Hier und hier. Der Film konnte nicht gefallen, da er zu lang war. Er hat sich nach zwei Dritteln neue Protagonisten gesucht. Er hat das bekannte Glitzer-Gewalt-Kalifornien gezeigt, dass man aus MTVnfizierten Alpträumen kennt. Der Film hat keine Protagonisten, denen man eine Entwicklung zutraut oder wünschen kann.
Die wundervollen Blockbusterarbeiter del Toro und Hayek ergeben sich der mexploitation, da sie mittlerweile getrost darüber stehen können. Sie sind Lichtblicke in einem ansonsten gleißenden Neonalptraum, doch auch sie sind fundamental als Nebendarsteller eingebaut und bekommen außer feinen Einzelszenen nichts zugestanden. Das ist ärgerlich.
Der Thriller selbst ist teils sehr unlogisch. Jaja, Geld ist im Internet. Scharfschützen liegen immer in der prallen Sonne. Vom Kiffen wird der Strand noch strandiger. Autos detonieren von alleine. Ach, Mr. Stone. Was soll nur aus Ihnen werden?
10/15/2012
10/12/2012
Infinite Crisis, Geoff Johns
Hier. Lies doch mehr DC, haben sie gesagt. Du musst deine Hausaufgaben machen, haben sie gesagt. Du verstehst die Wucht der Zahl und Marke "52" nie ohne Infinite Crisis, haben Sie gesagt.
Dass es hier um einen bösen Superboy geht, der mit einer Teilrüstung erst durch eine Sonne geschmissen werden muss, um von seinen Verwüstungen abzulassen, davon sagten sie nichts. Es geht bei Infinite Crisis eher um einen atmosphärischen Kampf: das alte DC Universum mit seinen Helden und lachenden Vagabunden und bunt-kosmischen Herrlichkeiten will das neue(re) DC Universum ausschalten. Letzteres ist nämlich zu dunkel, die Charaktere sind hier zu selbstzweifelnd und Batman weint im Schlaf und manche sidekicks haben Heroin genommen ("Speedy!!!").
Das ist natürlich ein verlegerischer Alptraum. Und es ist wahrlich eine gute Idee, diesen formalästhetischen Konflikt für einen serienübergreifenden Rundumschlag zu nutzen. Da kann man dann so DC lesen und sich voll literaturtheoretisch stimuliert fühlen.
Nachteil an IC ist die Wonne und die Hingabe der Illustratoren. Leider kann der Konsument kaum drei oder vier Seiten blättern, ohne dass ihm vor lauter Farben, split frames und Detonationen schlecht wird. Dieses Produkt hat tatsächlich geschafft, was ein Film nie schaffte: eine optische Übersättigung, ein Zuckerschock. Dadurch kann man der Handlung auch nur bedingt folgen... der Wikipedia-Eintrag klärt (monochromatisch) über die Details auf.
Die letzte DC-Neuerung scheint derweil aber wieder andere Ziele zu folgen: eine deutlichere Orientierung an der Filmwirtschaft und eine Abkehr von den halberwachsenen Fans, die eh nur nörgeln, hin zu den Kindern, die mit bunten Kostümen noch nachhaltig unterhalten werden können. Wo man wieder bei Superboy wäre: der hat ein neues Schwarz-Rotes-Naniten(?)-Ding an, das besser ist als jede Variation des klassischen Superman-Leibchens.
Dass es hier um einen bösen Superboy geht, der mit einer Teilrüstung erst durch eine Sonne geschmissen werden muss, um von seinen Verwüstungen abzulassen, davon sagten sie nichts. Es geht bei Infinite Crisis eher um einen atmosphärischen Kampf: das alte DC Universum mit seinen Helden und lachenden Vagabunden und bunt-kosmischen Herrlichkeiten will das neue(re) DC Universum ausschalten. Letzteres ist nämlich zu dunkel, die Charaktere sind hier zu selbstzweifelnd und Batman weint im Schlaf und manche sidekicks haben Heroin genommen ("Speedy!!!").
