3/08/2010

Død snø, Tommy Wirkola

Der tote Schnee ist eine Metapher (die einzige in diesem arg direkten Film) für tiefgefrorene Nazi-Zombies, die ein paar zunächst fröhliche Rodler zermatschen. Ja, zermatschen. Das Genre heißt Splatter und hier fällt niemand so einfach um - nein, es muss auch jeglicher Appetit aus dem Zuschauer getrieben werden. Signifikant ist die berufliche Intention der jungen Opfer: es sind angehende Mediziner, sie wollen mit Körperwelten Geld verdienen. Einer von ihnen (der sich noch am erfolgreichsten gegen die furchtbar glucksend-schleimigen Uniform-Germanen schlägt) kann zunächst kein Blut sehen. Haha. Wenn es denn nur ums "sehen" ginge. Ha.

Für alle, die die Relevanz dieser Art von Produkt in Frage stellen: es gibt Filmfestivals, bei denen nur solcherlei Filme gezeigt werden. Und ein gewisser Herr Jackson, der sich jetzt mit Hobbits und Mittelerden rumschlägt, hat einst als Regisseur von Braindead die wohl größte Referenz dieser Klasse geschaffen.

Freilich wurde hier außer totem Schnee ein ekelhafter Film erwartet, denn wo die Geschichte klar ist und keine Spannung aufweisen kann (wie das so ist beim Splatter), muss die Bestürzung des Zuschauers das Maß aller Dinge sein. Man muss sich fragen, warum man sich solchen Mist überhaupt anschaut. In jener Hinsicht verdienen diese Winterspiele eine Goldmedaille. Man muss es wohl sportlich sehen. Denn irgendwie ist das Produkt sympathisch, auf diese nerdige, abgründige Horrorkonsumentenart - wahrscheinlich sind es die vielen Genrezitate, die eine subkulturmäßige Heimeligkeit schaffen. Freilich auf ganz widerliche Art und Weise.

3/05/2010

Shutter Island, Martin Scorsese

Die Vorlage dieses Produktes wurde bereits vor einiger Zeit konsumiert, hier der Report von vor zwei Jahren.

Das Blöde vorweg: wie kann sich Scorcese diese vielen Schnittfehler erlauben? Das ist ärgerlich. Aber ansonsten ist das eine feiste Sache hier. Vor allem traut man sich eine Menge Optik: so hat man die 1950er selten gesehen. Der Sturm ist sehr schön: da peitscht der Regen wie in Key Largo, nur in schön düsterkalter Farbe. Die Traumsequenzen sind überpathetisch und es steht ihnen gut. Stimmig dazu die Erinnerungssequenzen aus dem KZ, die sich wohlgeformt an erstgenannte schmiegen. Die Erinnerung, ein Traum, und der erinnerte Alptraum im Breitbild.

Für die enorme Länge und die ewige Präsenz des Hauptdarstellers war der Film äußerst kurzweilig. 140 Minuten sind bei anderen Produkten schmerzhafter. Was man allen Beteiligten hoch anrechnen muss ist dabei, dass hier im Graben der letzte Plothaken ja schon bekannt war - und trotzdem war es höchst unterhaltsam.

Am besten steht aber Dennis Lehane da. Er scheint wirklich ein mehr als famoser Autor zu sein: er legt eine Geschichte so gut an, dass so ein Film entstehen kann und schreibt auch nicht immer das gleiche. Sogar Ben Affleck konnte aus Gone Baby Gone keinen Mist machen. Und Mystic River ist ja auch ein dralles Ding Furchtbarkeit. Herr Lehane, hier wächst ein Fan heran.

3/01/2010

Long Weekend, Jamie Blanks

Hier bei Imdb. Dieses Kammerspiel hat die wuchtige australische Natur zum Thema, welche sich auf mysteriöse Weise gegen die zerzivilisierten Stadtmenschen verschwört und sich sehr ruppig ihrer entledigt. In diesem Werk soll der Thrill ganz klar nicht von identifizierbaren Halunken ausgehen, die irgendwie im Gebüsch lauern.

