochschalten.
Hier ein Link zur logischen Konsequenz dieses Textchens.
2/13/2012
Imperial Bedrooms, Bret Easton Ellis
Dazugehören kann so einfach sein.
Somit ist Herr Ellis so ähnlich wie Herr King, ein anderer Textzulieferfachbetrieb. Das hat er selbst in Lunar Park schon sorgfältig illustriert.
Nie zweifelt man bei IB an der Autorenschaft. Wenn das alles ein Hoax ist, dann ein Guter (wenn Ellis ein Hirst ist, dann soll er es bleiben wenn sowas dabei herumkommt).
Less than Zero, das Prequel aus dem letzten Jahrtausend, ist geradezu zahm in seiner Egomanie. Bei IB gibt es nur noch michmichmich. Genau richtig so. Der Held und Mittelpunkt will eigentlich gar nichts Neues erzählen und die Thriller-Versatzstücke werden halbgar angegangen. Über die Seiten hinweg zwinkert man Ellis zu und er zwinkert zurück: "Diese Welt ist müde Scheiße und wir wissen es und trotzdem sind Dexter und Entourage angemessene zeitgemäße Unterhaltung." Dazugehören kann so einfach sein.
Die letzte Seite ist wieder einmal besser als die letzten Seiten der vorangegangenen Romane. Alle reden von der unnützen Suche nach Wahrheit und Erkenntnis - Ellis liefert ab. Er hat kein sehr erbauliches Romänchen geschrieben. Aber er hat recht.
Das nächste Werk darf aber wieder mehr als 350 Seiten haben, hu?
2/10/2012
Protagonist, Jessica Yu
Hier und hier. Ach wie fein, endlich was für den Kopf - den männlichen Kopf!
Männliche Biographien werden im Wechsel verglichen und mit diversen Begriffen als allgemeine Lebensstationen definiert. Dabei ist das ganze teils recht intellektuell aufgeladen und teils einfach journalistisch interessant, da jeder der vier "Protagonisten" ein durchaus durchdenkenswertes Leben gehabt hat. Der Film hilft, den Begriff der Adoleszenz zu erweitern. Fraglich nur, ob das auch Sinn macht und ihn nicht eigentlich nur aushöhlt.
Assoziationen mit Campbells Hero with a Thousand Faces und Blys Iron John können kein Zufall sein. Allerdings setzt Yu souverän auf antike Stoffe und versetzt ihre Interviews mit Puppenspielsequenzen (!). OK, das sieht ein wenig aus wie ein kommentiertes Tool-Video. Sei's drum. Avatar, Quest, Protagonist, Plot - alles wichtige Begriffe zwischen Unterhaltung und Sinnproduktion.
Männliche Biographien werden im Wechsel verglichen und mit diversen Begriffen als allgemeine Lebensstationen definiert. Dabei ist das ganze teils recht intellektuell aufgeladen und teils einfach journalistisch interessant, da jeder der vier "Protagonisten" ein durchaus durchdenkenswertes Leben gehabt hat. Der Film hilft, den Begriff der Adoleszenz zu erweitern. Fraglich nur, ob das auch Sinn macht und ihn nicht eigentlich nur aushöhlt.
Assoziationen mit Campbells Hero with a Thousand Faces und Blys Iron John können kein Zufall sein. Allerdings setzt Yu souverän auf antike Stoffe und versetzt ihre Interviews mit Puppenspielsequenzen (!). OK, das sieht ein wenig aus wie ein kommentiertes Tool-Video. Sei's drum. Avatar, Quest, Protagonist, Plot - alles wichtige Begriffe zwischen Unterhaltung und Sinnproduktion.
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