Das ist natürlich ein verlegerischer Alptraum. Und es ist wahrlich eine gute Idee, diesen formalästhetischen Konflikt für einen serienübergreifenden Rundumschlag zu nutzen. Da kann man dann so DC lesen und sich voll literaturtheoretisch stimuliert fühlen.
Nachteil an IC ist die Wonne und die Hingabe der Illustratoren. Leider kann der Konsument kaum drei oder vier Seiten blättern, ohne dass ihm vor lauter Farben, split frames und Detonationen schlecht wird. Dieses Produkt hat tatsächlich geschafft, was ein Film nie schaffte: eine optische Übersättigung, ein Zuckerschock. Dadurch kann man der Handlung auch nur bedingt folgen... der Wikipedia-Eintrag klärt (monochromatisch) über die Details auf.
Die letzte DC-Neuerung scheint derweil aber wieder andere Ziele zu folgen: eine deutlichere Orientierung an der Filmwirtschaft und eine Abkehr von den halberwachsenen Fans, die eh nur nörgeln, hin zu den Kindern, die mit bunten Kostümen noch nachhaltig unterhalten werden können. Wo man wieder bei Superboy wäre: der hat ein neues Schwarz-Rotes-Naniten(?)-Ding an, das besser ist als jede Variation des klassischen Superman-Leibchens.
10/07/2012
The Horse Soldiers, John Ford
Hier und hier. Täratetäretääätetäääreteräää! Zwei edle Streiter für das Gute mit unterschiedlichem m. o. werden durch das große Projekt des rechtschaffenen Krieges geeint und dürfen ihre unterschiedlichen Meinungen und Fähigkeiten präsentieren.
Dies ist eine embryonale Vorstufe des Buddy-Movies - hier wird nicht zusammen geblutet, hier wird vielleicht mal die Hand geschüttelt. Das muss reichen und für echte Kerle reicht das auch.
Die Handlung erhält Bewegung durch den Bürgerkrieg, der mit edlem Pathos als humanistische Notwendigkeit ohne klare Abwertung des Gegners inszeniert wird. Ist klar, denn der Duke ist ja auch im Süden beliebt. Verblüffend dabei die beiden Frauen: die sehr weiße southern belle muss erst vom nordischen Rauhbein gezähmt werden, um dann unfrisiert und abgeregt endlich mitzuhelfen. Die schwarze Frau ist besorgt und eifrig und vollkommen unsichtbar. Dann gerät sie ins Sperrfeuer und dient der weißen Frau zur Entrüstung und zur Inbetriebnahme eines südstaatlichen Stolzes im Sinne der Nordstaaten.
Allen zeitgeistigen Irritationen zum Trotz: John Ford ist großartig in seiner Deutlichkeit und Kraft; seine Bilder erzählen von ganz allein, wie die Welt ist oder zumindest, wie sie zu sein hat. Hier wird nicht angedeutet, hier wird abgeschossen.
Dies ist eine embryonale Vorstufe des Buddy-Movies - hier wird nicht zusammen geblutet, hier wird vielleicht mal die Hand geschüttelt. Das muss reichen und für echte Kerle reicht das auch.
Die Handlung erhält Bewegung durch den Bürgerkrieg, der mit edlem Pathos als humanistische Notwendigkeit ohne klare Abwertung des Gegners inszeniert wird. Ist klar, denn der Duke ist ja auch im Süden beliebt. Verblüffend dabei die beiden Frauen: die sehr weiße southern belle muss erst vom nordischen Rauhbein gezähmt werden, um dann unfrisiert und abgeregt endlich mitzuhelfen. Die schwarze Frau ist besorgt und eifrig und vollkommen unsichtbar. Dann gerät sie ins Sperrfeuer und dient der weißen Frau zur Entrüstung und zur Inbetriebnahme eines südstaatlichen Stolzes im Sinne der Nordstaaten.
