8/04/2015

Ant-Man, Peyton Reed

Hier. Sehr fluffig. Da weiss man, was man tut. Ein grundsympathischer kleiner (ja, ja) Film der dazu beiträgt, sich auf die weitere Ausfüllung der Diegesis zu freuen. Vielleicht kann etwas nur gross sein, wenn man etwas kleines daneben hält. Vielleicht kann die infernale optische Wucht der Avengers nur gehalten werden, wenn eben Kontraste beigefüttert werden.

Und demnächst die Wespe. Fein.

8/03/2015

Revival, Vol. 1: You're Among Friends (#1-5), Seeley, Norton, Englert

Hier. Und hier. Manche kommen wieder und manche gehen einfach nicht mehr weg. Dieser "rural noir" ist eigentlich "rural horror" und vermengt gute alte Individual-Zombies (keine krachenden Massen) mit dem Fargo der Coens.

Weit draußen sind die Allianzen stabil und die Horizonte flach - aber freilich bringt unruhiges Fleisch all das durcheinander. Ein wenig mehr als Splatter könnte aus der Geschichte in zukünftigen Ausgaben werden: da ist der Tod, der eben nicht mehr so verlässlich ist, und vielleicht muss eine junge Frau eben den Job des grim reaper übernehmen, um irgendwelche Gleichgewichte (meistens zugunsten der verkümmerten Lebenden) herzustellen oder zu verteidigen.

Und das Werk provoziert auch Fragen zu seiner Darreichungsform - wie sehr kann oder muss ein graphischer Roman mit der Oberfläche spielen? Manche panels spritzen hier, die Mehrzahl ist allerdings verhalten und still (damit das Spritzen auch gut wirkt). Könnte revival auch ohne akute Fleischbeschauen auskommen? Die Dialoge sind schon sehr geschliffen - könnten die nicht das ganze Problem von alleine tragen? Oder erwartet der Kunde die plakative Gewalt und besteht auch auf sie?

7/30/2015

The Revenant: A Novel of Revenge, Michael Punke

Hier. Wow. Aus dem frühen wilden Westen hier diese abstruserweise wahr sein sollende Geschichte über einen Totgeglaubten, der seine Nicht-Rettung ahnden möchte und dem dabei viel Schmerz passiert.

Der Vergleich mit Blood Meridian liegt nah, ist aber eigentlich Frevelei am Unvergleichlichen. Jedoch unterstreicht auch TR, wenn auch anders, diese direkte Materialität in denen Knochen eben auch nur modernde Zweige sind und bei denen der sogenannte Fortschritt vor allem ein Bündeln höchst individueller Bedürfnisse ist.

Bald auch im Kino.

7/29/2015

Unfun, Matias Faldbakken

Hier und hier. Laut und grell und Ellenbogen in die Fresse. Wenn Houellebecq twittern könnte, dann könnten seine Plastiktütenoper  ähnlich haltlos wie MFs Nicht-Spass sein.

Freilich ist die politische (?) Korrektheit nie gegeben und sogenannte Minderheiten verhalten sich einfach nicht wie ebendiese. Freilich gibt es derb Gewalt. Aber leider ist das dicke Ende ein wenig erwartbar. Als Statement taugt das Buch soviel wie seine Geschwister, aber wo bleibt die Epik? Ist das zu naiv, überrascht werden zu wollen?

7/28/2015

Und Nietzsche weinte, Irvin Yalom

Hier. Bildungsbürger unter sich. Der oftmals als Vielosoph der Verzweiflung verschriene Fritz N. legt sich auf die Couch und lässt sich behandeln bevor die sogenannte Redekur zur massenhaften Verzückung der Gesamtbevölkerung wurde. Grosse und schwere Fragen werden menschlich, allzu menschlich aufgerührt: hat FN nur Kummer oder leidet er aus gutem Grund? Was taugt als Grund? Und findet sich der behandelnde Dr. Breuer, freilich Kollege von Freud vor dem Ruhm, nicht notwendigerweise als Behandelter wieder, wenn er sich auf Gespräche mit eben diesem Rumpelstilzchen einlässt?

Insgesamt zieht es sich. Die Betonung liegt weniger auf Plot und Kausalitäten als auf Gesprächen, sokratischem (so-schnarchischem?) Dialog. Leidlich amüsant, aber keiner der Akteure ist jenseits seines großen Namens interessant.

Das Buch erinnert an eine minutiös gepflegte Modelleisenbahn im Keller. Hübsch, aber gegessen wird woanders.

7/12/2015

Rohypnol, Andrew Hutchinson

Hier. Och. Nein, da kam kein dropkick noch zum Schluss, es ist einfach ein sensationsheischender, lauter und insgesamt leider sehr überflüssiger Debütroman.

Herrjemine, die Jugend ist wild. Ach, Mann muss nicht volljährig zum vergewaltigen sein. Na sowas. Und in der schönen neuen Welt sind Drogen nicht nur zum Eigenrausch zu gebrauchen. Auweia. Da sind wir aber gespannt wie das weitergeht mit der verlotternden Jugend.