Herr Cavaziel war ja einst der Heiland für Herrn Gibson. Sympathien und Mitleid erarbeitet er sich hier als tumber Yuppie aber keinesfalls. Muss sein. Aber wer hat den zweiten Harpunenschuss abgegeben? Alles andere ist plausibel, aber diese Harpune... war es der Hund? Ha! Es war der Hund! Darum war er kurz vor Schluss verschwunden!

Gelingt der Thrill? Ja. Aber LW ist bestimmt kein Oscar-Geheimtipp. Denn dafür ist die Symbolik zu altbacken: nicht-nachhaltige Systeme kontaminieren das Makrosystem solange bis selbiges zu Entscheidung und Durchführung getrieben wird. Das sterile Paar zerbricht an jenem Attribut und wird von der ultrafruchtbaren Natur aus dem Paradies geworfen. Eine Schlange kommt auch vor. Nagut: Innovation ist ja nicht unbedingt mit Oscar gleichzusetzen. Aber dieses Jahr ist die Trendfarbe Blau, nicht Grün.

Pineapple Express, David Gordon Green

Erwartungsgemäß ein höchst respektloser Film, der für den mainstream sicherlich zu anti ist auf vielen Ebenen. Keine Helden, keine Gefangenen, kein erwartbarer Gag-Rhythmus. Wie auch bei der Seth-Rogen-Klitsche Observe and Report wird eine Komödie zweiter Ordnung geboten - eine, die für viele Menschen bestimmt eher ärgerlich und verstörend ist. PA ist aber ein klein wenig versöhnlicher als O&R.

Äußerst sympathisch dabei James Franco, der das vernachlässigte Kiffereumel mit inbrünstiger Labberigkeit spielt. Der Fuß in der Windschutzscheibe ist wundervoll und eine Sternstunde des infizierten Straßenverkehrs. Der Showdown ist erfrischend brutal in seiner Albernheit. Und auch hier wird jedwede mögliche Hollywoodheroik zerredet, zerschreddert und entkernt. Gene Hackman wäre damit nicht einverstanden. Oder?

2/25/2010

The Men Who Stare at Goats, Jon Ronson

Da.

Dies ist kein Roman - es ist Journalismus! Auweia. Trotzdem ist es ein sympathisches kleines Textlein, das unter dem nur auf den ersten Blick kryptischen Titel vorliegt. Herr Ronson hat sich den spirituellen Streitkräften der USA angenommen - denn die Hippiepower, die sich in den 1960er ballte, wurde nicht nur auf Batik und Tanzmusiken angewandt. Und eben jenes auf Ziegen starren ist eine Disziplin der Psi-Krieger, die dadurch das Leben des armen Tieres beenden wollen.

Es gab ja schon länger die urbane Legende, dass der KGB mit Hirnwellen und solchem Kram experimentierte. Und die Geschichte von LSD lässt ja auch einiges an derlei Spekulationen zu. Das vorliegende Produkt liest sich allerdings seltsam, weil es so aktuell ist: so wird auch Abu Ghraib mit den Psychowaffen der USA in Verbindung gesetzt. Das hat dann nicht mehr viel mit Drolligkeit zu tun - das macht Bauchschmerzen. Zumindest gibt Ronson nicht vor, das Thema mit seinem dünnen Büchlein erschöpfen zu behandeln.

Das ist wohl der Fluch allen Gonzo-Journalismusses: mit Wahrheitsfindung hat es viel weniger zu tun als mit süffisanter Unterhaltung und einer gefühlten Coolness zwischen Autor und Leser. Uh, yeah, wir sind die wissende Minderheit.

Bald gibt es den Film mit Jeff Bridges, Obi-Wan und George Clooney.

Folgendes Bild ist von ziegen-treff.de. Es ist eine Thüringer-Wald-Ziege. Wunderschönes Tier. Bestimmt böse, aber wunderschön.