Allen zeitgeistigen Irritationen zum Trotz: John Ford ist großartig in seiner Deutlichkeit und Kraft; seine Bilder erzählen von ganz allein, wie die Welt ist oder zumindest, wie sie zu sein hat. Hier wird nicht angedeutet, hier wird abgeschossen.
The Perks of Being a Wallflower, Stephen Chbosky
Hier. It was the best of times, it was the worst of times. Zum Glück verschwendet Chbosky keine Zeit und keine Zeiten sondern erzählt präsent und stetig von der ersten Seite an von den Abenteuern und Erkenntnissen des pubertären Helden. Selbiger scheint zerebral irgendwie besonders: ein teils beklemmender Autismus zieht sich durch den Briefroman (die Kapitel sind direkt an den unbekannten Leser gerichtet), der teils aber auch als etwas exaltierte Ausdrucksweise durchgehen mag.
Am tollsten an diesem Roman ist der Sex, denn der ist weder sensationell, noch lächerlich oder traumatisch. Diese Dimension tut sich einfach allmählich auf und das Mauerblümchen hat eine einmalige Perspektive auf das Geschehen, ohne sich am Ende dafür rächen zu wollen. Dies scheint ein Menschenbuch zu sein, für Menschen bevor sie ausziehen und eigene Menschen produzieren und somit etwas anderes werden.
Bald im Kino nebenan.
Am tollsten an diesem Roman ist der Sex, denn der ist weder sensationell, noch lächerlich oder traumatisch. Diese Dimension tut sich einfach allmählich auf und das Mauerblümchen hat eine einmalige Perspektive auf das Geschehen, ohne sich am Ende dafür rächen zu wollen. Dies scheint ein Menschenbuch zu sein, für Menschen bevor sie ausziehen und eigene Menschen produzieren und somit etwas anderes werden.
Bald im Kino nebenan.
10/04/2012
Spook Country, William Gibson
Hier, loser Nachfolger von jenem. Jaja, den Cyberpunk hat der Herr erfunden - damals in den 80ern, als sich der technologische Irrsinn erst so langsam mit Fiepfahpfuhp-Modems abzeichnete. Derweil ist er in der neueren Geschichte angelangt und schickt die Heldin Hollis durch das Jahr 2006 um seltsamen Journalismus und Projektmanangement zu betreiben.
Hervorragend ist die Darstellung der Geo-3D-Kunst, die mit VR-Brillen echten Orten falsche optische Echos "überstülpt". Die Idee des Bildschirm wird, ähnlich wie bei Scanner Darkly, internalisiert und fatalisiert. Gibson reißt die Frage nur an doch trotzdem bekommt der Leser Angst vor der Antwort: was wird sein, wenn hinter dem sogenannten Monitor (dem "Zeiger", ha!) mehr Daten versammelt sein werden als davor? Oszilliert die Realität dann in die andere Richtung? Und was sagen wir eigentlich, wenn wir "Richtung" sagen?
Nach dem OKen Pattern Recognition und diesem besseren Spook Country landet der dritte Teil der Reihe namens Zero History auf der ToDo-Liste. Erst der Ort, dann die Zeit? Alles stülpt und windet sich...
Hervorragend ist die Darstellung der Geo-3D-Kunst, die mit VR-Brillen echten Orten falsche optische Echos "überstülpt". Die Idee des Bildschirm wird, ähnlich wie bei Scanner Darkly, internalisiert und fatalisiert. Gibson reißt die Frage nur an doch trotzdem bekommt der Leser Angst vor der Antwort: was wird sein, wenn hinter dem sogenannten Monitor (dem "Zeiger", ha!) mehr Daten versammelt sein werden als davor? Oszilliert die Realität dann in die andere Richtung? Und was sagen wir eigentlich, wenn wir "Richtung" sagen?