Minions, Kyle Balda, Pierre Coffin

Hier. Unaufhaltsam. Es kommt einem vor, als wäre der Begriff "merchandise" erfunden worden und danach mit den Minions illustriert worden. Sie sind perfekte Kreaturen der Wertschöpfungskette... jenseits von Sprache und Zugehörigkeit geht es nur um die Unterhaltung. Freilich passen hier die Details, so dass man zumindest beim Drittkonsum noch zumindest lächeln könnte.

Im Kino zu sitzen und die Zielgruppe für diesen kleinsten gemeinsamen Nenner für Unterhaltung zu erleben ist eine Schau. Vor allem für die Ohren. Die sind das Volk. Die kaufen die Bettwäsche. Die klicken die gelben Cartoons bei Facebook an. Die verschenken die DVD. Die. Die alle. Minions.

More Than Human, Theodore Sturgeon

Hier. Und wieder ein Roman der zu Unrecht im SciFi-Regal verschwindet. Erzählart und Thema sind zeitlos: Teile und Fragmente ergeben ein Ganzes, in Theorie und Praxis. Teilweise ist es ein wenig trocken, dem Geschehen zu folgen, aber doch kommt am Ende alles zusammen bzw. bricht herrlich panoramaromatisch auseinander.

Das Ich ist ein Kreuz und die erste Person Singular versperrte schon viel zu lange die Sicht auf das Tosen und das Wuchern. MTH ist ein Roman der hilft, den Leichnam endlich zu kompostieren.

Transformers: Age of Extinction, Michael Bay

Hier. Das war ziemlich furchtbar. Immerhin ist das Medium die Massage: in HD macht die virtuelle Materialität Schaulust, denn die unendlich ziselierten Roboter sind letztlich unmikroskopierbar.

The Highly Sensitive Person: How to Thrive When the World Overwhelms You, Elaine N. Aron

Hier. Locker und simpel geschrieben und derzeit wohl eine Innovation auf dem Nabelschau- bzw. Selbstverständnismarkt. Hier geht es nicht um eine begabte, kluge, höherwertige oder sonstwie spektakuläre Art von Mensch. Jeder fünfte soll derart besonders sein, dass er oder sie die Welt roher und ungefilterter wahrnimmt. Das begünstigt die Ausformung einiger Eigenschaften, aber auch Gefahren. Die Nähe zum Autismus und seiner Diskussion ist freilich auch gegeben.

Hart wissenschaftlich geht es hier nicht zugange, das muss es auch nicht. Was möglich ist, ist aber ein Perspektivwechsel. Das Grübeln über Irritationen in Vergangenheit und Gegenwart wird neu befeuert, weil Sensibilität als Qualität und Erfahrungsmerkmal verstanden werden kann. Das Ding basiert nicht auf Foucault, aber es regt Foucaltismen an: man kann etwas in den Diskurs bringen und dann existiert es erst. Das kann klappen.

7/02/2015

Spy, Paul Feig

Hier und hier. Dumpfer Titel, keckes Filmchen. Die Hauptdarstellerin hat seit einiger Zeit 'nen Lauf und hier unterhält sie freilich gewohnt moppelig und mobil. Sehr positiv überrascht auch Jason Statham.

Woran sich der Konsument kaum gewöhnen kann: die mittlerweile üblichen Aufmerksamkeitsaufputschmittel namens Ekelschockeffekt. Humor muss dreckig sein, klar. Aber hatte der sehr dreckige Humor nicht einst ein eigenes Genre?

6/30/2015

Prozac Diary, Lauren Slater

Hier. Das ist immer nicht so einfach wenn eine Poetin poetisch über Kopfsachen wird. Die denkt ja eh schon viel nach über Ausdruck und so. Welcher Satz klingt am ehesten nach? "Dank der Pille kann ich endlich ich selbst sein." Die Verachtung bezüglich egomanischem Humanismus ist freilich stets präsent, doch hier will sie sich nicht wirklich entladen. Slater ist zu menschelnd-wurschtelig, sie stellt gar nicht die hohe Kunst in die Mitte. Sie gibt zumindest zu, es auch nicht ganz verstanden zu haben und nagt an den Worten herum, die die Pharma-Farmen ausstoßen.

6/28/2015

Batman: Arkham Asylum, Eidos Interactive et al.

Encore. Ein Fest. Prügeln, Batarangs, und immer mit R1 aus der Affäre ziehen. Die Erzählung selbst passt in eine Nacht und alle DC-Hausaufgaben wurden gemacht. Mehr davon.

6/21/2015

Jurassic World, Colin Trevorrow

Hier. Bäm und weg. Ein frommer runder Sommerfilm mit einem Tier, das man endlich hassen darf: der widersachende Saurier hier ist ein unnatürlich Kloncocktail aus Donnerechse und Menschengier und darf deshalb ohne weiteres verachtet und gefürchtet werden, ohne verflixten WWF im Nacken. Warum das Ding nun soooo viel Geld eingefahren hat, ist allerdings nicht begreiflich. Richtige Zeit, richtige Konkurrenz?