2/24/2010

Forsaken House, Richard Baker

Der Eskapismus wurde nicht auf Zielen ergründet... deshalb ein weiteres lo-fi-D&D-franchise Produkt, freilich wieder Auftakt zu einer Trilogie (die auch gleich The Last Mythal heißt).

Es wurde konsumiert, weil man mit Cryptonomicon von Neal Stephenson nicht so recht vorankommt. Das ist aber auch ein arg feister Schinken. Im Gegensatz dazu gibt es in diesem dünnen Produkt Mutanten aus Dämonen und Mutanten. Cool. Und sie haben schwebende spellcasting-Plattformen!

Noch etwas fällt auf: die schwertschwingenden Brutalo-Helden fehlen ganz - nicht einmal die sidekicks haben +3 Kriegshämmer oder so. Der einzige Kriegsheld ist ein Elf und eher Nebenfigur. Zauberhaft. Tief in der Genreliteratur sind solche Modifikationen schon fast revolutionär.

2/23/2010

The Book of Eli, Albert & Allen Hughes

Da. Die Hughes werden sich als nächstes dem guten alten Akira annehmen. Hier der Trailer zur morgen erscheinenden Blu-Ray.

Ein hervorragender Soundtrack untermalt die karstig ergrauten Bilder und macht das Produkt einmalig. Nein, es ist kein Mad Max 3.1., sondern etwas anderes: die Welt ist kaputt und eine neue Schöpfung muss sich ereignen... freilich in den ruinierten USA. Als katzenjagender Gerümpel-Samurai macht Herr Washington eine feine Figur und wandert stoisch nach Westen (in harten Zeiten gibt es nur eine Richtung!). Dabei muss er sich nicht nur mit desolaten Landschaften sondern auch mit barbarisierten Menschen herumschlagen.

Insgesamt ein höchst gelungener Film - die pathetische Bibels-/Alphabetisierungs-/Pädagogikthematik passt wunderbar in die eindeutigen Landschaften. Und das tollste: es wird nicht gleich ein Sequel angelegt. Nein: hier wird eine Geschichte durcherzählt. Das hat man selten in diesen ideenlosen Zeiten. Außerdem hat das ganze einen sinnvollen Showdown, den es in der Form selten gab.

Tom Waits macht auch mit.

Das Produkt basiert nicht auf einem bekannten Comic, aber die Promotion nutzte dieses Medium trotzdem. Feens sind Feens. Folgendes Bild kommt von hier.

2/22/2010

Montagsandachten

Welches Wochenende war schön? Richtig, eins mit einer brennenden Kirche (metaphorisch gesehen). Deshalb hier der erste Track von Black Strobe's entsprechendem Album.

White Wall, James Boss

Da. Was war das denn? Nee, echt jetzt. War das ein Film? Dieses Produkt steht gegen den Impuls, auch Unbekannterem bei der Freizeittotschlagung eine Chance zu geben.

Es passiert nichts, man versteht nichts, es macht weder Spaß noch irgendwas. Es ist ein Nicht-Film. Schade und etwas beunruhigend.

Deshalb hier etwas viel interessanteres, ein Blog-Beitrag zur faciality:

With the Black Hole and WHITE WALL, as with the Body Without Organs, Deleuze and Guattari emphasize the necessity of working within the system; the system which we are born into (189). For Deleuze and Guattari, we don’t attempt to get out of the black hole or white wall directly, as we will either go mad, find ourselves reterritorialized, or both (Deleuze 188). Instead, we launch the necessary threads of deterritorialization along and across the wall, or by means of the black hole.

Halloween 2, Rob Zombie

Da.
Viel besser als gedacht, weil ganz anders als gedacht. Der Herr Z. ist ein Fan - das war bei Teil 1 deutlich erkennbar. Dieses Reboot-Sequel bedient den Mythos weiter, indem es mit Vorschlaghammerpsychologie die weiteren unaufhaltsamen Untaten des Patienten M. weiterverfolgt.