Nach dem OKen Pattern Recognition und diesem besseren Spook Country landet der dritte Teil der Reihe namens Zero History auf der ToDo-Liste. Erst der Ort, dann die Zeit? Alles stülpt und windet sich...
The Expendables 2, Simon West
Auweia. Hier. Da muss man eigentlich nicht viel zu sagen.
Die Ökonomie des Films war deutlich: wir brauchen große Namen und schneidern die Szenen so, dass sie in einer Stunde fertig sind und wir die Beteiligten trotzdem aufs Poster wuppen können. Ein paar geile Einzeiler für den Trailer brauchen wir auch. Ironie ist sehr OK, aber Ironie hat immer mit Auslese und Absetzung zu tun. TE2 will aber allen gefallen, er zielt auf größtmögliche Akzeptanz. Unterhaltsam ist die Schlammschlacht aber schon. Werktagsunterhaltung.
Am seltsamsten und am deformiertesten ist Dolph Lundgren, dem man alles Gute wünscht. Am sympathischsten ist wieder Jason Statham, der hoffentlich noch sehr lange durch die Gegend detoniert.
Die Ökonomie des Films war deutlich: wir brauchen große Namen und schneidern die Szenen so, dass sie in einer Stunde fertig sind und wir die Beteiligten trotzdem aufs Poster wuppen können. Ein paar geile Einzeiler für den Trailer brauchen wir auch. Ironie ist sehr OK, aber Ironie hat immer mit Auslese und Absetzung zu tun. TE2 will aber allen gefallen, er zielt auf größtmögliche Akzeptanz. Unterhaltsam ist die Schlammschlacht aber schon. Werktagsunterhaltung.
Am seltsamsten und am deformiertesten ist Dolph Lundgren, dem man alles Gute wünscht. Am sympathischsten ist wieder Jason Statham, der hoffentlich noch sehr lange durch die Gegend detoniert.
Action Comics Vol. 1: Superman and the Men of Steel (The New 52), Rags Morales & Grant Morrison
Hier. Der gewaltige Stapel an Comics reduziert sich weiter, diesmal geht es um ein in der Fachpresse sehr gelobtes reboot (?) der Superman-Geschichte. Und weil man das mit den Augen versteht, steht bei diesem Produkt das neue Kostüm im Mittelpunkt: es hat jetzt rote Details auf dem blauen Grund. Einen Kragen gibt es und die Stiefel sind hübsch geriffelt. Es geht jetzt auch ein wenig über die Handgelenke.
Wem bringt das was? Allen, denn DC ist kein Produzent von Literatur sondern von Schaustücken. Jede ihrer Bildergeschichten, jedes Heft von der Tankstelle oder vom Kiosk, beinhalten mindestens ein großformatiges Bild des Heldenkörpers in Aktion. Das Kostüm ist eine Art monopolisierte Uniform und Kern der Sache und kulminiert im "S" auf der Heldenbrust.
Inhaltlich gewinnt AC1 vor allem, da Superman vor dem hübschen neuen Kostüm ein improvisiertes an hat - Stiefel, die bei Supergeschwindigkeit auseinanderfallen und die Babydecke aus der Kryptonkapsel als Cape. Nur das T-Shirt mit dem "S" hält. Das trägt dazu bei, diesen Clark als einen deutlich dynamischeren jungen Superman (aber nicht als Teenager-Superboy) zu begreifen, der vielleicht auch in der Wand landet, aber dann mit umso größerer Motivation wieder auf die feindlichen Mega-Roboter o. ä. eindrischt. Und selbst mit einem blauen Auge kann er die Geretteten dann anlächeln. Das macht ihn sympathischer als das schwebende kosmische Gotteswesen, das Probleme mit einem gelangweilten Laseraugeneinsatz löst.
Unerwartet gutes Ding, das. Speziell, aber unerwartet gut.
Wem bringt das was? Allen, denn DC ist kein Produzent von Literatur sondern von Schaustücken. Jede ihrer Bildergeschichten, jedes Heft von der Tankstelle oder vom Kiosk, beinhalten mindestens ein großformatiges Bild des Heldenkörpers in Aktion. Das Kostüm ist eine Art monopolisierte Uniform und Kern der Sache und kulminiert im "S" auf der Heldenbrust.
Inhaltlich gewinnt AC1 vor allem, da Superman vor dem hübschen neuen Kostüm ein improvisiertes an hat - Stiefel, die bei Supergeschwindigkeit auseinanderfallen und die Babydecke aus der Kryptonkapsel als Cape. Nur das T-Shirt mit dem "S" hält. Das trägt dazu bei, diesen Clark als einen deutlich dynamischeren jungen Superman (aber nicht als Teenager-Superboy) zu begreifen, der vielleicht auch in der Wand landet, aber dann mit umso größerer Motivation wieder auf die feindlichen Mega-Roboter o. ä. eindrischt. Und selbst mit einem blauen Auge kann er die Geretteten dann anlächeln. Das macht ihn sympathischer als das schwebende kosmische Gotteswesen, das Probleme mit einem gelangweilten Laseraugeneinsatz löst.
Unerwartet gutes Ding, das. Speziell, aber unerwartet gut.
10/01/2012
Donnie Darko, Richard Kelly
Das DD vorangestellte Genre ist vielleicht die gute alte coming-of-age-Kiste, die sich mit dem strauchelnden Verlassen der sogenannten Kindheit beschäftigt. Da kann man dann normalerweise auch gleich humanistische Sozialkritik einbauen und sich ereifern, was das denn für eine brutale Welt sei und so. Aber der Film verläßt die bewährten Pfade des Schwärm- und Klatschviehs recht schnell um sehr viel interessantere Kategorien wie Zeit und Raum und Materie zu erörtern. Angesiedelt ist das Ganze in der preiswerten und routiniert abfilmbaren Vorstadthölle (wo Zeit und Raum und Zeug klaustrophobische Affekte erzeugen) - und trotzdem schaffen es Bild und Ton, den Film eine tiefe Dunkelheit zu geben. Für das Klatschvieh postuliert der Film eine unerhörte Botschaft (wenn man denn den Botschafts-Sensor angeschmissen hat): vielleicht ist es besser, man sei früh verstorben, um die Umwelt nicht noch weiter zu kontaminieren.
DD ist so dunkel wie eben das diesen Planeten umgebende Weltall ist. Gyllenhall trägt seinen Teil bei und schaut herrlich lobotomisiert in die Umgebung. Der Film ist enorm detailliert und dicht, von den lapidaren 80s-Hits bis hin zu den minutiösen Entwicklungen der Nebencharaktere. Kelly hat diese Prägnanz nicht mehr erreicht (jedenfalls war sie nicht mehr so leicht erkennbar wie bei DD) - hoffentlich schafft er das noch einmal.
9/30/2012
Deadpool: Wade Wilson's War, Jason Pearson, Duane Swierczynski
Hier. Warum Deadpool? Weil er eine der lustigsten Comic-Parasiten ist, die Marvel zu bieten und zu verkaufen hat. Als stetig brabbelnder Psychopath rahmt er die erwartbaren Gewaltorgien mit mehreren Ebenen, die dann zum Schluss fein kollidieren.
Parasitär heißt auch, dass Deadpool für sich allein recht simpel ist. Selbstheilung, Kostüm, Waffen. Aber ersten erstens macht er fiese Witze über Krebs und Eiter. Zweitens ist es der rauschende Meta-Zug, wegen dem man ihn zu bleiben einlädt: wie er sich durch die Gewaltklischees und bekannte Aktionsmotive eumelt, ist schon fein. Die Gesamtheit der lauten Unterhaltung ist ihm Untertan.