Sehr positiv aufgefallen ist das Fehlen einer positiven männlichen Identifikationsfigur und einer sich rasch dezimierenden Teenagermeute. Diese Abweichungen vom Schema machen den Film griffig. Die Humorlosigkeit versteht sich von selbst. Aber ein dritter Teil hätte dann doch mit einiger campyness zu kämpfen.

Insgesamt freilich wieder eine unappetitliche Konvertierung des VHS-Klassikers in das nostalgische DVD-Zeitalter.

2/18/2010

The Wolfman, Joe Johnston

Uh, Haare. Dieser gemächliche Film hat das Genre kein Stück weitergebracht, aber das musste er auch nicht. Ziel war schließlich die Klassik, nicht die Innovation.

Dabei ist die Lykanthropie doch so herrlich kompatibel mit populärer Werdensphilosophie. Und die Geschichte gibt doch einiges an Mutter-Vater-Kind-Dilemma her, an psychologischer Plakativität und solch Getöse.

Ja, der Wolfsmann hätte eine Referenz für die Begriffe Monster, Innen, Außen und Geschlechtertrennung werden können. Das vorliegende Produkt versagt dabei, da es zu konservativ mit dem Kram umgeht. Zuschauer, die schon die Version von 1941 ("Wir hatten ja nüscht!") genossen, werden auch diese OK finden. Mit ordentlich Splatter hätte man das alte Pack aus dem Kino vertrieben. Traute man sich aber nicht. Die wenigen umherfliegenden Fleischteile kann man an einer halben Hand abzählen.

Joe Johnston hat Jurassic Park gemacht. Nagut. Laut wiki wird er auch den tatsächlich dräuenden Captain America Film machen... mit dieser erdigen Ikonographie sollte er umgehen können. Keine Experimente!

Es hätte alles so gut werden können. Hätte, hätte, hätte. Denn eigentlich sollte Mark Romanek dieses Re-Boot verantworten, der unter anderem durch die Videos zu NINs Closer (bei youtube anscheinend immer noch keine unzensierte Version zu sehen, bei vimeo schon, s. u.) und Jay Zs 99 Problems Ruhm errang.

Nine Inch Nails: Closer (Uncensored) (1994) from Nine Inch Nails on Vimeo.



2/13/2010

Immer wieder Neurosis

Weil Samstag Musiktag ist und mir alle Neurosen, ob kalifornisch oder nicht, am Herzen liegen.

2/12/2010

The Stingray Shuffle, Tim Dorsey

Verflixt, es gibt sie doch: lustige Romane. Dabei ist "lustig" so ein garstiges Wort. Aber beim Stingray Shuffle detonieren die Dinge sehr prägnant und die menschenverachtende Verlustrechnung von Verbrechern mit Migrationshintergrund sind wundervoll.

Das liegt bestimmt an Florida, Schauplatz der diversen Dorsey-Texte. Da sind Sümpfe und Alligatoren klumpiges Koks und die Hitze macht einen Karussel im Kopf - die besten Zutaten für Amerikas lustigste Home-Videos. Wirklich eine einzigartige Lektüre, vor allem weil sonst so viel Finsteres im Konsumgraben herumtorkelt.

Mehr Informationen zum renitent-wahnsinnigen Protagonisten Serge Storms hier.

2/11/2010

Sherlock Holmes, Guy Ritchie

Hier.

Kombiniere... die Gaudi beginnt, wenn die alberne Mütze und die Lupe verschwindet. Herr Ritchie hat genug epochale Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Filme gesehen, um aus diesem Detektiv-Altwelt-Schmock eine lustige Rauferei zu bauen.

Freilich wird das Sequel schon angelegt. Mutig. Das interessanteste an dem Holmes-Humbug war ja stets die Moriarty-Figur, die hier leider ein wenig zu kurz kommt. Bei ST-TNG gab es ein kluges Update. Es gibt bestimmt einige Kommunikationsforscher, die sich mit Moriarty die Informatik der Persönlichkeit vorstellen können.

Hübsch auch das simulierte London.