Hier ist er also vor Gericht und erzählt, wie es dazu kam. Soweit, so einfach. Aber Deadpool redet Mist und belügt nicht nur seine Mitmenschen. Auch der Leser und er selbst können nicht sicher sein, wann wer wieviele Messer in den Kopf bekam (dass es cool aussah, wissen aber alle Beteiligten).
Mit Comics wie diesen muss man die Marke Deadpool von der Schmach befreien, die sie bei Wolverine: Origins erhalten hat. Reynolds war nicht Schuld, der ist ja die Grüne Laterne (aber wohl auch nicht mehr lange).
Parasitär heißt auch, dass Deadpool für sich allein recht simpel ist. Selbstheilung, Kostüm, Waffen. Aber ersten erstens macht er fiese Witze über Krebs und Eiter. Zweitens ist es der rauschende Meta-Zug, wegen dem man ihn zu bleiben einlädt: wie er sich durch die Gewaltklischees und bekannte Aktionsmotive eumelt, ist schon fein. Die Gesamtheit der lauten Unterhaltung ist ihm Untertan.
Hier ist er also vor Gericht und erzählt, wie es dazu kam. Soweit, so einfach. Aber Deadpool redet Mist und belügt nicht nur seine Mitmenschen. Auch der Leser und er selbst können nicht sicher sein, wann wer wieviele Messer in den Kopf bekam (dass es cool aussah, wissen aber alle Beteiligten).
Mit Comics wie diesen muss man die Marke Deadpool von der Schmach befreien, die sie bei Wolverine: Origins erhalten hat. Reynolds war nicht Schuld, der ist ja die Grüne Laterne (aber wohl auch nicht mehr lange).
9/29/2012
The Weather Man, Gore Verbinski
Hier und hier. Hier wurde mehr erwartet und es wurde nicht abgeliefert. Die Symbolik mit dem Bogenschießen wird ein wenig zu sehr bemüht. Nicolas Cage stellt den fast Abgehängten schon recht abgehängt dar (in Adaption hat er das viel besser gemacht) und die konservative Montage lässt seine Entwicklung höchstens erahnen. So kann das Ende nicht befreien, es wurde einfach nicht genug Interesse im Vorfeld gesammelt.
Eine Zeile von Michael Caine ist sehr fein, die äußert er zum Schluss, im Auto. Überhaupt bleibt seine Figur des aufgeräumten, nicht-tyrannischen und trotzdem problematischen Vaters am ehesten im Gedächtnis. Daraus könnte man einen eigenen Film bauen.
Gab es da nicht auch einen Nachrichten-TV-Hotzen-Film namens Anchorman? Will Ferrell, hu? Ganz andere Baustelle.
Eine Zeile von Michael Caine ist sehr fein, die äußert er zum Schluss, im Auto. Überhaupt bleibt seine Figur des aufgeräumten, nicht-tyrannischen und trotzdem problematischen Vaters am ehesten im Gedächtnis. Daraus könnte man einen eigenen Film bauen.
Gab es da nicht auch einen Nachrichten-TV-Hotzen-Film namens Anchorman? Will Ferrell, hu? Ganz andere Baustelle.
9/27/2012
Mass Effect 3, BioWare
Hier. Jetzt doch noch Teil eins? ME3 trat das erste Mal an dieser Konsumentenfront in Erscheinung, da es in der Spartenpresse furchtbar gehypt und ersehnt wurde und dann ob eines zu dürftigen Endes eine öffentliche Schmähung erfuhr. Es sei zu unepisch, sagten die Kritiker. Die vorliegende ermäßigte Version kam gepatcht und gewuppt und getunt, also kann das nicht mehr nachvollzogen. Aber ein seltsamer Vorgang, das. Publikumsbeteiligung? Fan fiction(s) der anderen Art?
Bei ME3 wird wieder sehr grob ge-RPG-t, klare Priorität haben die Teammitglieder und ihre Sprechrollen. Werden die Dinge dadurch episch? Man braucht anscheinend den Abgrund, den Breitwandinvasorenreigenhorizont und kosmische Stürme auf der einen und eben bekannte affektierte Gesichter auf der anderen. Überhaupt sind die Dialoge fast schon dümmlich lang. Oft wünscht man sich, dass diese Menschen und Aliens einfach mal das Hackbrett geschlossen halten und der Architektur nicht die Luft wegnehmen. Die Levels dürfen länger sein und vielleicht ein wenig komplexer. Deckung, schießen, nachladen. Granate. Wiederholen. Was ist denn aus den guten alten Zahnradrätseln geworden? Oder "finde roten Schlüssel für rote Tür" oder so.
ME3 ist ein also Massenbegeisterer, ok. Deshalb müssen es selbst dressierte Königspudel noch spielen können. Könnte nicht jemand ein Hack&Slay im SciFi bauen? Irgendwas mit wenig Dialogen? Im Weltraum hört einen doch keiner schreien. Warum erzählen die dann alle von ihrer schweren Kindheit?
Bei ME3 wird wieder sehr grob ge-RPG-t, klare Priorität haben die Teammitglieder und ihre Sprechrollen. Werden die Dinge dadurch episch? Man braucht anscheinend den Abgrund, den Breitwandinvasorenreigenhorizont und kosmische Stürme auf der einen und eben bekannte affektierte Gesichter auf der anderen. Überhaupt sind die Dialoge fast schon dümmlich lang. Oft wünscht man sich, dass diese Menschen und Aliens einfach mal das Hackbrett geschlossen halten und der Architektur nicht die Luft wegnehmen. Die Levels dürfen länger sein und vielleicht ein wenig komplexer. Deckung, schießen, nachladen. Granate. Wiederholen. Was ist denn aus den guten alten Zahnradrätseln geworden? Oder "finde roten Schlüssel für rote Tür" oder so.
ME3 ist ein also Massenbegeisterer, ok. Deshalb müssen es selbst dressierte Königspudel noch spielen können. Könnte nicht jemand ein Hack&Slay im SciFi bauen? Irgendwas mit wenig Dialogen? Im Weltraum hört einen doch keiner schreien. Warum erzählen die dann alle von ihrer schweren Kindheit?
9/25/2012
Justice, Alex Ross, Jim Krueger, Doug Braithwaite
Hier und hier. Das Tollste sind freilich die Rüstungen. Erstens sehen die supergut aus - Ganzkörperharnische mit kosmischem Metall und so. Die Macher dieses Comics haben mal eben die gesamten DC-Kostüme als Hardcore-Varianten neu initiiert.
Zweitens macht ihr Auftreten in der Rahmenhandlung großen Sinn, denn es geht nicht um individuelle Superhelden, sondern um ihre Gesamtheit als Gruppe und Ethikfraktion. Die Justice League kann nur episch, so viel versammelte Heldenmacht kann ohne entsprechenden Gegenpol nicht funktionieren. Das schreit nach Alex Ross. Kann der Herr eigentlich auch 'leise'? Zwei, drei Planeten müssen wahrscheinlich bei jeder seiner Bildergeschichten zerbersten. Sei's drum: das staunende Auge erfreut es arg. Und so sind auch die Szenen beim Superhelden-Erlebnisrestaurant letztlich episch: Kostüme kann jeder anziehen (und Shakes servieren). Kostüme tragen und benutzen, das kann freilich nur die Justice League.
Mit das seltsamste an dem Ding: Aquaman hat eine große Rolle und ist gar nicht mal der seltsamste Charakter. Von wegen Meerjungfraumann.
Mit das seltsamste an dem Ding: Aquaman hat eine große Rolle und ist gar nicht mal der seltsamste Charakter. Von wegen Meerjungfraumann.
9/16/2012
Everyman, Philip Roth
Hier und hier. Ach, Herr Roth, hier also ein gelobtes kurzes Spätwerk. Was ist eigentlich nicht Spätwerk bei Ihnen? Bei Everyman stirbt ein Jedermann (zu spät? Auf jeden Fall zu früh für sich selbst...) und reflektiert über seine Dekaden davor. Frauen, Kinder, Jobs, die Ostküste. Routiniert und mit sehr, sehr, selbstsicheren Absätzen werden die Eskapaden abgehandelt und Bitternis wird auch Bitternis genannt. Was ist denn da nun die große Pointe? Dass der Tod keine hat? Seit wann ist das neu? Wem soll das die Furcht nehmen?
Schöne Szenen hat das kleine Ding, die schönste ist das Treffen mit dem Spatenmann, der immer die Gräber aushebt. Der Spaten als Allegoriemetaphersympolheititei für die Endlichkeit und die Ehrlichkeit der materiellen Arbeit. Der grim reaper ist Sisyphus und eine kosmische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Nach einem Roman von Roth wird die Welt nicht stiller, aber das Quieken und Keifen der Lebenden wird noch ein wenig nebensächlicher als ohnehin.
Schöne Szenen hat das kleine Ding, die schönste ist das Treffen mit dem Spatenmann, der immer die Gräber aushebt. Der Spaten als Allegoriemetaphersympolheititei für die Endlichkeit und die Ehrlichkeit der materiellen Arbeit. Der grim reaper ist Sisyphus und eine kosmische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Nach einem Roman von Roth wird die Welt nicht stiller, aber das Quieken und Keifen der Lebenden wird noch ein wenig nebensächlicher als ohnehin.
Grosse Pointe Blank, George Armitage
Hier. Dieser Klassiker wird viel zu wenig rekonsumiert. Augen auf (zu?) bei der Berufswahl: Cusack ist der professionelle Auftragsmörder, der kein faustisch-schweres Herz mit sich herumträgt und eben nicht mit seinem Schicksal und überhaupt verzweifelt: nein, die tägliche Arbeitsfront lässt ihn schwitzen. Da ist die Konkurrenz, da sind die Mitarbeiter, und da ist die schwierige Verbindung mit dem sogenannten Privatleben. Eine romantic comedy wird der Film freilich erst durch die bezaubernde Minnie Driver, die nicht im Verborgenen Existentielles verrichtet, sondern (als Radio-DJ) im öffentlichen Äther alltäglichen Pop und Menschlichkeit verbreitet.
GPB könnte sich auf seine "Frechheit" verlassen und einfach nur achso böse Pointen abfeuern, tut es aber nicht. Mord ist nicht zwangsläufig zynisch und auf keinen Fall zwingend unromantisch oder unlustig. Der Film schafft damit eine angenehmes ethisches Vakuum, ohne seinen Ort zu vergessen: freilich ist das Ehemaligentreffen schwierig und freilich sind die meisten Pappnasen von damals noch schlimmer geworden - das wären sie aber auch, wenn Cusack ein gefeuerter Müllmann wäre. Teils rechtfertigt dies sogar den herrlich hysterischen showdown, wo der Job einem einmal wieder bis nach Hause verfolgt.
GPB könnte sich auf seine "Frechheit" verlassen und einfach nur achso böse Pointen abfeuern, tut es aber nicht. Mord ist nicht zwangsläufig zynisch und auf keinen Fall zwingend unromantisch oder unlustig. Der Film schafft damit eine angenehmes ethisches Vakuum, ohne seinen Ort zu vergessen: freilich ist das Ehemaligentreffen schwierig und freilich sind die meisten Pappnasen von damals noch schlimmer geworden - das wären sie aber auch, wenn Cusack ein gefeuerter Müllmann wäre. Teils rechtfertigt dies sogar den herrlich hysterischen showdown, wo der Job einem einmal wieder bis nach Hause verfolgt.
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